Smartphone-Kameras scannen nun während regulärer Dienstfahrten

Die Gemeinde Marpingen setzt als erste saarländische Kommune ein KI-gestütztes System zur automatischen Straßenüberwachung ein. Mitarbeiter des Bauamts dokumentieren während ihrer regulären Dienstfahrten künftig nicht nur Grünflächen, sondern erfassen gleichzeitig Straßenschäden und defekte Verkehrsschilder. Möglich macht dies eine neue Software, die der Zweckverband eGo-Saar gemeinsam mit dem Smart City Landkreis St. Wendel und dem August-Wilhelm Scheer Institut entwickelt hat.

Das System funktioniert über handelsübliche Smartphones, die in den Dienstfahrzeugen montiert werden. Während der Fahrt fotografiert die Kamera automatisch Straßen und Beschilderung. Eine künstliche Intelligenz erkennt und klassifiziert Schäden wie Schlaglöcher, Risse oder beschädigte Verkehrszeichen. Die Daten werden mit GPS-Koordinaten versehen und in einer digitalen Karte gespeichert. Aufwändige Kontrollfahrten und spezielle Messverfahren werden dadurch überflüssig.

„Dieses Pilotprojekt zeigt, wie neue Technologien die Arbeit in unserer Gemeinde erleichtern können. Die KI ist dabei ein hilfreiches Instrument, wodurch Ressourcen effizienter eingesetzt und Kosten gespart werden können und das dazu beiträgt, die Verkehrssicherheit zu erhöhen“, erklärt Bürgermeister Volker Weber.

Die Entwicklung dauerte nur vier Monate. Das August-Wilhelm Scheer Institut programmierte eine Open-Source-Software, die speziell auf die Bedürfnisse saarländischer Kommunen zugeschnitten ist. Der Zweckverband eGo-Saar übernahm die Projektleitung und betreibt das System auf eigenen Servern. Nach dem erfolgreichen Start in Marpingen sollen bis 2027 weitere 25 saarländische Kommunen die Technologie erhalten. Dazu gehören unter anderem Nohfelden, Oberthal, Tholey und St. Wendel.

Datenschutz spielte bei der Entwicklung eine zentrale Rolle. Die Software anonymisiert Personen und Fahrzeuge bereits während der Aufnahme automatisch. Die gesammelten Daten werden nachts verschlüsselt an die Server des eGo-Saar übertragen und anschließend von den Smartphones gelöscht. Durch die Nutzung von Open-Source-Software und die Speicherung auf saarländischen Servern bleibt die digitale Souveränität gewahrt. Diese Open-Source-Lösung im Bereich KI-gestütztes Straßenmanagement ist etwas, das es so noch nicht auf dem Markt gibt.

„Mit unserer Lösung eines offenen, KI-gestützten Straßenmanagementsystems können Schäden frühzeitig identifiziert, neue Straßen- und Infrastrukturkataster aufgebaut und die Daten direkt in kommunale Geoinformationssysteme integriert werden. Durch den Open-Source-Ansatz kann das System gemeinsam mit der Open-Source-Community kontinuierlich weiterentwickelt werden und leistet so einen nachhaltigen Beitrag zur Straßensicherheit – im Saarland und perspektivisch auch bundesweit“, betont Sandra Ehlen, Geschäftsführerin des August-Wilhelm Scheer Instituts.

Die Finanzierung erfolgte über die „Digitalisierungsoffensive Kommunen“ des Saarlandes und die bundesweite Förderung „Modellprojekte Smart Cities“. Der Landkreis leistet im Rahmen des Smart-City-Projektes einen Beitrag in Höhe von 250.000 €. eGo-Saar beteiligt sich mit rund 800.000 € an dem Projekt.

Bis 2027 soll das System weitere Funktionen erhalten. Geplant sind Prognosefunktionen zur vorausschauenden Instandhaltung sowie die Erkennung von überwuchernden Grünflächen und wilden Müllablagerungen. Die Projektleitung befindet sich ebenso in Gesprächen mit der EVS zum Einsatz solcher Kameras in den Abfallsammelfahrzeugen.

Das System steht grundsätzlich allen saarländischen Kommunen zur Verfügung. Interessierte Gemeinden können sich beim eGo-Saar über die Implementierung informieren.

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