Der Igel vom Schaumberg – Eine schöne und wahre Geschichte von Anton Didas

Der Igel vom Schaumberg (Foto: Anton Didas)

Vor ein paar Tagen bekam ich einen Anruf von Bernd Heinz, einem Bekannten aus Tholey.
„Anton, Du fotografierst doch gerne. Wenn Du Lust hast, meinen Igel zu fotografieren, kannst Du gerne bei mir vorbeikommen. Es ist kein gewöhnlicher Igel. Der kleine Kerl wohnt am Schaumberg und kommt täglich zwischen 15.00 Uhr und 16.00 Uhr zu mir in den Garten, um sich seine bereitgestellte Mahlzeit abzuholen“.


Das machte mich natürlich neugierig und ich verabredete mich ein paar Tage später mit Bernd in seinem Garten am Südhang des Schaumbergs zu einem Fototermin mit dem „Igel vom Schaumberg“.

Vom Parkplatz bei der Jugendherberge aus machte ich mich auf den von Bernd beschriebenen Weg, um in seinen Garten hinter seinem Wohnhaus zu gelangen. Er erwartete mich bereits mit einem gütlichen Lachen, wohl in der Vorfreude, mir seinen verlässlichen Gartenbewohner präsentieren zu können. Als ich seinen Garten betrat, war mir, als wenn ich in eine andere Welt eintauchte. Wo ich auch hinschaute, überall standen selbstgeschnitzte Figuren, die dem Garten am Hang des Schaumbergs einen besonderen Charme verliehen. Gnomen und Zwergen, Schaumberg-Kobolden und Trollen mit langen Bärten und ausdrucksstarken Gesichtern hat Bernhard über Jahre hinweg aus Eichenholz mit Stechbeitel und Schnitzmesser Leben eingehaucht. Ich war fasziniert von dieser eigenartigen Welt des Bernd Heinz aus Tholey, die ich hier am Südhang des Schaumbergs erleben durfte. Und spätestens jetzt glaubte ich auch an Bernds Geschichte, dass hier täglich der „Igel vom Schaumberg“ auftauchte, um sich eine Mahlzeit abzuholen. Denn das würde die Magie dieses Ortes unterstreichen.

Und so warteten wir auf Bernds kleinen, stacheligen Freund. Unterdessen sprachen wir über Gott und die Welt und Bernd erzählte mir, dass er vor vielen Jahren mit dem Schnitzen und Gestalten seines Gartens angefangen hat und ich spürte, dass er sich unter all seinen außergewöhnlichen Figuren sichtlich wohl fühlte. Zu jeder seiner Figuren, die der Autodidakt meist aus hartem Eichenholz herausholt, um ihnen Leben einzuhauchen, wusste Bernd eine kleine Geschichte zu erzählen. Von seinem Gartenhaus aus, kann man weit ins südliche Saarland und das angrenzende Rheinland-Pfalz blicken. Er überließ mir sein Fernglas und erläuterte mir Dörfer und Berge am Horizont. Bis zum Potzberg reicht der Blick von hier aus. Und so verging die Zeit rasch, während wir auf den Igel warteten.

Mittlerweile war es bereits 16.00 Uhr geworden und Bernd wurde sichtlich nervös. Hatte ihn sein kleiner Freund gerade heute, wo der Fotograf gekommen war, versetzt. Der würde sicher glauben, dass die Geschichte vom Igel eine Finte war. „Vielleicht hatte er heute, bei dem herrlichen Frühlingswetter etwas Besseres vor“, versuchte ich ihn zu beruhigen. Und gerade in dem Augenblick, als ich mich von Bernd verabschieden wollte, rief der mit einem breiten Grinsen in seinem Gesicht: „Da, schau nur, dort kommt er. Es ist doch Verlass auch meinen kleinen Freund“. Und tatsächlich, der „Igel vom Schaumberg“ kam gemächlich über die Wiese daher, die Nase tief im Gras. All die Figuren im Garten und auch wir schienen ihn in keiner Weise zu beeindrucken. Ohne Hast und Eile und doch zielstrebig zog es ihn zu dem Platz, an dem Bernd ihm in einem kleinen flachen Teller ein paar Leckereien bereit gelegt hatte. Direkt neben dieser Futterstelle hat Bernd dem stacheligen Gesellen ein eigenes kleines Haus aus Ton aufgestellt, das seine Tochter ihm getöpfert hat. Auch darin war Futter ausgelegt. Und so ließ der stachelige Geselle es zu, dass ich ihn bei seiner Mahlzeit in Ruhe fotografieren konnte. Die Figur, die Bernd neben dem Futternapf platziert hatte, hält beide Hände zum Rufen an den Mund. Vielleicht hat sie mit ihrem Ruf, den wahrscheinlich nur die geschnitzten Gesellen und die Tiere im Garten vernehmen, den Igel vom Schaumberg angelockt und zur Pünktlichkeit erzogen…

Nachdem sich der Igel an den ausgelegten Leckereien gütlich getan hatte, verließ er die Bühne  ebenso unspektakulär, wie er gekommen war, in Richtung angrenzenden Wald und ließ den zufriedenen Bernd und mich – mit vielen schönen Fotos zurück.

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