Der Landkreis Sankt Wendel strebt das Fairtrade-Siegel an. Dafür müssen mindestens neun Gastronomiebetriebe jeweils zwei fair gehandelte Produkte in ihrem Sortiment führen. Erste Mitstreiter konnten bereits gewonnen werden, einige fehlen jedoch noch. Alle weiteren Kriterien für die Auszeichnung seien bereits erfüllt, wie Thomas Gebel, Amtsleiter Entwicklung ländlicher Raum, erklärt.
Gerade die Gastronomie zu gewinnen, gilt als schwierigste Hürde auf dem Weg zur Fairtrade-Kommune. „Und dies ist gemeinhin die größte Herausforderung auf dem Weg, eine Fairtrade-Kommune zu werden“, sagt Melanie Streibelt von der Fairtrade Initiative Saarland. Die Initiative bietet deshalb Workshops an, um gemeinsam mit den Verantwortlichen in den Kommunen Strategien zu erarbeiten. Streibelt: „Gemeinsam mit den Fairtrade-Verantwortlichen aus den Kommunen wollen wir Strategien entwickeln, um die Gastronomie anzusprechen und für den Fairtrade-Gedanken zu begeistern.“ Jüngst fand ein solcher Workshop in St. Wendel statt.
Dass die Zurückhaltung der Gastronomen nichts mit einer Ablehnung des Fairtrade-Gedankens zu tun hat, betont Frank Hohrath vom Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Saarland: „Die Gastronomen lehnen nicht den Fairtrade-Gedanken ab – ganz in Gegenteil.“ Die Hürden lägen vielmehr in der Praxis. Viele Betriebe bezögen ihre Waren von einem einzigen Großhändler, der nicht immer Fairtrade-Produkte im Sortiment habe. „Zudem müssen diese Produkte den Anforderungen der Gastronomie genügen, sei es bei der Menge, Haltbarkeit oder Handhabung“, sagt Hohrath. Auch der Preis spiele in wirtschaftlich angespannten Zeiten eine Rolle – sowohl für die Betriebe als auch für die Gäste. Hohrath regt zudem an, den Einstieg zu erleichtern: „Warum nicht ein Starterpaket schnüren, mit Informationen, Ansprechpartnern, Vermarktungsideen?“
Dass faire Produkte in der Großgastronomie funktionieren können, zeigt das Beispiel der Universität des Saarlandes. Patrick Adams vom Studierendenwerk Saar, zuständig für die Hochschulgastronomie mit rund einer Million Essen pro Jahr, berichtet: „Die Universität des Saarlandes war 2014 die erste faire Universität Deutschlands; auch, weil wir faire Lebensmittel in unser Sortiment aufgenommen haben – und bis heute mehrmals in der Woche anbieten.“ Allerdings stelle er fest, dass die Akzeptanz bei den Gästen nachlasse. Adams: „Wir müssen die Menschen informieren und überzeugen – und keinesfalls belehren und bevormunden.“
Johannes Schubert vom Fair-Handel-Importeur El Puente, der seit 1977 faire Produkte importiert, sieht für Gastronomen durchaus Vorteile: „Sie können ihr Profil schärfen, es bewusst vermarkten, aber auch eine Nachfrage befriedigen: Denn immer mehr Gäste fragen, wo das Essen auf ihrem Teller überhaupt herkommt.“ Dabei müsse niemand sofort das gesamte Sortiment umstellen: „Auch kleine Schritte mit zwei, drei Fairtrade-Produkten führen zum Erfolg.“
Nun sollen im Austausch mit der Gastronomie und der DEHOGA zeitnah weitere Strategien entwickelt werden, um die noch fehlenden Betriebe zu gewinnen – zum Vorteil der Kommunen, der Gastronomie und insbesondere der Bauern und Produzenten im globalen Süden.




