Es ist besser, zu hoffen, als zu verzweifeln – Wort zu Ostern

Heute ist Ostersonntag. Menschen im St. Wendeler Land, in ganz Deutschland und überall auf dem Globus feiern Ostern. Der Osterhase kommt und beschenkt die Kinder, Familien suchen in ihren Gärten bunte Ostereier. Der Frühling liegt in der Luft. Doch worum geht es an Ostern eigentlich? Fast jeder weiß es, aber immer weniger Leute machen es sich klar: Ostern ist mehr als ein Schokohasen-, Eier- oder Frühlingsfest. Die Hasen und Eier sind nur Symbole. Sie stehen für Fruchtbarkeit und das Leben. An Ostern geht es also um die ganz großen Fragen: Es geht um das Leben und den Tod. Um die Frage nach der menschlichen Existenz.

Nach der Überlieferung des Neuen Testaments wurde Jesus Christus vor fast 2000 Jahren am Gründonnerstag nach seinem letzten Abendmahl mit seinen Jüngern von Judas verraten und von den Römern festgenommen sowie am Karfreitag von Pontius Pilatus zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Am dritten Tage, am Ostersonntag, folgt dann das Wunder, das Unglaubliche: Die Auferstehung von den Toten das Grab ist leer, der Held erwacht! Diese Osterbotschaft ist für den christlichen Glauben zentral. Im Glaubensbekenntnis (dem sogenannten „Credo“ – lateinisch „ich glaube“) heißt es daher auch:

„Ich glaube an (…) Jesus Christus (…), gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, / hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, / aufgefahren in den Himmel (…). / Ich glaube an (…) die (…) Auferstehung der Toten / und das ewige Leben. / Amen.“

Doch kann man das glauben? Dass Jesus Christus tatsächlich von den Toten auferstanden ist? Oder ist diese Geschichte nicht im wahrsten Sinne des Wortes un-glaublich – also nicht zu glauben? Selbst der Apostel Thomas wollte nicht glauben, was er nicht selbst mit eigenen Augen gesehen hatte, wollte nicht glauben, dass Jesus auferstanden ist.

Was passiert nach dem Tod über den Zerfall der körperlichen Hülle hinaus? Was passiert mit unserem Geist? Was passiert mit der Seele des Verstorbenen? Es sind Fragen, die Menschen seit Jahrtausenden beschäftigen. Und noch heute stellen sich diese Fragen jedem von uns. Nicht erst mit dem eigenen Tod, sondern bereits viel früher: Mit dem Tod eines Freundes, der Oma, des Vaters, der Frau oder des Bruders. Erschüttert und fragend bleiben wir zurück in der Dunkelheit der Trauer, die uns ergriffen hat: Warum ist das passiert? Wo ist der liebe Verstorbene nun? Geht es ihm gut? Wird man sich irgendwann wiedersehen?

Bei all diesen Fragen stoßen wir an die Grenzen menschlicher Erkenntnis. Der Tod ist und bleibt ein Mysterium.

Auch die Naturwissenschaften wie die Physik, Chemie oder Biologie geben uns keine Antwort auf diese Fragen, weil sie sich mit anderen Fragen beschäftigen.

Nach der Theorie des belgischen Priesters und Astrophysikers Georges Lemaître (1894-1966) entstand unser Universum und damit Materie, Energie, Raum und Zeit mit dem sogenannten Urknall. Die Beschäftigung mit Materie und Energie sowie deren Wechselwirkungen in Raum und Zeit ist Physik. Aus Materie und Energie bildeten sich danach Atome und Moleküle. Die Beschäftigung mit Atomen und Molekülen sowie ihrer Reaktionen ist Chemie. Aus bestimmten Molekülen bildeten sich auf unserer Erde mit der Zeit Organismen. DieBeschäftigung mit Organismen ist Biologie.

