Lichterfahrt 2025 in Sankt Wendel – ein „Funke Hoffnung“ für die Landwirtschaft

Am Samstag, 29.11.25, fand im Landkreis Sankt Wendel wieder die alljährliche Lichterfahrt der Bauern im Kreis St. Wendel statt – dieses Jahr unter dem Motto „Ein Funken Hoffnung – Ohne Bauern geht es nicht!“. Der Konvoi startete gegen 18 Uhr auf dem Parkplatz des Center Parcs am Bostalsee und führte durch Bosen, Neunkirchen/Nahe, Selbach, Gronig, Oberthal, Bliesen und Alsfassen bis zum Ziel am Skaterpark in St. Wendel. Rund 60 hell erleuchtete Traktoren nahmen teil und zogen damit ein sichtbares Zeichen für die Bedeutung regionaler Landwirtschaft.

Im Vergleich zum Vorjahr verlief die Strecke dieses Mal über eine neue Route. Die Organisatoren möchten mit der Fahrt nicht nur ein stimmungsvolles Adventsbild erzeugen, sondern vor allem auf die Bedeutung der Landwirte für unsere Gesellschaft aufmerksam machen.

Einer der Organisatoren Mike Meisberger spricht über die Resonanz und die aktuelle Lage der Landwirtschaft im Landkreis.

Wie ist die diesjährige Lichterfahrt aus deiner Sicht abgelaufen – warst du zufrieden mit Organisation, Technik und Beteiligung?

„Die 5. Lichterfahrt in Folge war für uns, wie in den letzten Jahren auch, ein voller Erfolg. Die Organisation mit dem Landkreis St. Wendel, der Polizei und des Ordnungsamtes war für uns wie in allen vorherigen Jahren sehr professionell und unkompliziert. Da wir ein loser Zusammenschluss von Landwirten und Landwirtschaftsbegeisterten sind, organisieren wir diese Veranstaltung ohne irgendwelche Verbände oder Institutionen. Lediglich für die Anmeldung hilft uns LKU Saar. Dafür an alle Beteiligten ein herzliches Dankeschön.“

Gab es eine gute Resonanz entlang der Strecke und am Zielort?

„Die Beteiligung war nach meiner Auffassung genauso groß oder sogar größer als in den letzten Jahren. Es gab in diesem Jahr verschiedene HotSpots, wie z.B. NK-Nahe, Selbach und Gronig, wo Vereine eine kleine Verköstigung, ohne unser dazutun, angeboten haben. Am Skaterpark war die Resonanz so groß wie in den letzten Jahren.“

Das Motto lautete wieder „Ein Funken Hoffnung – Ohne Bauern geht es nicht!“ Welche Botschaft war/ist euch dieses Jahr besonders wichtig?

„Es ist uns allen ein großes Anliegen, dass es eine Demonstrationsfahrt ist, um auf die Probleme der Landwirtschaft und ihres Umfeldes hinzuweisen. Einige in der Bevölkerung sehen leider das Ganze ähnlich wie einen Faschingsumzug und als Eventveranstaltung. Dies ist absolut nicht unsere Intention. Deshalb bieten wir selbst auf der ganzen Strecke, sowie im Ziel keine kommerzielle Verköstigung an. Uns allen geht es letztendlich um die Sache.“

Was sind die drängendsten Herausforderungen für die Landwirte im Landkreis?

„Im Landkreis St. Wendel ist die Landwirtschaft, trotz rückläufiger Haupterwerbsbetriebe, stark verankert. Sie produziert nicht nur die hochwertigsten Lebensmittel, nach weltweit höchsten Standards, sondern ist auch für die Erhaltung der Kulturlandschaft, in unserem touristisch sehr stark geprägten Kreis, zuständig und absolut notwendig.

Für mich persönlich ist die größte Herausforderung, junge, angehende Betriebsleiter oder Hofnachfolger zu finden und zu fördern. Dies ist wie im kpl. Mittelstand eine der größten Herausforderungen, da die Politik uns zur Zeit KEINE Perspektiven und Planungssicherheit gibt.
Leider wird die Agrarpolitik überwiegend in der EU und in Brüssel gemacht und nicht im Kreis St. Wendel. “

Welche konkreten Forderungen seht ihr aktuell als besonders dringlich für die Politik bzw. die Gesellschaft (z. B. in Bezug auf Agrarsubventionen, Preisgestaltung, bürokratische Hürden, regionale Vermarktung etc.)?

„Der Kreis St. Wendel ist geprägt von der Milchviehhaltung. Dort wurden die letzten 2 Jahre endlich mal wieder Gewinne erzielt, wovon Investitionen, sowie finanzieller Altlasten Abbau getätigt werden konnte. Im Moment ist es leider wieder so, dass die 4 grossen LEH`s Aldi, Lidl, Rewe und die Schwarz Gruppe durch Ihre Monopolstellung im Lebensmitteleinzelhandel, mit über 85 % Marktmacht, dieses voll ausnutzen und die so genannte weisse Linie, sprich Milch, Butter, Quark usw., in einem Preisdumping der unterhalb jeglichen Verständnis liegt, unsere Milchbauern wieder finanziell in die Knie zwingt. Nur ein Beispiel: Im Jahr 2025 lag 1 l Milch beim LEH bei rund bei 1,50 €. Beim Landwirt kamen rund 60 Cent, brutto an. Da muss man sich schon fragen, wer die hohen Gewinnspannen einstreicht, denn der LEH ist kein Produzent. Er ist lediglich das Bindeglied zwischen Erzeuger und Verbraucher. Er trägt quasi gar kein Risiko für die Produkte, die er vermarktet.

Auch in der Landwirtschaft ist es so, dass die Produktionskosten genauso, wie im übrigen Gewerbe, exorbitant gestiegen sind (Strom, Lohnnebenkosten, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und wieder im neuen Jahr die CO2 Bepreisung)

Ich könnte nahtlos fortführen, aber das sprengt hier den Rahmen.“

Was läuft aus eurer Sicht gut – und wo gibt es Verbesserungsbedarf, sowohl für künftige Lichterfahrten als auch für die lokale Landwirtschaft insgesamt?

„Aus unserer Sicht gibt es wenig Verbesserungspotential bei unserer Fahrt. Die Zusammenarbeit mit den Behörden läuft reibungslos, was für uns sehr wichtig ist. Vielleicht sollte man, wie ursprünglich angedacht, den Streckenverlauf für die nächsten Jahre etwas verändern, damit auch mal andere Ortschaften in unsere Demonstrationsfahrt eingebunden werden. Bis dahin vergeht wiederum ein Jahr, und wir werden sehen, was wir daraus machen.“

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