Helden des Alltags: Technische Hilfswerk Ortsverband St. Wendel – ein Interview mit Markus Tröster

Wir haben mit Markus Tröster, dem THW- Ortsbeauftragten der Kreisstadt St. Wendel und stellvertretenden Kreisbeauftragten über seine Arbeit im Technischen Hilfswerk gesprochen.

Markus Tröster

wndn.de: „Markus, was kannst du uns über dich erzählen? Seit wann bist du im THW aktiv?“

Markus Tröster: „Mein Name ist Markus Tröster, ich bin 29 Jahre jung, wohne in St. Wendel und arbeite in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums für Inneres, Bauen und Sport. Im Jahr 2000, im Alter von 10 Jahren, bin ich über meine Verwandtschaft zum THW gekommen. Ich schaute mir erst einmal alles an und es gefiel mir direkt so gut, dass ich bis heute dabei geblieben bin. Damals war ich in der Jugendgruppe als Junghelfer tätig.

Mit 18 Jahren schloss ich die Grundausbildung mit den nötigen Standardeinsatzkenntnissen, also die Prüfung zum aktiven Helfer ab und wurde anschießend als Jugendbetreuer  und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt. Ich bin froh, dass meine Fähigkeiten auch schon in sehr jungen Jahren gewürdigt wurden und ich damals die Möglichkeit erhielt diese sinnvoll für das THW einzusetzen.

Im Alter von 23 Jahren wurde ich dann zum Ortsbeauftragten, einem der jüngsten in Deutschland, gewählt. Das war eine große Ehre für mich und dafür bin ich auch bis heute sehr dankbar. Mittlerweile bin ich schon in meiner zweiten Amtszeit. Ich lebe diese Tätigkeit  von Herzen und  stehe voll hinter dem Grundgedanken, dass wir zur Stelle sind, wenn wir gebraucht werden. Täglich investiere ich circa zwei bis vier Stunden in das Ehrenamt und besuche regelmäßig auch verschiedene Lehrgänge. Es macht großen Spaß, aber es ist natürlich eine zeitintensive Beschäftigung. Die Teilnahme an klassischen Einsätzen muss sich auch mit der Arbeit vereinbaren lassen und das gestaltet sich nicht immer einfach. Meiner Erfahrung nach stößt man diesbezüglich aber bei vielen Arbeitgebern auf eine positive Resonanz. Zusätzlich absolviere ich gerade noch eine Zusatzqualifikation zum Auslandshelfer. Dazu benötigt man unter anderem gute Englischkenntnisse, einige zusätzliche Impfungen und weitere Zusatzlehrgänge.“

Gratulation. Da hast du ja eine ganz schöne THW- Karriere vor und hinter dir.

Kurz und knapp: Was sind die Aufgaben des THW?

„Wir sind als Behörde des Bundesinnenministeriums ergänzend zur Feuerwehr und der Polizei für den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz sowohl im In-, als auch im Ausland auf Anforderung tätig. Das kann zum Beispiel Hilfe bei größeren Unglücksfällen, einem starken Unwetter mit großflächigen Schäden oder einem länger andauernden Stromausfall in einer Gemeinde sein. Anders als z.B. bei der Feuerwehr, sind wir auf längere Einsätze und sehr problematische Notsituationen ausgerichtet.“

Wie sieht die Grundausbildung zum Helfer aus?

„Von Januar bis Oktober besucht man die wöchentlichen THW- Termine und lernt dabei die Organisationsstruktur und den Umgang mit verschiedensten Materialien kennen. Hierbei lernt man ebenso wie man sich im Falle eines Schadensereignisses verhält und wie man mit größeren Gerätschaften ordnungsgemäß umgeht. Die Grundausbildung ist dazu da um  die Helfer für den Ernstfall vorzubereiten und auszubilden, sozusagen das Aneignen des kleinen Ein mal Eins des Helfens. Die abzuleistende Prüfung um die Einsatzbefähigung zu erhalten besteht aus verschiedenen praktischen Stationen auf unserem Gelände, wie etwa Gesteinsbearbeitung mit einem Trenngerät. Dabei achten die Prüfer beispielsweise darauf, ob der Gehörschutz angebracht wurde und der Sicherheitsabstand zu umliegenden Personen eingehalten wurde. Zudem wird auch Theoriewissen geprüft und es muss eine Teamaufgabe gelöst werden. Die Prüfung für den nördlichen Saarlandbereich findet seit 1997 jeden Herbst hier bei uns in St. Wendel statt. Nach erfolgreich absolvierter Prüfung erhält man dann seine Urkunde und das Helferabzeichen. Alles ist sehr kameradschaftlich, aber auch mit der nötigen Portion Ernst angelegt.“

Ein THWler muss also fundiertes Wissen haben bevor ihr ihn in den Einsatz schickt. Das ist natürlich sehr sinnvoll und notwendig, damit im Ernstfall jeder weiß was zu tun ist.

