Bereits 136 Windpocken-Fälle im Saarland gemeldet – zwei Schulen im Regionalverband betroffen

Krank, Krankmeldung, Erkältung
Symbolbild

Die Zahl der Windpocken-Erkrankungen im Saarland ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Laut Robert-Koch-Institut wurden bis Anfang September bereits 136 Fälle registriert – so viele wie zuletzt im gesamten Jahr 2014. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre im Regionalverband Saarbrücken. Aktuell dürfen an zwei weiterführenden Schulen im Regionalverband Kinder und Jugendliche ohne vollständigen Impfschutz oder nachgewiesene durchgemachte Erkrankung die Einrichtung vorübergehend nicht betreten.

Gesundheitsminister Magnus Jung betonte, dass sein Ministerium die Lage genau beobachte und in engem Austausch mit den Gesundheitsämtern stehe: „Windpocken werden oft als harmlose Kinderkrankheit angesehen. Während die Krankheit bei gesunden Kindern oft unkompliziert verläuft, kann sie bei Säuglingen, Jugendlichen, Erwachsenen, Schwangeren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem deutlich komplizierter verlaufen und Lungenentzündungen, bakterielle Hautinfektionen oder Entzündungen des Gehirns verursachen.“ Mehrfach kam es in diesem Jahr bereits zu Ausbrüchen in Schulen und Kindertageseinrichtungen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für alle Kinder eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr. Die erste Dosis sollte im Alter von 11 bis 14 Monaten verabreicht werden, die zweite zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat. Wer bisher weder geimpft wurde noch die Krankheit nachweislich durchgemacht hat, sollte die Impfung baldmöglichst nachholen – das gilt insbesondere für Frauen mit Kinderwunsch sowie Beschäftigte in medizinischen Berufen oder Gemeinschaftseinrichtungen.

Die Impfquoten im Saarland sind nach wie vor zu niedrig. Nach RKI-Angaben sind nur rund 80 Prozent der zweijährigen Kinder vollständig gegen Windpocken geimpft. Bis zur Einschulung steigt dieser Wert zwar auf etwa 90 Prozent, dennoch werden noch immer zu viele Kinder gar nicht, nicht rechtzeitig oder nur unvollständig geimpft. Das Ministerium rät Eltern deshalb, den Impfpass ihrer Kinder zu überprüfen und sich in einer Kinderarztpraxis beraten zu lassen.

Windpocken zählen zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten überhaupt. Ausgelöst werden sie durch Varizella-Zoster-Viren, die sich über feinste Speicheltröpfchen beim Atmen, Husten, Niesen oder Sprechen verbreiten. Nahezu jeder Kontakt zwischen einer ungeschützten Person und einem Erkrankten führt zur Ansteckung. Auch die Flüssigkeit der für Windpocken typischen Hautbläschen ist hochinfektiös – beim Kratzen können die Viren an die Hände gelangen und von dort weitergegeben werden. Typische Symptome sind Fieber und ein stark juckender Hautausschlag mit Bläschen. Nach überstandener Erkrankung verbleiben die Viren im Körper und können Jahre später als Gürtelrose erneut auftreten.

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