Neun kommunalpolitische Mandatsträger aus dem Ostertal und der Region wenden sich mit einem offenen Brief an Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Umwelt- und Mobilitätsministerin Petra Berg. Sie fordern, die Ostertalbahn zu erhalten und gemeinsam mit den betroffenen Kommunen eine langfristige Perspektive für die Bahnstrecke zu entwickeln. Besonders dringlich ist aus Sicht der Unterzeichner eine Übergangslösung, die eine Stilllegung oder den Rückbau der Gleise verhindert, solange mögliche Alternativen noch nicht ausreichend geprüft wurden.
Zu den Unterzeichnern gehören mehrere Ortsvorsteher und weitere kommunale Mandatsträger aus dem Landkreis St. Wendel und dem Raum Ottweiler. Sie sehen in der Ostertalbahn nicht nur eine historische Bahnverbindung, sondern auch eine mögliche Grundlage für neue touristische und wirtschaftliche Angebote.
Damit die Positionen und Forderungen der neun Unterzeichner vollständig nachvollziehbar bleiben, veröffentlichen wir den offenen Brief nachfolgend im Wortlaut.
Der offene Brief im Wortlaut
Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Rehlinger,
sehr geehrte Frau Ministerin Berg,
die Ostertalbahn steht vor einer ungewissen Zukunft. Wir bitten Sie eindringlich, sich für den Erhalt der Strecke einzusetzen und gemeinsam mit dem Landkreis St. Wendel, den Städten St. Wendel und Ottweiler, der Gemeinde Freisen sowie möglichen Interessenten eine tragfähige Perspektive zu entwickeln.
Die Ostertalbahn ist mehr als eine Eisenbahnstrecke oder ein Museumszug: Sie ist ein Stück Heimatgeschichte und ein wichtiger Bestandteil der regionalen Identität des Ostertals. Die Sonderzüge und Fahrten der Ostertalbahn sind stark nachgefragt. Zugleich bietet das Ostertal zahlreiche touristische Ziele und Angebote: Reiterhöfe, die auch Freizeiten für Kinder und Jugendliche anbieten, gut nachgefragte Ferienwohnungen, Wanderwege wie den Premiumwanderweg Tiefenbachpfad und die renaturierte Oster. Hinzu kommen historische Kirchen und Baudenkmäler, eine besondere Grenzgeschichte sowie vielfältige Natur- und Kulturlandschaften. Diese Angebote ließen sich besser miteinander verbinden und gemeinsam vermarkten. Die Ostertalbahn könnte dabei zum touristischen Highlight und zum ökologischen Zubringer für Rad- und Wandertourismus werden – als verbindendes Element der Tourismusregion St. Wendeler Land und des Naturparks Saar-Hunsrück.
Denkbar wären etwa thematische Fahrten und Besuchsangebote zur Geschichte der Bahn und der Region, zu den früheren Grenzverläufen, Zollhäusern und Schmuggelrouten sowie zu den historischen Kirchen und weiteren Baudenkmälern. Auch die renaturierte Oster könnte als Natur- und Erlebnisort für Kinder und Jugendliche weiterentwickelt werden. Das Ostertal könnte so zugleich zu einem außerschulischen Lernort für Natur, Geschichte und Kultur werden. Solche Beispiele zeigen, welches Potenzial in einer engeren Zusammenarbeit der Städte St. Wendel und Ottweiler, der Gemeinde Freisen, des Landkreises, des Naturparks und der örtlichen Anbieter liegt. Ein gemeinsames Konzept könnte zudem die Grundlage dafür schaffen, Fördermöglichkeiten des Landes, des Bundes und der EU zu prüfen.
Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob Museumsfahrten mit einer möglichen Nutzung der Strecke für privaten Güterverkehr vereinbar sind. Das Land könnte helfen, private Investoren und Unternehmen einzubeziehen und zu prüfen, ob sich Schwerlastverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern lässt.
Viele Menschen im Ostertal haben seit der Gebietsreform der 1970er Jahre das Gefühl, abgehängt worden zu sein. Der Erhalt der Bahn und ein gemeinsames Zukunftskonzept könnten ein sichtbares Zeichen setzen, dass die Anliegen des Ostertals ernst genommen werden und die Region Entwicklungschancen erhält.
Uns ist bewusst, dass eine tragfähige Zukunft der Strecke nur im Einklang mit den berechtigten Entwicklungsinteressen der Firma KNDS gestaltet werden kann. Ziel muss es deshalb sein, Lösungen zu finden, die sowohl die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens als auch den langfristigen Erhalt der Schieneninfrastruktur ermöglichen. Nach unserem Kenntnisstand gibt es aus dem Arbeitskreis Ostertalbahn positive Signale, dass eine Zustimmung des Unternehmens grundsätzlich möglich sein könnte. Wir bitten Sie, diesen Gesprächsfaden aufzugreifen und die Voraussetzungen gemeinsam auszuloten.
Bis diese Fragen geklärt sind, bitten wir Sie, sich für ein Moratorium beziehungsweise eine tragfähige Übergangslösung einzusetzen, die insbesondere eine Stilllegung oder den Rückbau der vorhandenen Schieneninfrastruktur verhindert.
Für eine sachliche und transparente Abwägung ist entscheidend, dass vorhandene Gutachten und fachliche Bewertungen zum Zustand, zu den Kosten und zu den Nutzungsmöglichkeiten der Strecke den politischen Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern wie den zuständigen Gemeinderats- und Stadtratsfraktionen sowie den Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern der an der Strecke liegenden Orte vollständig zur Verfügung gestellt werden. Soweit möglich, sollten die Unterlagen auch öffentlich zugänglich gemacht und ihre Ergebnisse verständlich kommuniziert werden. Die Menschen im Ostertal müssen nachvollziehen können, auf welcher Grundlage über die Zukunft ihrer Bahn entschieden wird.
Wir bitten Sie, sich für den Erhalt der Ostertalbahn einzusetzen, eine Übergangslösung zu unterstützen und die Prüfung eines gemeinsamen Zukunftskonzepts anzustoßen. Noch besteht die Möglichkeit, vorhandene Infrastruktur zu sichern und daraus einen konkreten Mehrwert für Tourismus, Wirtschaft und Lebensqualität im Ostertal zu entwickeln.
Mit freundlichen Grüßen
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner
Dieter Bleimehl (Ortsvorsteher von Dörrenbach)
Marko Cullmann (Ortsvorsteher von Niederkirchen, Marth, Bubach und Saal)
Petra Eller (Ortsvorsteherin von Werschweiler)
Rolf Gerharth (Ortsvorsteher von Osterbrücken)
Marie Lang (Mitglied des Kreistages des Landkreises St. Wendel)
Nina Lang (stv. Ortsvorsteherin von Osterbrücken)
Marc André Müller (Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion St. Wendel)
Uwe Trautmann (stv. Ortsvorsteher von Fürth)
Alexander Weiß (Ortsvorsteher von Ottweiler)