Ihr habt vor kurzem das 60–jährige Jubiläum des THW OV St. Wendel gefeiert. Was ist dein Resümee?

„Ich bin sehr stolz auf unsere 105 Mitglieder. 60 dieser Mitglieder sind voll ausgebildete Einsatzkräfte, das ist eine sehr große Anzahl. Gerade auch weil wir so viele Helferinnen und Helfer sind, vergößern wird uns gerade. Jedes THW  in Deutschland besitzt zunächst die gleiche Organisationsstruktur und zudem noch einen spezialisierten Bereich. Bei uns ist das das Fachgebiet Räumen. Künftig verfügen wir zusätzlich über eine Fachgruppe Elektroversorgung, die unter anderem große Mengen an Notstromversorgung und Beleuchtung gewährleisten kann. Wenn mal länger als zwei Stunden der Strom ausfällt, dann kann es schnell chaotisch werden. Tankstellen funktionieren nicht mehr, PCs streiken, Krankenhäuser laufen im Notbetrieb. Hier können wir dann helfen. Ansonsten dauert unser Jubiläumsjahr noch bis Ende 2019. Im März haben wir einen großen Festakt mit Ministerpräsident Tobias Hans und dem THW-Präsidenten Albrecht Broemme gefeiert. Wir haben bis Ende des Jahres noch so einige Aktionen geplant.“

Bei wie vielen Einsätzen warst du als aktiver Helfer bisher dabei?

„Ich war an schätzungsweise 80 bis 100 Einsätzen beteiligt. Ich bin stolz darauf, dass ich bei so vielen Ereignissen helfen konnte. Auch wenn ich viel private Zeit opfere, so ist es das eindeutig wert.“

Markus, was ist das prägnanteste Erlebnis, das du im Laufe deiner ehrenamtlichen Tätigkeit hattest?

„Als THWler guckt man den Wetterbericht schon mal etwas aufmerksamer an. Als letztes Jahr im Juni wieder Starkregen angekündigt war, hatte ich schon ein ungutes Gefühl. Kleinblittersdorf war von diesem Unwetter stark betroffen. Die Straßen waren voller Autos, die kreuz und quer im Weg standen, ein Pferd starb durch die Wassermassen und viele Menschen standen inmitten von Verwüstungen. Von der Gefühlslage her war das ein superintensiver Einsatz. Vor Ort sorgten wir dafür, dass die gröbsten Schäden beseitigt werden konnten. Die folgenden Zeilen meines damaligen Facebookposts beschreiben wie sehr mich dieses Ereignis bewegte: „Ein Tag nach diesen Fluten im Bliesgau versuche ich dieses Ereignis in Worte zu fassen: Ich bin knapp 20 Jahre beim THW und war 2013 beim Jahrhundert-Hochwasser an der Elbe. Man erlebt so einige tragische und schreckliche Dinge. Aber das, was der Starkregen hier verursacht hat, begreift man selbst dann nicht, wenn man direkt davor steht. Die Wassermassen zerstören in Sekunden alles, was ihnen in den Weg kommt. Ich habe nur kurz mit einem älteren Mann sprechen können, der wie versteinert vor seiner Wohnung stand, die völlig zerstört, ausgehöhlt und bis zum Fundament freigespült wurde. Als er mir dann unter Tränen sagte, dass er es selbst aufgebaut hatte, musste ich gehen… Direkt daneben stehen demolierte Fahrzeuge in einer Garage, die am Abend vorher drei Straßen weiter oberhalb geparkt wurden. Diese und viele Dutzend weiterer Wagen sind wohl nur noch Totalschaden. Eine ganze Straße ist so zerstört, dass man meint, sich in einer Erdbebenregion zu befinden. Hier kommt selbst ein Fußgänger nur noch schwer durch. Und dann der Lichtblick: Trotz allem ist hier gerade niemand alleine! Alle packen an! Statt den Kopf in den Sand zu stecken, greifen alle zur Schaufel. Jeder tut, was er kann. Es wird Trost gespendet. Hilfsorganisationen und Bewohner wachsen zu einer großen Familie zusammen. Ein Gefühl, das nicht beschreiblich ist. Nach 14 Stunden auf den Beinen die letzte Mission vor der Nachtruhe: die “Erdbeben-Straße“ wieder halbwegs befahrbar machen – darauf haben die Anwohner stundenlang gewartet. Das Einzige, was uns davor kurzzeitig abhalten konnte, waren zwei Anwohner: “Wir können zusammen arbeiten, also machen wir auch zusammen Pause. Wir haben für Euch alles mitgebracht, was wir zu Hause noch hatten.“ Ja, trotz dieser schrecklichen Situation: Wir können lachen!“

