„Lass die Leute reden“- warum „Hater“ keinen Platz in unserem Leben verdient haben

„Wer kennt sie? Die negativen Menschen, die uns gegenüber grundsätzlich pessimistisch eingestellt sind und kein gutes Haar an uns lassen. Manche Personen denunzieren uns, versuchen uns Kraft und Energie zu rauben und haben es sich zum Ziel gemacht, uns zu schaden. Sie wünschen sich, dass wir uns schlecht und sie sich besser fühlen. Der ein oder andere hat insbesondere über die gängigen Social-Media-Kanäle schon einmal mit solchen „Hatern“ zu tun gehabt. Warum diese Leute unsere Aufmerksamkeit nicht verdient haben und wie wir mit ihnen umgehen können, erfahrt ihr im folgenden Interview mit mir“, so Kommunikationswissenschaftler Philipp Kirsch.

Philipp, stell dich unseren Leserinnen und Lesern doch mal vor.

„Ich werde „Phil“ genannt, bin 28 Jahre jung, komme ursprünglich aus Frankfurt und bin der Liebe wegen in den schönen Landkreis gezogen. Ich interessiere mich schon lange für die menschliche Psyche und beschäftige mich nicht nur berufsbedingt mit dem Thema Cybermobbing. Ich selbst bin privat ganz bewusst nicht mehr bei sozialen Netzwerken aktiv und entziehe mich diesem Internetwahnsinn so gut es geht. Um neue Leute kennenzulernen und etwas für mich und die Gesellschaft zu tun, bin ich verschiedenen Vereinen aus dem Landkreis beigetreten. Dadurch und natürlich über das Studium, die Arbeit, Familie und Freunde bekomme ich trotzdem noch mit, was in der Cyberwelt so los ist und wie sehr negative und herablassende Kommentare verletzen können. Wir sollten trainieren negative Personen, die keine Sekunde unserer kostbaren Zeit verdient haben, konsequent zu ignorieren und „bei uns zu bleiben.“ Wenn wir mit diesem Interview auch nur eine Leserin oder einen Leser ein wenig dabei unterstützen können, den Fokus diesbezüglich zu verschieben, hat es sich schon gelohnt.“



Phil, hast du selbst schon einmal Erfahrungen mit „Hatern“ gemacht?

 „Ja, in der Vergangenheit hatte ich bereits Cyberbegegnungen dieser Art. Es gibt diese Menschen, denen man es, egal, was man tut, einfach nicht recht machen kann. Sie finden das Haar in der Suppe, ob es nun da ist oder nicht. Alles, was man tut, wird kritisiert und schlecht geredet. Man kann sich noch so anstrengen, es wird uns nicht gelingen in den Augen dieser Menschen „richtig“ zu handeln, denn sie sehen nur das, was sie sehen möchten. Das kann die neidische Arbeitskollegin, der gekränkte Ex-Freund oder aber auch ein Mensch sein, den wir kaum oder gar nicht kennen. Solche Hater lästern gerne über andere und finden die „passenden Worte“ meist ausschließlich online über Social-Media-Plattformen, verstummen aber im echten Leben beziehungsweise im direkten Kontakt.“

Was kann der Grund dafür sein, dass uns jemand immerzu schlecht macht?

„Entweder gab es einen Vorfall beziehungsweise eine Auseinandersetzung, die die Person immer noch belastet, „wurmt“ und wütend macht oder aber der Mensch ist, auch wenn er es sich nicht eingestehen möchte, unzufrieden mit seinem eigenen Leben. Er überträgt diese Unzufriedenheit auf andere, indem er sie denunziert, um so von sich selbst abzulenken und sich besser zu fühlen. Neid und Missgunst spielen hier eine bedeutende Rolle. Ein Mensch, der mit sich im Reinen, glücklich und selbstbewusst ist, hat keinen Grund andere schlecht zu machen. Heutzutage verschafft man sich vermehrt online Luft und immer weniger von Angesicht zu Angesicht, weil es einfacher ist jemandem die Meinung geschützt hinter dem Smartphone zu geigen, als ihm dabei in die Augen zu schauen. Ein weiterer Grund für die Miesmacherei kann der Wunsch nach Anerkennung sein. Manche Menschen fühlen sich wichtig und bedeutend, wenn sie ihre Meinung vermeintlich mutig vertreten, sei sie auch noch so unangebracht. Sie wollen gesehen und gehört werden, weil sie genau das im wahren Leben vermissen. Der Spruch „Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul“, ist hier sehr treffend, finde ich.“ 

Du hast es gerade angesprochen, immer mehr Menschen nutzen Onlineplattformen, um persönliche Animositäten zu verbreiten, sich Gehör zu verschaffen oder ihrem Frust Ausdruck zu verleihen. Viele tun dies „durch die Blume“ und andere werden beleidigend. Wie stehst du zu solchen Verhaltensweisen? 

