Werkstraße noch drei Monate gesperrt – EVS begründet Verzögerung mit unerwarteten Problemen

EVS Projektleiterin Dipl.-Ing. Nathalie Zimmer, EVS Bereichsleiter Baumaßnahmen Dipl.-Geograph Andreas Schumacher, Dipl.-Ing. Silke Müller (Bauüberwachung) (Foto: Karin Schüßler)

Die Stimmen der Bürger werden lauter. Derzeit sorgt das Stauaufkommen innerhalb unserer Kreisstadt aufgrund von Baustellen und Umleitungen durch die EVS-Baumaßnahme in der Werkstraße St. Wendel für immer mehr Verstimmungen. Geduld ist gefragt und mehr Zeit muss für Fahrten in die Stadt bzw. durch St. Wendel eingeplant werden. Dem EVS Entsorgungsverband Saar ist es ein Anliegen, die Bürger aufzuklären, welche Probleme zu einer verzögerten Fertigstellung der Baumaßnahme führten, denn geplant war diese für Herbst 2024. Zur Aufklärung der Situation wurde die Presse eingeladen, denn es ist wichtig, die Bürger in die nicht offensichtlich erkennbaren Baufortschritte einzubinden. Zugegen waren von dem EVS Entsorgungsverband Saar der Bereichsleiter für Bau und Sanierung/Realisierung von Baumaßnahmen, Diplom-Geograph Andreas Schumacher, die Projektleiterin für Bau und Sanierung, Dipl.-Ing. (FH) Nathalie Zimmer, Dipl.-Ing. Silke Müller vom Ingenieurbüro Hans und Partner als Örtliche Bauüberwachung sowie der Bauleiter der OBG Tiefbau GmbH Co. KG, Johannes Gerstner.

Bereits seit Juli 2022 laufen die Arbeiten zur Errichtung des neuen Hauptsammlers und des Regenüberlaufbauwerkes in der Werkstraße/Ecke Parkstraße in St. Wendel. Der alte Sammler war in einem sehr schlechten Zustand, so dass Schmutzwasser ins Erdreich gelangen konnte und die Gefahr einer Kontaminierung des Grundwassers gegeben war.

Im Saarland besteht das öffentliche Kanalnetz zu 80 % aus Mischkanalisation. Dies bedeutet, dass sowohl das Schmutzwasser als auch das Regenwasser im gleichen Kanalsystem abgeführt werden. In niederschlagsarmen Zeiten, wenn sich kaum Abwasser (nur Schmutzwasser) in den Kanälen befindet, kommt es zu Ablagerungen (Toilettenpapier, Fäkalien etc.). Bei Gewitter mit Starkregen entsteht dann ein Spülstoß und die Ablagerungen werden remobilisiert. Gleichzeitig fließen große Wassermengen durch das Kanalsystem in Richtung Kläranlage, bei der die starke Verdünnung der Abwässer zu einer geringeren Effizienz der Kläranlage führt. U. a. deshalb wird eine hydraulische Entlastung über Regenüberlaufbauwerke geschaffen: der Spülstoß wird durch eine sogenannte Drosselleitung (konstanter Abfluss) an die Kläranlage weitergeleitet bzw. zwischengespeichert und weitergeleitet, und der darüber hinaus gehende stark verdünnte Abfluss (Entlastung) läuft in den Bach über. Dies bedeutet für die Situation in St. Wendel: Der vorhandene Hauptsammler in der Parkstraße wird zu einem Stauraumkanal (besondere Form des Regenüberlaufbeckens) umgebaut mit 500 Kubikmeter Stauraum. Dieser wird aus drei großen, parallel verlaufenden Rohren bestehen. Die überschüssigen Wassermengen werden am Trennbauwerk an der Kreuzung von Park- und Werkstraße in den neu angelegten Entlastungskanal der Werkstraße in die Blies geführt. Neben diesem Kanal verläuft die sogenannte Drosselleitung, welche das stärker verschmutzte Abwasser zur Kläranlage St. Wendel transportiert.

2 Rohre zur Ableitung von Oberflächenwasser, 1 Rohr im Ei-Profil zur Ableitung von Schmutzwasser (Foto: Karin Schüßler)

Dieses System gewährleistet, dass bei starkem Regen lediglich ein stark verdünnter Entlastungabfluss gewässerunschädlich in die Blies abgeleitet wird. Natürliche Gewässer besitzen eine Selbstreinigungskraft und können die eingeleitete Schmutzfracht, die aus einer Schmutzfrachtberechnung errechnet wurde, verarbeiten.

