Eine vierköpfige Familie aus Neunkirchen/Nahe in der Gemeinde Nohfelden hat im März und April 2026 den Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela zurückgelegt – rund 300 Kilometer zu Fuß, mit der vierjährigen Tochter Amelie und dem einjährigen Sohn Milan im Gepäck. Für Mutter Laura (30) und Vater Andreas (44) war es nicht die erste Pilgerreise auf der iberischen Halbinsel, wohl aber die erste als Familie. Drei Wochen lang waren sie unterwegs, trainierten vorab am Bostalsee und in den umliegenden Wäldern und flogen am 26. März von Luxemburg nach Porto, wo der Camino direkt am Flughafen begann…
Unsere Route führte uns von Porto über rund 300 Kilometer bis nach Santiago de Compostela. Laura und ich (Andreas) sind bereits erfahrene Pilger; wir haben im vergangenen Jahrzent schon einige verschiedene Caminos auf der iberischen Halbinsel erkundet. Nun sind mittlerweile Eltern und uns war von Anfang an wichtig, diesen Camino als Familie zu erleben. Gerade mit kleinen Kindern sieht eine solche Reise natürlich etwas anders aus als eine klassische Pilgerreise. Das beginnt schon bei der Planung: Welchen Weg können wir schaffen? Wie lange werden wir brauchen? Die Kinder können nicht die ganze Strecke laufen; wie bewegen wir uns fort? Welche Ausrüstung brauchen wir? Welche nicht? – es fängt ja schon bei Windeln für den Kleinen an. Wo werden wir schlafen?
Als Transportmittel entschieden wir uns für einen Doppelsitz-Fahrradanhänger, welchen wir vorher etwas aufgerüstet hatten: Geländereifen, Nässeschutz, Sicherungsgurte und Zusätzliche Stautaschen. Das beste am Wagen war die eigens angefertigte Scheibenbremsanlage. Diese hatte uns unser guter Freund Markus König hergestellt und verbaut. Wie sich herausstellen sollte, ein unverzichtbares Upgrade für die Reise. Wir entschieden uns letztlich für einen Mix aus portugiesischem Litoralweg, Küstenweg sowie Zentralweg, da dieser zumindest zu Beginn stets am Meer vorbeigeht und somit gut mit Kinderwagen begehbar ist. Trainiert wurde zu Hause am Bostalsee, sowie in den umliegenden Wäldern, um die ersten Kilometer in den Beinen zu haben.
Am 26.03.26 war es dann endlich soweit. Mit Sack und Pack flogen wir morgens von Luxemburg nach Porto. (Danke Lissi für den Flughafentransfer) Dort angekommen startete unser Camino direkt! Vom Flughafen aus starten wir direkt zu Fuß und legten die ersten 8km zurück, um den eigentlichen Weg und unsere erste Unterkunft zu erreichen. Diese hatten wir vorab gebucht. Für alle weiteren Tage buchten wir immer unsere jeweilige Unterkunft spontan von unterwegs. Damit wollten wir uns die maximale Freiheit bewahren — Richtige Entscheidung!!! Wir aßen in Bars, Restaurants oder kauften unterwegs ein und kochten in den Unterkünften selbst (Nudeln gehen bei den Kids eh am besten!) Und so bewegten wir uns anfangs auf dem portugiesischen Litoralweg fort: auf Holzbohlenwegen und Strandpromenaden entlang unglaublich schöner Strände, Dörfern und Städte. Nach etwa 90km endeten die Holzbohlenwege und ein Weiterkommen mit einem 52kg-Wagen durch Sand wäre unmöglich gewesen. Deswegen bogen wir etwa 4km landeinwärts auf den eigentlichen Küstenweg (Camino da Costa) ab. Ab hier wurde es dann herausfordernd: Kopfsteinpflaster, Höhenmeter und teils (mit Wagen) „eigentlich“ nicht passierbare Wege durch Felsen und Gestrüpp. Steile Anstiege bewältigten Laura und ich meist zu zweit. Irgendwie schafften wir es immer überall durchzukommen. Amelie stieg in Wäldern immer wieder aus, um ein paar Meter zu Fuß zurückzulegen und sammelte dabei diese „seltsamen“ Waldschätze (die Vegetation ist dort schon eine andere). Milan wurde oft in die Trage auf den Rücken genommen. So konnte auch er gespannt seine Umwelt erkunden. Der Rucksack verblieb in der Zeit im Wagen – eine perfekte Lösung! Pausenziele waren immer wieder Spielplätze (man glaubt gar nicht, an wievielen man vorbeikommt wenn man danach sucht), sowie Kioske, an denen es das ein oder andere Eis gab.
Von der Stadt Caminha aus wechselten wir dann schließlich auf den klassischen zentralen Jakobsweg (Camino Portugues Central), um die zweite Hälfte unserer Reise einzuläuten. Im ständigen Auf und Ab ging es dann durch die galizische Hügellandschaft bis nach Santiago de Compostela. Insgesamt waren wir drei Wochen unterwegs. Unsere Lieblingsgeschichte handelt von Amelie: unterwegs im Wald fand sie einen wunderschönen Quarzkristall, welchen sie mit Argus Auge behütete. Irgendwann auf unserer Reise begegneten wir einer Frau, die selbstbemalte Jakobsmuscheln zum Umhängen gegen Spende anbot. Amelie ging von sich aus zur Frau und schenkte ihr ihren geliebten Stein, woraufhin sie eine Muschel bekam. Amelie: „Guckt mal! Jetzt bin ich auch eine Pilgerin, so wie ihr!“
Wir möchten mit unserer Reise zeigen, dass Familie und Abenteuer keine Gegensätze sein müssen. Kinder bedeuten für uns nicht, dass man besondere Träume und Ideen auf später verschieben muss. Man muss sie vielleicht anders planen, langsamer angehen und häufiger improvisieren – aber vieles ist trotzdem möglich. Viel wichtiger ist uns die gemeinsame Zeit. Raus aus dem durchgetakteten Alltag, weg von Terminen, Arbeit und Verpflichtungen und hinein in einen Tagesablauf, bei dem irgendwann vor allem einfache Fragen zählen: Wie weit gehen wir heute? Wo machen wir Pause? Wo schlafen wir? Und was erleben wir gemeinsam auf dem Weg?
Das beste, so heißt es auf allen Wegen, sind die Begegnungen und der Austausch mit anderen Menschen. So war es bislang auch immer für uns. Aber dieses Mal wurde es getoppt durch die gemeinsame kurzweilige Zeit, die wir als Familie erleben durften. In einem sonst so stressigen Alltag konnten wir mal wieder „als Familie sein!“







