Kurz nachgedacht…

„Mein Freund, der Baum“ – Stört uns „unbearbeitete“ Natur?

Umgestürzte Buche am ausgetrockneten Biotop in Winterbach (Foto: Karin Schüßler)
Umgestürzte Buche am ausgetrockneten Biotop in Winterbach (Foto: Karin Schüßler)

Kürzlich hatten wir Besuch, ich nenne beide Tom und Heike. Viel Mühe hatte ich mir gegeben, den Frühstückstisch draußen auf der Terrasse schick aussehen zu lassen und Leckeres anzubieten. Aber der erste Blick unserer Gäste fiel auf unseren Garten: „Wann macht ihr DIE denn ab?“ Gemeint waren unsere Apfelbäume, die schätzungsweise ein Alter von 80 Jahren erreicht haben – drei große Bäume, die ihren Ehrenplatz in unserem Garten haben und auch behalten sollen.

Das Geräusch von Kettensägen in unserer Siedlung zwecks Fällen von Bäumen ist mir ein Gräuel, da es bedeutet, dass dem Leben eines Baumes ein Ende gesetzt wird, sobald es von irgendwo in meine Ohren drängt. Und ich erinnere mich an „Mein Freund, der Baum“, ein Lied, das mir bereits in Kindheitstagen sehr nahe ging, vor allem, nachdem alte Bäume, die meinen Schulweg säumten, an einem Morgen gefällt worden waren. Sie waren meine Freunde und einen Tag später waren sie nicht mehr da. Die Interpretin des Liedes hieß Alexandra, starb mit 27 Jahren durch einen Autounfall. Über Youtube kann dieses ganz besondere Lied noch immer aufgerufen werden.

Ich wohne in einer alten Siedlung, Bäume standen früher auf jedem Grundstück. Heute scheint von Menschenhand unbearbeitete Natur das Auge des Betrachters zu stören. Der alte Baumbestand der Siedlung ist nahezu verschwunden. Einer Einladung folgend bestaunte ich im vorherigen Jahr das Anwesen eines uns bekannten Ehepaars in Rheinland-Pfalz. Toll sah der Garten aus, einem englischen Park ähnlich. Alles stimmte, alles war perfekt und ich dachte so nebenbei an unsere Wildwuchsecke, unsere Bäume und Hecken, die ineinander wachsen, Rasen, der kein Rasen ist sondern Wiese, Totholz und täglich frisches Wasser für Vögel, Gartentiere und Insekten. Nein, ich möchte unseren Garten nicht eintauschen, er ist mein unperfektes Idyll, schenkt Schutz vor Hitze , spendet Schatten, liefert jede Menge Nahrung für bestäubende Insekten und im Herbst können wir Früchte ernten. Ein Baum produziert Sauerstoff, gibt Feuchtigkeit ab, verbessert die CO2 Bilanz. Konkrete Angaben darüber variieren abhängig von der Art des Baumes, dem Alter, seiner Größe etc. Auch Nadelbäume sind wertvoll, weil sie das ganze Jahr über Sauerstoff abgeben. Während auf der gegenüberliegenden Seite unserer Erde Regenwald im großen Stil abgeholzt wird und die Besorgnis darüber wächst, wird hier der Wert des einzelnen Baumes ignoriert und der Wald unzureichend geschützt.

„Wann macht ihr die ab?“ Ich wundere mich. Solche Aussagen kommen von lebenserfahrenen, intelligenten Menschen, oft Eltern von Kindern, die die Schönheit unseres Planeten auch noch in 30 Jahren genießen sollten. Schottergärten vor dem Haus, englischer Fußballrasen hinter dem Haus… Was muss denn noch geschehen, dass der Wert unserer Natur ins vordere Bewusstsein unseres Gehirns rückt?! Was muss noch geschehen, dass unsere Natur fern von wirtschaftlichen Interessen ihren Wert erhält und dass erkannt wird, dass nicht die Natur auf uns angewiesen ist, sondern wir auf die Natur.

Gerne verweise ich auf das sehr interessante Interview der Chefredakteurin von wndn.de Jessica Weber mit dem saarländischen Astronauten Matthias Maurer, dessen Willkommensparty letzten Sonntag am Bostalsee stattfand. Mit seinem Blick aus dem Weltall auf unsere Erde sehe ich ihn als Botschafter für den Erhalt unseres Planeten. Wer das Interview noch nicht kennt, hier nochmals der Link.

Wer sich für den St. Wendeler Wald engagieren möchte, kann sich u. a. informieren über die Aktivitäten der Winterbacher Bürgerinitiative „Wir für den Wald“ über Facebook oder auch www.openpetition.de/petition/online/buergerinitiative-wir-fuer-den-wald oder aber sich per E-Mail richten an Wirfuerdenwald@gmx.de

Zur Kolumnistin

Liebe Leser*innen von wndn.de. Gerne stelle ich mich vor als neue freiberufliche Mitarbeiterin von wndn.de. Das Leben führte mich in den Beruf der Bankkauffrau, in die Betreuung von Jugendlichen im Rahmen der Jugendhilfe, in das Thema Gesundheit und in die Liebe zur Natur. Nebenberufliche Fortbildungen zur Gesundheitsberaterin IHK, Vitalstoffberaterin, Mineralstoffberaterin mit Schüßler-Salzen und Kosmetikerin erlauben mir, euch auch Tipps in Sachen Krankheitsprävention und Ernährung mitzugeben. Als waschechte St. Wendelerin freue ich mich, euch mit hinein in meine Gedankenwelt nehmen zu dürfen. Geplant sind regelmäßig Kolumnen, Tipps für unsere Natur und wer weiß, was mir ansonsten noch einfällt 🙂

Wie kam ich zum Schreiben? Ich erlebe Situationen mit Menschen oft sehr intensiv, so dass daraus kleine Geschichten entstehen, die ich über das Schreiben festhalten kann. Gerne möchte ich über meine Kolumnen zum Nachdenken anregen. Jeder erlebt das Leben anders und mit Sicherheit werden einige meiner Gedanken nicht die Eurigen sein. Aber genau das macht das Leben bunt! Ansonsten ist die Fotografie eine weitere Leidenschaft von mir.“

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