Drosselleitung mit Dipl.-Ing. Nathalie Zimmer (Foto: Karin Schüßler)

Unerwartete Probleme führen zu Verzögerungen

Die Bauarbeiten unter der Erde sind für die Bürger nicht sichtbar. Und doch ist ganz viel passiert. Welche Faktoren zu einer um ca. 9 Monaten verspäteten Beendigung des Bauprojektes bis zum Sommer 2025 führten, erläuterte Diplom-Geograph und EVS-Bereichsleiter Andreas Schumacher im Baucontainer neben der Baustelle Ecke Park-/Werkstraße.

Gleich zu Beginn der Bauaktivitäten wurde das Areal – zeitlich einkalkuliert – auf Kampfmittel aus dem 2. Weltkrieg untersucht.

Alte und ungenaue Pläne der Versorger: „Ein großes Problem sind bei Baumaßnahmen dieser Art die alten Leitungspläne von Versorgungsträgern wie Telekom, Wasser- oder Stromversorgern. Die Pläne lagen zwar vor und wurden in der Planung berücksichtigt, aber diese sind bezüglich der Lage der Leitungen oft ungenau und unvollständig. So kommt es vor, dass sich die Leitungen nicht an den eingezeichneten Stellen, sondern genau dort, wo die Bauarbeiten geplant sind, befinden, so Andreas Schumacher. Dies führte zu erforderlichen umfangreichen Umverlegungen der Leitungen durch die entsprechenden Versorger, was unvorhergesehene Zeitverzögerungen von mehreren Wochen verursachte, weil in dieser Zeit nicht gebaut werden konnte.“ Heutzutage werden neu verlegte Leitungen mittels GPS-Instrumenten koordinatengenau erfasst.“

Aufgefüllte Massen von vorherigen Baumaßnahmen:
In der Planungsphase wurden geotechnische Untersuchungen zur Erkundung der Baugrundverhältnisse durchgeführt, diese sind grundsätzlich punktuell. Während den Bauarbeiten wurden dann im dem aufgefüllten Baugrund unbekannte Fremdmaterialien aus früheren Nutzungen gefunden, in diesem Fall Reste einer alten Straßendecke. Die Analyse der Massen ergab eine Einstufung als gefährlichen Abfall. Die Einhaltung der arbeitschutzrechtlichen Vorgaben (Schutzanzüge, Filtermasken, Arbeitszeitbeschränkungen, Bagger mit Filterkabine etc.) während des Aushubs und der Entsorgung führte zu einer erheblichen Hemmung des Baufortschritts.

Der „Wettergott“ war der Baumaßnahme nicht wohlgesonnen:
Im Oktober begann es zu regnen, so Dipl.-Ing. Silke Müller vom Ingenieurbüro Hans und Partner, und dieser meteorologische Trend der Schlechtwetterlage setzte sich fort bis zum heutigen Zeitpunkt, so dass in diesem Jahr bereits an 40 Tagen überhaupt nicht gearbeitet werden konnte. Das Pfingst-Hochwasser ist uns allen noch präsent. Die gesamte Baustelle wurde überflutet, das Wasser lief z. T. in die Bauwerke und die Aufräum- und Reinigungsarbeiten haben Zeit gekostet.

Rücksicht auf Veranstaltungen: Zur Entlastung der Verkehrssituation im Vorfeld von größeren Veranstaltungen in St. Wendel wie Weihnachts- und Ostermarkt bzw. Radrennen (Deutschlandtour) wurden die Arbeiten an der Baustelle in Kooperation mit der Stadt angepasst und konnten dadurch nicht wie gewohnt weitergeführt werden.

Radweg von Oberlinxweiler bis zur Kernstadt: Da der weitere Hauptsammler Richtung Kläranlage in einem sehr schlechten Zustand und hydraulisch überlastet ist, wird auch dieser erneuert. Der erste Abschnitt hiervon musste vorgezogen werden, weil von Oberlinxweiler bis in die Kernstadt von der Stadt Sankt Wendel ein Radweg gebaut wird. Damit nicht später wieder aufgerissen werden muss, was neu errichtet wurde, sind diese vorgezogenen Arbeiten unumgänglich gewesen.

All diese unvorhersehbaren Faktoren führten zu den genannten Bauverzögerungen und zu einer Erhöhung der Baukosten von geplanten 8 Mio. € auf ca. 10 Mio. €.

Wie geht es weiter?

Nach Abschluss der Baumaßnahme in der Werkstraße in ca. 3 Monaten werden die neuen Kanäle in die Parkstraße bis zur Bahnhofstraße verlegt und sukzessive in vollgesperrten Teilabschnitten weitergearbeitet, aber immer so, dass die Erreichbarkeit der Anlieger gewährleistet bleibt. Anvisiertes Ziel ist die Beendigung der Bauarbeiten bis Mitte 2025.

Für weitere Fragen steht die EVS-Projektleiterin Nathalie Zimmer, Tel. (0681) 5000-179 zur Verfügung.

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