Wider das Vergessen

Am Abend des 10. Novembers 1938 brannte die St. Wendeler Synagoge

Kranzniederlegung am 09. November 2021
Landrat Udo Recktenwald bei der Kranzniederlegung am 09. November 2021 (Foto: Jessica Weber)
Kranzniederlegung am 09. November 2021

In Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht legt der Landkreis St. Wendel seit 13 Jahren jedes Jahr am 09. November einen Kranz am einstigen Standort der St. Wendeler Synagoge nieder. Auch gestern lud Landrat Udo Recktenwald zur Kranzniederlegung ein und zahlreiche Menschen sind der Einladung gefolgt. Viele junge Menschen schlossen sich der Veranstaltung an, sehr zur Freude es Landrats, der immer wieder die Bedeutung der „Zeitloszeugen“ betont.

In der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 wurden über 1400 Synagogen im gesamten Deutschen Reich geschändet, verwüstet und niedergebrannt – die St. Wendeler Synagoge brannte am Abend des 10. Novembers. Jüdische Geschäfte wurden zerstört, jüdische Mitbürger aus ihren Häusern gerissen, verprügelt, inhaftiert und in Konzentrationslager verbracht. Gräueltaten, die auch in St. Wendel, Tholey, Sötern, Bosen und Gonnesweiler begangen wurden, die ein Teil der deutschen Geschichte sind. Ein Teil, der nicht in Vergessenheit geraten darf. Denn auch, wenn viele Menschen heute sagen, sie haben nichts damit zu tun, so ist es wichtig, sich zu erinnern, wozu die Menschen fähig waren, fähig sind. Antisemitische und rassistische Gewalttaten finden leider auch heute noch statt. Anschläge auf Synagogen, Schändungen von jüdischen Friedhöfen und Synagogen durch Beschädigung und Schmierereien, verbale und tätliche Angriffe auf Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens. Taten, die nicht der Vergangenheit angehören, sondern Teil unserer Gegenwart sind.

Deshalb sei es dem Landkreis St. Wendel ein Anliegen, mit dieser Kranzniederlegung am 09. November daran zu erinnern, den Ereignissen zu gedenken und gleichzeitig auch mahnend den Finger zu heben, so Landrat Udo Recktenwald. „Wir wollen allen antidemokratischen Tendenzen, die es in unserer Gesellschaft gibt, mit offenen Augen entgegentreten und sie nicht einfach geschehen und über uns ergehen lassen.“ Denn die Augen zu verschließen und zu meinen, dass es schon nicht so schlimm sein werde, das sei damals auch passiert!

Es ist wichtig, sich zu erinnern, damit die Geschichte sich nicht wiederholen kann. Bei immer weniger Zeitzeugen, brauche es Zeitloszeugen. Der Landrat freute sich über die Anwesenheit vieler junger Menschen bei der Kranzniederlegung. Denn sie seien wichtig, um die Erinnerung aufrechtzuerhalten. Zudem gibt es im Landkreis St. Wendel viele Projekte im Rahmen der Erinnerungsarbeit. Auch das Adolf-Bender-Zentrum setzt sich mit seiner täglichen Arbeit gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und jede Form von Diskriminierung ein. Die Stolperstein AG der Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle und auch der Verein Wider das Vergessen haben bereits viele wichtige Projekte im Landkreis umgesetzt.

Jedes Jahr kommen viele Menschen zur Kranzniederlegung

Seit August dieses Jahres arbeitet der Landkreis in der Partnerschaft Demokratie mit, wo es darum geht, das demokratische Engagement zu stärken, Vielfalt zu fördern und Extremismus vorzubeugen. In diesem Rahmen findet am 23. November ab 16 Uhr in der Kulturhalle in Hasborn eine Demokratiekonferenz statt.

Heute um 19 Uhr findet im Rahmen des 1700-jährigen Bestehens des jüdischen Lebens in Deutschland eine Onlineveranstaltung in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule und der Kulturlandschaftsinitiative statt, in der es darum geht, jüdisches Leben zu verstehen. Referent ist der in Deutschland geborene Arie Rosen, der mit 15 Jahren nach Israel ausgewandert ist. Er stammt aus einer orthodox-jüdischen Familie und wird heute Abend über die Feier des Schabbats und die schöpferische Ruhe referieren.

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