Weil jeder ein Recht auf Sehen haben sollte

Brillen ohne Grenzen – Aus St. Wendel in die Welt

EIn Besuch in der Brillenverwertungsstelle in St. Wendel, von links: Martin Schneider (Geschäftsführer Wiaf), Ralf Braun (Wiaf), Christina Haßdenteufel (Projektleiterin), Landrat Udo Recktenwald, Michaela und Michael Roos (Gudd Zweck UG), Anja Schumacher, Caroline Spiegel und Susanne Eli (Teilnehmerinnen)

Rund 40.000 gespendete Brillen gehen jedes Jahr von St. Wendel in Länder, wo sich viele Menschen keine Brillen leisten können. Dabei sollte „jeder Anspruch auf Sehen haben“, betonte Landrat Udo Recktenwald beim gestrigen Besuch der Brillenverwertungsstelle der Wiaf gGmbH in St. Wendel. Dort werden Brillen gesammelt, vermessen und sortiert. Danach treten sie ihre Reise in ferne Länder an, wo sie Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen.

Das Projekt „Brillen ohne Grenzen“ startete im Jahr 2018, nachdem die Eheleute Michael und Michaela Roos mit der Idee auf die Wiaf zukamen. Seither wird es von Michaela Roos betreut und von Christina Haßdenteufel von der Wiaf geleitet. Die Brillenspenden kommen von überall her, ca. 550 Optiker gehören inzwischen zu dem Sammelnetzwerk, aber auch Apotheken, Schulen und Kirchen. Auch auf dem Wertstoffhof können Menschen Brillen abgeben, die sie nicht mehr nutzen. So kommen jährlich Tausende von Brillen zusammen. Alle landen sie schließlich in der Brillenverwertungsstelle in St. Wendel, wo sie zunächst gereinigt werden. Danach wird der Dioptrienwert vermessen und anschließend werden sie in Kartons sortiert und versandfertig gemacht.

Michaela Roos und Optikermeister Felix Heuel

Diese Arbeit wird von den Teilnehmer*innen des Arbeitsgelegenheitsprogramms (AGH) durchgeführt. Die Wiaf bietet Menschen, die beispielsweise Langzeitleistungsbezieher sind, ein Angebot an Arbeitsgelegenheiten an. Eine dieser Arbeitsgelegenheiten ist die Tätigkeit in der Brillenverwertungsstelle. Drei Teilnehmerinnen sind dort derzeit beschäftigt. „Es läuft sehr gut“, bestätigt Haßdenteufel. Sie seien jeden Tag mit großem Engagement und Interesse bei der Sache. Michaela Roos betreute das Projekt von Beginn an ehrenamtlich. Wie die Brillen richtig vermessen und sortiert werden, zeigt der Optikermeister Felix Heuel den Mitarbeitenden. Er engagiert sich ebenfalls ehrenamtlich in dem Projekt. Durch Spenden konnten zwei Messgeräte angeschafft werden, mit denen die Stärken der Brillen gemessen werden. Dass der richtige Umgang mit ihnen erlernt wird, ist Heuels wichtige Aufgabe. Die Logistik wird ebenfalls durch Teilnehmende des AGH-Projekt unterstützt.

Susanne Eli beim Vermessen der Brillen.

Der größte Abnehmer der Brillen ist der Verein „Lunettes sans Frontière“ in Hirsingue, Frankreich. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung und einem weltweiten Netzwerk, weiß er genau, wo in der Welt die Brillen am dringendsten benötigt werden. So holt er die Brillen ab und verschifft sie in die Welt. Zu den Ländern, die bereits mit den Brillen aus St. Wendel versorgt wurden, gehören unter anderem Indonesien, Brasilien, die Philippinen und Afrika. Vor Ort gibt es ehrenamtlich Helfer, Optiker oder Ärzte, die den Menschen dabei helfen, die richtige Brillenstärke für sich zu finden. Regelmäßig bekommen Michaela und Michael Roos Nachrichten aus aller Welt von Menschen, die sich über ihre neue Brille freuen. Sie geben ihnen Lebensqualität zurück, für manche bedeutet sie zudem mehr Sicherheit, beispielsweise im Straßenverkehr.

„Jeder, der eine Brille hat, weiß, was es bedeutet, eine tragen zu müssen“, sagte Recktenwald. Keine zu haben, obwohl man eine braucht, schließe aus der sozialen Teilhabe aus, verunsichere einen. „Im Kleinen entstanden als Idee, ist es nun ein weltweites Projekt, ein Projekt ohne Grenzen, das konzentrische Kreise zieht“, lobte der Landrat das Engagement. Er bedankte sich für die „tolle Arbeit der Helferinnen“.

Michael Roos findet es „bewundernswert, was hier geleistet wird“, auch er dankte den Helferinnen und Beteiligten für das Engagement.

Da das Projekt „Brillen ohne Grenzen“ als Teil des AGH-Projekts mit Fördermitteln finanziert, hoffen alle Beteiligte darauf, dieses Projekt so fortführen zu können, wie es seit vier Jahren erfolgreich durchgeführt wird.

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