Es war ein tolles Erlebnis zu sehen wie Menschen zusammenhalten. Dieses Ereignis hat Menschen  mit Nachbarkeitsstreitigkeiten wieder zusammengeführt und uns dazu gebracht uns wieder mehr den wesentlichen Angelegenheiten des Lebens zu widmen. Wir haben vor Ort so viel Dankbarkeit erfahren und das war so ein superschönes Gefühl, es war alles noch intensiver als beim Hochwassereinsatz 2013 an Elbe, weil es wirklich direkt vor Ort bei uns im Saarland war.“

Dankbarkeit, ist das ein Grund warum du ehrenamtlich tätig bist?

„Natürlich freue ich mich über dankbare Menschen, das stärkt und ehrt uns. Es geht vor allem aber darum einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Ich bin vielleicht nur einer von vielen Helfern aber ich leiste meinen persönlichen Beitrag dazu etwas für die Menschen in Not zu tun. Jeder brauch ein wenig Bestätigung oder möchte sich auch außerhalb des Jobs verwirklichen und bei mir geschieht dies über THW. Seit ich ein kleiner Junge bin, bin ich mit ganzem Herzen dabei.“

Das freut mich für dich. Wirklich eine tolle Sache!

Wie sieht denn eigentlich das perfekte Mitglied für dich aus?

„Perfekte Mitglieder gibt es eigentlich nicht. Es ist wichtig hinter der Sache zu stehen, unsere Aufgabe zu verstehen und das auch zu leben. Man sollte ehrlich, teamfähig und zuverlässig sein. Bei unseren Einsätzen geht es um ernstzunehmende Notfälle, deshalb tragen wir eine große Verantwortung und müssen uns dieser auch bewusst sein. Wir sind eine Hilfsorganisation, die agieren muss, wenn es darauf ankommt. Da gibt es kein Verschieben und kein Verständnis für Unlust.

Grundsätzlich kann jeder kann mitmachen, wir finden für jeden einen Job, auch beispielsweise im Verwaltungsbereich, etwa beim Bearbeiten von Rechnungen, der Erstellung von Plänen, usw. Jeder hat andere Fähigkeiten und bei uns habt ihr die Möglichkeit diese einzubringen.“

Warum ist das THW auch für kleine Helfer interessant?

„Aktives Mitglied im THW zu sein ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Ihr könnt auf spielerische Art und Weise Wichtiges über Technik und Materialien lernen und auch an unseren Spaßaktionen, wie zum Beispiel gemeinsam Eis essen oder ins Schwimmbad gehen, teilnehmen. Demnächst findet ein bundesweites Zeltlager mit 4000 Teilnehmern statt, an dem ich auch teilnehme, weil mich die Jugendarbeit immer noch sehr interessiert und ich immer noch großen Spaß daran habe.“

Warum lohnt es sich dem THW beizutreten und sich ehrenamtlich zu engagieren?

„Es lohnt sich, weil man für das Leben lernt. Man lernt nicht nur für seine Mitmenschen da zu sein, man erweitert auch seinen Horizont. Diese ehrenamtliche Arbeit kann uns sensibilisieren und uns die Augen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben öffnen.“

Wie kann man den Ortsverband des THW St. Wendel unterstützen?

„Ihr könnt uns unterstützen, indem ihr mitmacht und selbst anpackt oder ihr könnt gerne auch Fördermitglied werden und einen finanziellen Beitrag leisten. Wenn ihr uns an unserem Sommerfest am 24. Und 25. August, Essenerstraße 9, Industriegebiet West besucht, dann  unterstützt ihr unseren Ortsverband ebenso. Am 24. August starten wir ab 18 Uhr mit musikalischer Untermalung in unser Sommerfest. Am 25. August ist Familientag mit einer Retterrallye für Kinder, die die letzten Jahre wirklich der Renner war. Die Anwesenheit vieler Besucher zeigt uns, dass sich die Menschen für uns und unsere Arbeit interessieren und das freut unwahrscheinlich.“

THW Helfervereinigung St. Wendel e.V.

Kreissparkasse St. Wendel

IBAN: DE 48592510200000009811

An dieser Stelle möchten wir uns bei Markus und all den anderen zahlreichen „Helden des Alltags“ für ihren Einsatz für die Gemeinschaft bedanken. Ihr macht einen tollen Job! Vielen Dank!

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on linkedin
Share on telegram

ANZEIGEN