Die Naturwissenschaften beschäftigen sich somit nicht mit den „Fragen nach den letzten Dingen“, sondern sozusagen mit den „vorletzten Fragen“. Sinnfragen, Fragen nach Gott und der Würde eines Menschen oder Fragen nach der Existenz der menschlichen Seele jenseits der physikalisch erfahrbaren Welt gehen daher über das, was Naturwissenschaften untersuchen, hinaus. Die Natur an sich kennt keinen Sinn. Menschenwürde kann man weder messen noch deren Existenz beweisen.


Aber der christliche Glaube und die christliche Osterbotschaft geben Antworten auf die oben genannten Fragen. Christen glauben: Es gibt einen Gott. Die Entstehung der Welt hat einen geistigen Grund. In Jesus Christus sehen wir, wie Gott ist. Es gilt nicht die Macht des Stärkeren („Survival of the Fittest“), sondern dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Und die frohe Botschaft von Ostern lautet: Ja, es gibt ein Leben nach dem Tod! Der Tod ist nicht das Ende. Dieser Glaube gab und gibt Millionen von Menschen auf der Welt Hoffnung. Dieser Glaube entfaltet eine enorme positive Kraft – und das unabhängig von seiner „Richtigkeit“. Er schenkt Menschen die Kraft, furchtlos mit dem eigenen Tod umgehen zu können und spendet ihnen Trost, Hoffnung und Zuversicht beim Tod eines nahen Angehörigen oder engen Freundes.

Und manchen Menschen gibt der christliche Glaube und die Osterbotschaft sogar die Kraft und den Mut zum Heldentum: Ein – wenn auch nicht so prominentes – Beispiel hierfür ist Pater Engelmar Unzeitig (1911-1945).

Weil Pater Unzeitig (er heißt wirklich so) im Religionsunterricht und auch von der Kanzel gegen die Verfolgung der Juden protestierte, wurde er 1941 wegen „tückischer Äußerungen und Verteidigung der Juden“ angezeigt, verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort teilte der junge Missionar täglich seine Essensrationen mit anderen Häftlingen und rettete sie so vor dem Hungertod. Von den KZ-Wärtern wurde er deswegen brutal geschlagen und misshandelt. Seinen Willen und Glauben an das Gute konnten sie nicht brechen. Als gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Lager eine Typhusepidemie ausbrach, meldete sich Pater Unzeitig freiwillig zur Pflege der Kranken, infizierte sich schließlich selbst und starb einen Tag nach seinem 34. Geburtstag und zwei Monate vor Ende des Krieges an der Krankheit.  

Pater Unzeitigs selbstloses und aufopferungsvolles Handeln entsprang seinem christlichen Glauben. Vielen Mithäftlingen rettete er das Leben. Den Kranken und Sterbenden gab er seine Fürsorge und   Nächstenliebe, um ihnen – soweit dies in einem KZ möglich war – ein Lebensende und einen Tod in Würde zu schenken. Pater Unzeitig bezahlte dafür mit seinem Leben. Von den Mithäftlingen und Überlebenden wurde er daher der „Engel von Dachau“ und „Maximilian Kolbe der Deutschen“ genannt. Der polnische Franziskaner-Minorit Maximilian Kolbe hatte sich 1941 im KZ Auschwitz für einen zur Ermordung bestimmten Familienvater austauschen lassen. Die Liebe der beiden Patres zum Menschen war stärker als die Angst vor dem eigenen Tod. Ihr Wirken bezeugt eindrucksvoll die Stärke des christlichen Glaubens, der es auch zu düsteren Zeiten schafft, an finstere Orte Licht und menschliche Wärme zu bringen.

Und ein wenig erinnert ihr Handeln an die Passionsgeschichte von Jesus Christus. Wie Jesus lieferten sich beide aus Liebe zum Menschen aus und opferten schließlich ihr Leben für andere. Ostern gibt uns die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist, dass mit ihm etwas Neues beginnt, was unsere menschliche Vorstellungskraft übersteigt.

Die Osterbotschaft ist eine Botschaft des Lebens, des Glaubens und der Hoffnung. Sie bringt Licht ins Dunkel. Und Johann Wolfgang von Goethe wusste schon: „In allen Dingen ist es besser, zu hoffen, als zu verzweifeln.“

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

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