
Auf den heutigen Sonntag fällt mit dem „Tag der Arbeit“ ein in Deutschland gesetzlich verankerter Feiertag. Am 1. Mai machen traditionell die Gewerkschaften auf die Anliegen der Arbeitnehmer aufmerksam. Die Geschichte des Feiertages kann man hier nachlesen. Wir haben mit Viktor Schug, dem Vorsitzenden der Ortsgruppe „Eckstein“ der Gewerkschaft IGBCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie), über den „Tag der Arbeit“ und seine Gewerkschaft gesprochen. Viktor Schug lebt in Überroth, ist gelernter Schlosser und arbeitete von1976 bis 2008 bei der RAG bzw. den Saarbergwerken. Dort war er insgesamt 27 Jahre „Unter Tage“ beschäftigt und vertrat die Interessen seiner Kollegen im Betriebsrat des Bergwerks Saar in Ensdorf. Heute ist er neben seiner ehrenamtlichen Arbeit bei der Gewerkschaft, einer seiner Schwerpunkte ist dort die Bildungsarbeit, sowohl als Ortsratsmitglied für Überroth als auch im Gemeinderat für seine Heimatgemeinde Tholey aktiv.
wndn.de: Heute feiern wir den „Tag der Arbeit“. Traditionell ein Tag, bei dem die Arbeitnehmer ihre Rechte einfordern. Was sind aus Ihrer Sicht die dringlichsten Fragen in der heutigen Zeit für Arbeitnehmer?
Viktor Schug: Für mich gibt es vier dringliche Fragen. Zum einen ist es die nach der fairen Bezahlung von Beschäftigten. Die Tarifverträge werden meiner Meinung nach teilweise durch die Beschäftigung von Leiharbeitnehmern oder den Missbrauch von Werkverträgen unterlaufen. Dies muss aufhören. Weiterhin sollte nach meiner Ansicht der Mindestlohn nicht nach unten, wie beispielsweise von einigen Politikern für Migranten gefordert, sondern allgemein nach oben angepasst werden. Es sollte auch eine gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit geben. Dies gilt sowohl für Frauen und Männer, als auch für Stammbeschäftigte und Leiharbeitnehmer. Dringlich ist meiner Ansicht nach auch die Frage einer auskömmlichen Altersrente, um Altersarmut gar nicht erst aufkommen zu lassen.
wndn.de: Sie sind Vorsitzender einer Ortsgruppe der Gewerkschaft IGBCE in der Gemeinde Tholey. Sie haben Ihren Verband nach dem Spitznamen des in Hasborn geborenen Bergarbeiterführers Nikolaus Warken (1851 – 1920) „Eckstein“ umbenannt. Erklären Sie uns warum?
Viktor Schug: Nachdem wir, die Ortsgruppen Hasborn und Bohnental uns im Jahr 2012, hinzu, zusammengeschlossen haben, 2014 kam auch die Ortsgruppe Limbach-Dorf-Schmelz wollten wir einen Namen wählen, mit dem sich alle identifizieren können. Den Spitznamen von Nikolaus Warken auszusuchen, lag da nahe. Denn er stammt aus Hasborn und war schließlich der erste Arbeiterführer an der Saar. Er hat mit seinem Wirken den Grundstein (Eckstein) für die Gewerkschaftsarbeit in unserer Region gelegt. Sein Schaffen wollten wir so auch in Erinnerung rufen.
wndn.de: Geht Ihrer Gewerkschaft nach dem Ende des Bergbaus nicht die Arbeit aus?
Viktor Schug: Ganz und gar nicht! Wir betreuen in unserer 410 Mitglieder starken Ortsgruppe eine nicht unerhebliche Anzahl von Rentnern, die im auf der Grube gearbeitet haben. Gleichzeitig setzt sich unsere Gewerkschaft auch die Interessen der Arbeitnehmer in der Chemieindustrie ein. Hier haben wir mit Saargummi in Büschfeld und Fresenius in St. Wendel gleich zwei große Betriebe in unserer Region und entsprechend viele Mitglieder.
wndn.de: Gestern fand Ihr traditioneller Gedenktag an Nikolaus Warken statt. Was haben Sie konkret gemacht?
Viktor Schug: Traditionell veranstalten wir als Ortsgruppe an jedem 30. April ein Gedenktag für Nikolas Warken in Hasborn. Da der 30. April in diesem Jahr auf einen Samstag fiel, trafen wir uns bereits morgens in Bildstock, dort wo unter der Führung von Nikolaus Warken vor 125 Jahren der Rechtsschutzsaal, das älteste Gewerkschaftshaus in Deutschland, von Arbeitern in Gemeinschaftsarbeit erbaut wurde. Jedes Mitglied des Rechtsschutzvereins, es waren damals rund 20.000, steuerte eine Mark und zwei Backsteine bei. Nach einer Buchvorstellung zum Thema „Einheitsgewerkschaft“ (Dr. Frank Hirsch, Arbeitskammer des Saarlandes) und einem Bergmannsfrühstück, begleitet von Arbeiterliedern durch Wolfgang Winkler, wanderten wir in Richtung Illingen. Während der Wanderung brachte uns Karl-Josef Boussard , Autor des Buches „Erben der Hartfüssler“, die Geschichte dieser Bergmannspfade näher, die damals vom nördlichen Saarland in die Schlafhäuser der Gruben führten und auf denen die Bergleute am Wochenende in ihre Heimatdörfer zurückkehrten. Am späten Nachmittag fand dann in Hasborn unsere schon traditionelle Gedenkveranstaltung für Nikolaus Warken statt, bei der auch Eugen Roth, als Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes sprach. Es war ein gelungener Tag mit vielen Teilnehmern.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Michael Scholl.




