Der Traum von der Selbstständigkeit- Ein Interview mit Existenzgründer Nils Henkes

Existenzgründung, Selbständigkeit, Hürden und Risiken: Wir haben mit dem gelernten Metallbauer und Inhaber des „Slappys Local Skateshop“ in St. Wendel,  Nils Henkes, 27 Jahre alt, aus Namborn gesprochen. Wenn ihr auch darüber nachdenkt ein eigenes Unternehmen zu gründen, dann solltet ihr euch den folgenden Artikel mal etwas genauer anschauen.



Nils, wann und wie bist du auf die Idee gekommen dein eigenes Geschäft zu eröffnen?

Im April 2019 sind meine Freundin und ich nach einem Jahr Auslandsaufenthalt zurück ins St. Wendeler Land gekommen. In Australien waren wir für ein Jahr Teil eines „ Work& Travel- Programms“, bei dem man Arbeiten und Reisen verbinden konnte. Als wir uns entschlossen haben, in der Heimat zu bleiben, entschied ich mich dafür Hobby, Leidenschaft und Business zu verbinden und meinen eigenen Skateshop zu eröffnen. Da ich seit 15 Jahren Skateboard fahre, in der Szene sehr gut vernetzt bin und in der Umgebung kein vergleichbares Geschäft mehr existierte, nutzte ich diese Chance.“

Was waren für dich die größten Hürden, die du im Hinblick auf deine Geschäftsgründung bewältigen musstest?

„Ganz klar war das Schwierigste zur Verwirklichung meines Traums die Finanzierung. Ich brauchte Startkapital, musste ein Ladenlokal finden, Ware einkaufen, renovieren und vieles mehr. Auf der Bank erhielt ich kein attraktives Darlehensangebot. Hohe Zinsen,  kein Sondertilgungsrecht, das kam für mich nicht in Frage. Letztlich konnte ich die Finanzierung meines Geschäfts mit einem Darlehensvertrag über private Investoren, die an mich, meine Idee und mein Ziel glauben, realisieren. Dadurch, dass ich saarlandweit und darüber hinaus viele Menschen kenne, die mein Interesse an der Skateszene teilen, hoffe ich auf Stammkundschaft und sehe dem Ganzen positiv entgegen.

Neben den finanziellen Aspekten, die sich anfangs schwierig gestalteten, gab es auch einige bürokratische Hürden. Vom Businessplan bis zu etlichen Beratungsgesprächen, musste ich im Vorhinein eine große Bandbreite an Aufgaben erledigen. Ganz egal, ob man eine Finanzierung über die Bank anstrebt oder nicht, ich würde es jedem empfehlen, einen Businessplan zu verfassen. Meinen Businessplan habe ich innerhalb von sechs Monaten fertig geschrieben. Er bestand aus 45 Seiten, in denen meine Geschäftsidee und die geplante Unternehmensentwicklung inklusive (Marketing-)Strategien und Zielen strukturiert, sachlich und ausführlich dargestellt wurden. All dies zu verschriftlichen, half mir dabei, mir über vieles Klarheit zu verschaffen, manches zu korrigieren und neue Denkanstöße zu erhalten, ein absolutes Muss.“

 Wie würdest du den Weg von der Idee deines eigenen Ladens  bis heute, kurz vor der Eröffnung, beschreiben?

„Am Anfang lag alles noch in der Ferne und fühlte sich unwirklich an. Mit der Zeit wurde der Traum vom eigenen Laden aber Stück für Stück konkreter. Ich hatte das Glück, viel Unterstützung von meiner Familie und meinen Freunden zu bekommen. Das hat mich gepusht, mich vorangetrieben und mir dabei geholfen am Ball zu bleiben. In Zeiten der Internetbestellungen, hat es der Einzelhandel schwerer, dennoch bin ich positiv gestimmt. In den letzten Monaten habe ich viel dazu gelernt, insbesondere,  was Steuern und Finanzen betrifft. Ich habe mit vielen Händlern gesprochen und mich intensiv mit der Marktanalyse beschäftigt. Natürlich hat man Ängste und Druck, aber wer hat das in einer solchen Situation nicht? 2020 wird das Skateboarden bei den Olympischen Spielen in Tokio zum ersten Mal Teil des Programms, es wird für die bereitere Masse interessanter gemacht, deshalb bin ich optimistisch.  Ich gehöre nicht zu denen, die die typischen Höhen und Tiefen durchlebt haben, durch all den Support, den ich erfahren durfte, konnte ich konstant hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.“

Welche Tipps hast du für potentielle Existenzgründer?

