Helden des Alltags – ein Interview mit Kriminalkommissaranwärter Peter H.

wndn.de: Peter, du bist heute als Gewerkschaftsmitglied hier um uns Einblicke in den Beruf eines Kriminalkommissars zu gewähren. Kannst du dich unseren Leserinnen und Lesern kurz vorstellen?

Peter: „Mein Name ist Peter, ich bin 28 Jahre alt, in St. Wendel geboren und ebenfalls in unserem schönen Landkreis aufgewachsen. Seit 2017 lebe ich beruflich bedingt in Wiesbaden und mache bei der hessischen Polizei ein duales Studium zum Kriminalkommissar. Ebenfalls bin ich seit Beginn meines Studiums Mitglied beim „Bund Deutscher Kriminalbeamter“ (BDK). Aktuell befinde ich mich im letzten Semester des Studiums und bin gerade mit meiner Bachelorthesis fertig geworden. Ich bin ein sehr offener, toleranter Mensch, ernähre mich gesund und bewusst und treibe gerne Sport. Ich freue mich immer wenn ich wieder hier bei meiner Familie und meinen Freunden in Bosen sein kann, denn ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch.“

Peter



Peter, was war dein Antrieb Polizist zu werden und warum bist du in den „Bund Deutscher Kriminalbeamter“ eingetreten?


„Der Grund warum ich Kriminalkommissar werden wollte, war ein sehr tiefgründiges Gespräch an Silvester 2015. In dieser Nacht habe ich mich lange mit einem Freund unterhalten, der beim Militär dient und auch schon diverse Auslandseinsätze hatte. Nach diesem Gespräch fühlte es sich an, als hätte sich bei mir ein Schalter umgelegt und ich wusste, dass ich einen Beruf ergreifen möchte, der unserer Gesellschaft dient und sehr stark mit unseren demokratischen und weltoffenen Werten in Deutschland verknüpft ist. Daraufhin habe ich mich auch gleich in mehreren Bundesländern für den Polizeidienst beworben. Für mich war es also eine sehr idealistische Entscheidung, es war und ist mein Traum, meine Aufgabe Verbrechen zu bekämpfen. Ich finde, dass es wichtig ist, dass sich junge Menschen für den Staatsdienst entscheiden, um den Menschen, unseren Mitbürgern zu helfen und sie zu unterstützen. Die Freiheit, in der wir aktuell in Deutschland und in Europa leben ist nicht selbstverständlich. Unser Grundgesetz bildet die Basis unserer Freiheit und deshalb möchte ich dazu beitragen Recht und Ordnung zu wahren und dafür einzustehen. Der Polizeialltag ist unwahrscheinlich vielseitig und abwechslungsreich. Man lernt so viel über das Gesetz, die Menschen und das Leben, ich liebe es.
Im BDK, bin ich als zukünftiger Kriminalkommissar Mitglied geworden, weil der „Bund Deutscher Kriminalbeamter“ die einzige Vereinigung ist, welche ausschließlich die Interessen aller Angehörigen der Kriminalpolizei vertritt.“

Welche Voraussetzungen sollte ein guter Polizist deiner Meinung nach erfüllen?

„Wichtige Voraussetzungen sind meiner Meinung nach, dass man hinter unseren gesellschaftlichen Werten steht, man ein hohes Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen besitzt, sich in Gesprächen behaupten kann und gesetzestreu agiert. Kriminelle Polizisten braucht keiner. Ebenfalls ist eine gute Fitness sehr wichtig. Man darf nicht vergessen, dass wir im schlimmsten Fall immer dann zum Geschehen oder dem Unglück laufen, wenn alle anderen wegrennen.“

Wahre Worte. Peter, wie du es gerade gesagt hast. Du musst dann einschreiten, wenn Gesetzesverstöße bis hin zu lebensgefährlichen Situationen drohen einzutreten oder bereits eingetreten sind. Was sind die prägnantesten Erlebnisse, die du in deiner Zeit als Kriminalkommissaranwärter hattest? Wie wirst du damit fertig?

„Die zwei prägnantesten Erlebnisse waren für mich ein Suizid an einem Bahnhof und ein Verkehrsunfall, bei dem ein Kind im Nachgang verstorben ist. Wir von der Kriminalpolizei sind auch für die polizeiliche Leichenschau zuständig, das heißt wir begutachten den Leichnam und schließen mit dieser Leichenschau ein Verbrechen aus. Dennoch müssen natürlich toxikologische Befunde vom Arzt abgewartet werden. Wir schauen lediglich nach äußerlichen Merkmalen, die auf ein Verbrechen hindeuten könnten.

