Die wirtschaftliche Lage an der Saar hat sich nach einer monatelangen Erholungsphase im August wieder verschlechtert. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Saarland hervor, an der rund 300 Betriebe mit insgesamt mehr als 90.000 Beschäftigten teilnahmen. Der IHK-Lageindikator fiel nach sieben aufeinanderfolgenden Verbesserungen erstmals wieder – um 2,8 Punkte auf 4,0 Zähler. Vor allem die Gießereien und Teile der Stahlindustrie meldeten eine schlechtere Geschäftslage. Auch der Blick nach vorn verdüsterte sich: Der Erwartungsindikator rutschte um 1,1 Punkte auf minus 12,2 Zähler ab, was vor allem auf die weiter eingetrübten Perspektiven in der Automobilzulieferindustrie zurückgeht.
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé fasste die Ergebnisse deutlich zusammen: „Auftragsmangel, rückläufige Umsätze und hohe Kosten gehen zunehmend an die Substanz der Saarindustrie. Zusätzlichen Gegenwind bringen der Energiepreisschock infolge des Krieges im Nahen Osten und das Niedrigwasser, das insbesondere die Stahlindustrie und die Bauwirtschaft belastet und über höhere Frachtkosten auch weitere Branchen trifft. Unter diesen Bedingungen ist eine durchgreifende Erholung nicht in Sicht. Das für 2026 prognostizierte Mini-Wachstum steht inzwischen auf der Kippe. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es bestenfalls bei einer Stagnation bleibt. Die Saarwirtschaft kämpft damit inzwischen eher darum, ein viertes Rezessionsjahr in Folge zu vermeiden, als um einen echten Aufschwung.“
Die Zahlen unterstreichen das schwierige Umfeld: 24 Prozent der befragten Unternehmen bewerteten ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut, 56 Prozent als befriedigend und 20 Prozent als schlecht. Besonders drastisch fällt der Vergleich bei den Umsätzen im Verarbeitenden Gewerbe aus. Im ersten Halbjahr lagen diese kumuliert 6,2 Prozent unter dem ohnehin schon schwachen Vorjahreswert – während bundesweit im selben Zeitraum ein Plus von 3,2 Prozent verbucht wurde. Innerhalb der Saarindustrie zeigt sich ein gemischtes Bild: Die Keramikindustrie läuft gut, überwiegend befriedigend ist die Lage in der Elektroindustrie, im Ernährungsgewerbe, in der Metallerzeugung, im Stahlbau, im Maschinen- und Anlagenbau, in der Stahlindustrie, der Medizintechnik, der Gummi- und Kunststoffindustrie sowie in Teilen der Automobilzulieferindustrie. Deutlich angespannt bleibt die Situation bei den Gießereien. Die Bauwirtschaft zeigt sich dank öffentlicher Aufträge im Hoch- und Tiefbau vergleichsweise robust.
Ein Lichtblick bleibt der Dienstleistungssektor: 81 Prozent der dort tätigen Unternehmen meldeten gute oder zumindest befriedigende Geschäfte. Besonders die IT-Branche entwickelt sich positiv, bei Banken und Versicherungen überwiegen befriedigende Einschätzungen. Im Handel hält das durchwachsene Stimmungsbild an, das Gastgewerbe profitiert vom Sommergeschäft.
Für die nächsten sechs Monate rechnen lediglich fünf Prozent der Betriebe mit besseren Geschäften, 19 Prozent erwarten eine Verschlechterung, und 76 Prozent gehen von einer weitgehend gleichbleibenden Entwicklung aus. Schwache Nachfrage, hohe Energie- und Standortkosten sowie wirtschaftliche Unsicherheit bremsen insbesondere in der Industrie die Bereitschaft zu investieren.
Thomé mahnte grundlegende Reformen an: „Deutschland steckt in einer Investitions- und Produktivitätskrise. Gerade angesichts des demografischen Wandels ist das eine zentrale wirtschaftspolitische Herausforderung: Mit weniger Erwerbstätigen müssen wir künftig mehr Wertschöpfung erzielen. Das gelingt nur mit höherer Produktivität – und dafür brauchen wir Investitionen in neue Technologien, Digitalisierung, KI und moderne Produktionsanlagen. Ohne Investitionen keine Produktivität, ohne Produktivität kein nachhaltiges Wachstum. Die von der Bundesregierung angekündigten Reformen bei Bürokratie, Arbeitsmarkt und sozialen Sicherungssystemen sind erste Schritte. Sie reichen aber bei weitem nicht aus. Jetzt müssen die strukturellen Standortnachteile Deutschlands konsequent abgebaut werden: durch wettbewerbsfähige Steuern und Energiepreise, niedrigere Abgaben, weniger Regulierung, schnellere Verfahren und eine moderne Infrastruktur. Entscheidend ist, dass sich Investitionen in Deutschland wieder rechnen. Kapital fließt dorthin, wo die Bedingungen stimmen. Wenn wir Wachstum, industrielle Wertschöpfung und Wohlstand im Land halten wollen, müssen wir genau diese Bedingungen jetzt schaffen.“