„Lasst euch beraten, redet mit erfahrenen Fachleuten und nehmt euch einen Termin bei der Industrie- und Handelskammer in Saarbrücken. Bei der Gründungsberatung bekommt ihr zahlreiche Auskünfte und wichtige Infos, die gerade, wenn ihr am Anfang eurer Existenzgründung steht, sehr hilfreich sein können. Ihr erhaltet nützliche Kontaktdaten und die Unterstützung ist sogar kostenlos. Das umfangreiche Existenzgründungsseminar hat mir ebenso weitergeholfen.

 Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass ihr von eurer  Idee überzeugt  seid und an euch selbst glaubt, das ist die Basis um erfolgreich zu sein. Realistisch zu kalkulieren, sich ein Budget zu setzen und Eventualitäten zu bedenken, ist ebenso von großer Bedeutung. Weiterhin solltet ihr viel recherchieren, euch informieren und fleißig für euren Traum arbeiten. Dass die Phrase „selbst und ständig“ vollkommen zutrifft, kann ich nur bestätigen. Deshalb solltet ihr euch darüber im Klaren sein, auf was ihr euch einlasst, wenn ihr euch selbstständig macht. Harte Arbeit, Risiken, Mut, Selbstdisziplin und Ausdauer gehören dazu. Früher oder später werden euch sicher auch mal Zweifel, Kritik und Rückschläge einholen, aber bleibt dran.

Auf jeden Fall müsst ihr auch die Zuschussmöglichkeiten, die es gibt, nutzen. Beispielsweise wurde meine Unternehmensberaterin genauso wie ein 5000 Euro Zuschuss von der Agentur für Arbeit und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land mbH finanziert. Darüber hinaus erhalte ich neun Monate lang ein Einstiegsgeld für Existenzgründer, das ist sehr hilfreich.“

Du hast es selbst schon angesprochen: Aufgrund des regen Internetgeschäfts ist im Einzelhandel ein deutlicher Verkaufsrückgang zu verzeichnen, das ist für dich aber kein Grund von deinem Vorhaben einen eigenen Laden zu eröffnen, abzusehen?

„Nein, keinesfalls. Dass der Einzelhandel mit den zahlreichen Internetbestellungen zu kämpfen hat, steht außer Frage. Das ist ein Fakt, der zahlenmäßig nachweisbar ist. Umso wichtiger ist es, dass man seinen Markt kennt, authentisch und erfahren ist.  Ich kenne mich in der Skateboard- Szene gut aus und verstehe, von was ich rede. Ich setze auf kompetente Beratung und guten Service für meine Kunden.“

Nils, was erwartet uns in „Slappy´s Local Skateshop“?

„In Slappy´s Local Skateshop könnt ihr alles von Unisex-T-Shirts und Hoodies, über Schuhe und Hosen bis hin zu Socken und Unterwäsche kaufen. An Marken bieten wir beispielsweise  Emerica, Element, Independent, Santa Cruz, Spitfire und viele mehr. Ansonsten könnt ihr selbstverständlich alles, was man für sein Skateboard inklusive Hardware benötigt, erwerben. Auch Vorbestellungen sind bei uns möglich.“

Slappy´s Local Skateshop- was hat es mit dem Namen auf sich?

„Slappy´s stammt von „Slappy Curb“, das ist ein Randstein, auf dem man skaten kann. Genau dieser befindet sich in meinem Logo, daher der Name „Slappy´s Local Skateshop.“

Der große Tag rückt nun immer näher. Bald ist die Eröffnung deines Ladens, wie fühlt sich das an?

Ich bin sehr aufgeregt, das Ganze ist ein wenig surreal. Ich habe großen Respekt, aber ich freue mich auf die Herausforderung. Darüber, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe, bin ich froh, es fühlt sich gut an.  Skaten erfüllt mich, es geht um mehr als nur darum, Geld zu verdienen, es geht darum mir einen Lebenstraum zu verwirklichen. Mein Shop soll eine Anlaufstelle für Skater sein, ich möchte Skater im Saarland unterstützen und meinen Teil dazu beitragen, dass die Szene wächst.“

Dann wünschen wir dir schon mal viel Erfolg für die Zukunft. Möchtest du noch etwas Abschließendes sagen?

Am Samstag, dem 29. Februar findet von 12.00 bis 19.00 Uhr in der Luisenstraße 33 in St. Wendel die Eröffnung meines Skateshops statt.  Jeder ist herzlich willkommen, also kommt vorbei und schaut euch den Laden und unsere coolen Artikel an und genießt ein paar leckere Snacks. Unsere Öffnungszeiten sind ab dem 2. März von Montag bis Freitag von 10.00  bis 18.30 Uhr und Samstag von 10.00 bis 15.00 Uhr. Ich freue mich auf euch.“

 „Erfolg kommt dann, wenn du tust, was du liebst.“ [Albert Einstein]



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