Wichtig ist, dass man die „Geschichte“, die hinter dem Unglück oder dem Verbrechen geschehen ist, nicht an die persönliche Psyche heranlässt. Man muss immer professionell bleiben und das Ganze nach wie vor als Job ansehen. Wenn ein Kollege allerdings Probleme mit solchen Einsätzen hätte, dann haben wir intern Stellen an die man sich im Bedarfsfall wenden kann. Ich persönlich komme mit der Gesamtsituation gut zurecht. Ich bin in der Lage nach Dienstschluss abzuschalten und den Job Job sein zu lassen. Das ist nicht immer einfach, aber mein Umfeld und mein Sport helfen mir dabei maßgeblich.“

Hast du Tipps für Menschen, die überlegen auch in die polizeiliche Berufsschiene einzutreten?

„Bereitet euch gut auf die Einstellungstests vor, sowohl auf den schriftlichen Test, als auch auf den Sporttest. Es gibt im Handel Bücher mit Fragen zu solchen Prüfungen. Da die Sporttests in jedem Land anders sind, empfiehlt es sich sämtliche Informationen auf der Internetwebsite der jeweiligen Länderpolizei anzuschauen und dann im Fitnessstudio, auf dem Sportplatz oder im Garten zu üben. Manche Bundesländer haben auch Videos, in welchen genau gezeigt wird wie man für den Sporttest üben kann. Solltet ihr dafür bestimmtes Equipment benötigen, dann könnt ihr zum Beispiel an der alten Schule, auf der ihr wart, nachfragen. Ich habe damals sogar mit einem Sportlehrer für die Tests gezielt üben können. Ebenfalls kann ich eine Mitgliedschaft im BDK empfehlen, wenn man die Kripo-Laufbahn eingeschlagen hat oder mit dem Gedanken spielt die Laufbahn zu wechseln. Vorteile hierbei sind die professionelle Unterstützung durch den BDK während des Studiums sowie die Berufshaftplicht- und Berufsrechtsschutzversicherung, welche im Mitgliedsbeitrag inkludiert ist. Ansonsten ist es einfach wichtig, dass ihr die Sache ernst nehmt und euch der Verantwortung bewusst seid, die ein guter Polizeibeamter haben sollte.“

Was kannst du unseren Leserinnen und Lesern noch zum BDK erzählen? 

„Natürlich, gerade am Anfang vom Studium haben mir die Mitglieder vom BDK sehr geholfen, zu Beginn des Studiums weiß man wenig über das Beamtenrecht oder den praktischen Polizeidienst. Ich bin sehr froh immer einen direkten Ansprechpartner vom BDK an meiner Hochschule gehabt zu haben. Ebenfalls gibt es mit der „jungen Kripo“ beim BDK auch eine interne Gruppierung, welche sich primär um die Belange der jungen Kollegen kümmert. Das ist besonders wichtig, weil Hessen eines der wenigen Länder ist welches einen Direkteinstieg bei der Kriminalpolizei ermöglicht. Der Unterschied innerhalb des Studiums ist, dass viel mehr auf Kriminalistik und Kriminologie eingegangen wird, als beim regulären Schutzpolizei-Studiengang. Es gibt zusätzlich über den BDK noch die Möglichkeit an Schulungen, Seminaren und dem „junge Kripo Camp“ teilzunehmen. Das „junge Kripo Camp“ geht immer über ein ganzes Wochenende und beschäftigt sich mit kriminalpolizeilichen Arbeitsbereichen, diesen Sommer ging es z.B. um Cybercrime.“

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?

„Das ist schwierig zu sagen, da im Polizeidienst kein Arbeitstag wie der andere ist. In den meisten Kommissariaten (im Saarland sind es die Dezernate), in der kriminalpolizeiliche Sachbearbeitung stattfindet, wird allerdings von Montag bis Freitag im Tagdienst gearbeitet. Wenn es allerdings zu Durchsuchungsmaßnahmen kommt oder besondere Lagen abgearbeitet werden müssen, dann kann man auch schon Mal um 4 Uhr morgens mit der Arbeit beginnen oder am Wochenende arbeiten.

 Eine alltägliche Aufgabe eines Kriminalkommissars ist es sich auf Vernehmungen vorzubereiten, indem man die Sachverhalte nochmals sorgfältig liest, sich Gedanken macht und sich schon mal Fragen überlegt, welche verfahrensrelevant sind und den Sachverhalt klären können. Allerdings müssen Beschuldigte nicht bei der Polizei erscheinen. Ein Beschuldigter hat nie eine Mitwirkungspflicht gegen sich selbst auszusagen. Wenn die Leute aber in der Dienststelle erscheinen, empfängt man sie und nimmt sie mit in das Büro. Zuerst werden die Personalien überprüft, dann wird die Person belehrt und sie erhält die Möglichkeit sich frei zur Sache zu äußern. Danach stellt man der Person spezielle Fragen, diese versuchen den Sachverhalt aufzuklären. Am Ende gibt es noch diverse Formulare, speziell für Geschädigte, auf diesen findet man z.B. Adressen für Opferhilfeeinrichtungen in der Umgebung.“


Was ist der spannendste Tag, an den du dich erinnern kannst?

Der spannendste Arbeitstag war bis jetzt die große Bombenentschärfung in Frankfurt im Herbst 2017, wir waren damals als Unterstützung bei der Bereitschaftspolizei und haben die Menschen aus der Gefahrenzone evakuiert und die Zone bewacht bis die Bombe entschärft war.“

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem polizeilichen Organisationssystem im Saarland und in Hessen?

„In meinem fünften Semester konnte ich ein Praktikum in der Heimat absolvieren und bekam so einen guten Einblick in das saarländische Polizeisystem. Der größte Unterschied ist natürlich die Größe der beiden Bundesländer und die Ballungsräume der Länder, somit natürlich auch die Anzahl der Beamten. In Hessen gibt es aktuell circa 15.500 aktive Polizeivollzugsbeamtinnen und Beamte und im Saarland circa 2.700 aktive Polizeivollzugsbeamtinnen und Beamte.

Im Saarland gibt es ein Landespolizeipräsidium, welches in vier Direktionen unterteilt ist. Unter der Ebene der Direktionen befinden sich die Abteilungen und in den Abteilungen erfolgt die Sachbearbeitung in den Dezernaten. Außerdem existieren auf der saarländischen regionalen Ebene noch insgesamt zwölf Polizeiinspektionen, die zum Teil auch noch über Polizeireviere und Polizeiposten verfügen. Die kriminalpolizeiliche Sachbearbeitung geschieht im Saarland entweder bei den Polizeiinspektionen oder zentral beim Landespolizeipräsidium 2 (LPP) in Saarbrücken.

In Hessen hingegen gibt es sieben Polizeipräsidien mit einem jeweils eigenen Organisationsaufbau und innerhalb der Präsidien gibt es die Polizeidirektionen. Unter der Ebene der Polizeidirektionen befinden sich dann die jeweiligen Dienststellen. Es gibt in der Regel mehrere Polizeistationen oder in den größeren Städten auch Polizeireviere. Wobei Frankfurt eine Ausnahme bildet, dies ist der Größe und dem Aufbau der Stadt geschuldet. Für die kriminalpolizeiliche Bearbeitung gibt es in Hessen pro Präsidium eine „Zentrale Kriminalinspektion“ (ZKI) und mehrere „Regionale Kriminalitätsinspektionen“ (RKI) und auf der Ebene der Polizeistationen noch die „Dezentralen Ermittlungsgruppen“ (DEG)

Übergeordnet ist in jedem der beiden Länder natürlich das jeweilige Landeskriminalamt (LKA). Im Saarland wurde das LKA allerdings mit der Kriminalitätsbekämpfung im LPP 2 unter einem Dach zusammengeführt. In Hessen befindet sich das LKA in Wiesbaden.

Viele werden sich jetzt die Frage stellen warum der Aufbau in den Bundesländern nicht gleich ist. Das liegt am föderalistischen Systemaufbau Deutschlands und somit ist die Polizei immer Angelegenheit der Bundesländer. So wird verfassungsgemäß gewährleistet, dass es niemals wieder eine gleichgeschaltete Polizei gibt oder diese wie einst zu einer teils militärischen Einheit verschmilzt.“

Peter, bei allem, was ihr Kriminalkommissare leistet, fühlst du dich als Held?

„Die Tatsache, dass wir Polizeibeamte vom einen oder anderen Mitbürger als „Held“ bezeichnet werden, ist natürlich schmeichelhaft, das lässt sich nicht leugnen. Es freut mich, dass viele Menschen unsere Arbeit würdigen und die Gefahren, in die wir uns teilweise für Sie begeben zu schätzen wissen. Aber nichts desto trotz ist es unser Job, unsere Arbeit, unsere Aufgabe, einfach ein Muss und das ist für mich persönlich eine Selbstverständlichkeit. Ich fühle mich wie ein Mann, der sich dafür entschieden hat das Richtige zu tun und sich der Gesetzestreue verpflichtet hat. Es ist mir eine Ehre.“

Ein großes Dankeschön alle treuen Gesetzeshüter, die sich tagtäglich für uns und unsere Sicherheit einsetzen!

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