„Ich sehe dieses Verhalten als großes Problem an, da es zunehmend geduldet und als normal angesehen wird, obwohl es das nicht ist. Es beginnt bei Sticheleien und kann in hasserfüllten Kommentaren oder sogar Handlungen münden. Jeder ist berechtigt, seine Meinung äußern, dennoch appelliere ich aber an einen respektvolleren Umgang miteinander. Impulsives und rücksichtsloses Handeln bringt uns nicht weiter. Sich online Gehör verschaffen zu wollen, in dem man negative Kommentare verfasst oder andere Menschen diskreditiert, ist nicht der richtige Weg. Es ist unangebracht Menschen mit der Absicht, ihren Ruf zu schädigen oder sie zu verletzen, öffentlich schlecht zu machen. Manche Leute agieren immer hemmungsloser und das ist besorgniserregend. Ist es nicht eher feige lediglich online seine Ansichten zu vertreten und im wahren Leben nichts davon wiederzugeben? Wie viele Menschen zeigen sich im Netz mit großer Klappe, bekommen aber in der realen Welt kein Wort raus und sind schüchtern und still?“

Phil was denkst du -wie gehen wir am besten mit „Hatern“ um?

„Ist man ständig mit Beleidigungen und Pessimismus konfrontiert, kann sich diese negative Einstellung schnell auf uns übertragen und uns unglücklich machen. Aus diesem Grund sollten wir achtsam sein und auf uns aufpassen.

Das Verhalten jedes Menschen hat seine Ursprünge und Gründe, auch wenn diese nicht immer nachvollziehbar sind. Manchmal können private prägende Schicksalsschläge hinter der ewigen Negativität stecken. Kennt man die Hintergründe, kann man sich besser in die Lage der Betroffenen hineinversetzen, dennoch rechtfertigen solche Vorkommnisse keine verbalen Angriffe oder sonstige Entgleisungen.

Wenn negative Kommentare gegen uns gerichtet sind, haben wir nun die Wahl: entweder wir regen uns fürchterlich auf, versuchen zu ergründen, warum XY uns einfach nicht leiden kann und stellen vieles in Frage oder wir konzentrieren uns auf uns selbst. Ist es wirklich wichtig, was XY von uns denkt und über uns verbreitet? Hierzu fällt mir auch ein schönes Zitat ein: „Frei ist der, den die Beleidigungen der Menschen nicht schmerzen und ein Held ist, wer den nicht beleidigt, der es verdient hätte.“ Selbst wenn die negativen Kommentare äußerst unfair und unangebracht sind, sollten wir nicht darauf reagieren. Noch besser ist es, sich erst gar nicht damit zu befassen und zu recherchieren, wer was wann und wo über uns äußert. Wir sollten diesem ganzen Negativen keinen Raum geben. Wie es die Band „die Ärzte“ gesagt hat „Bleib höflich und sagt nichts, das ärgert sie am meisten.“



Wie gehen wir mit den Emotionen um, die entstehen, wenn uns jemand verbal angreift? 

„Sich über verbale Attacken und (Cyber)Mobbing zu ärgern, ist vollkommen nachvollziehbar. Wir sollten unsere aufkommenden Emotionen erst einmal annehmen und akzeptieren. Im Anschluss trainieren wir „Stopp“ zu sagen, um nicht weiter in die negative Gedankenspirale abzurutschen. Es hilft über seine Gefühle zu sprechen und sich abzulenken, um den Fokus auf andere wichtigere Sachen zu verschieben. Wir sollten uns nicht damit beschäftigen, was andere Menschen über uns denken, sagen oder schreiben. Nutzen wir unseren Ärger und wandeln ihn in positive Energie um. Das funktioniert beispielsweise, in dem wir uns sportlich betätigen, dabei unseren ganzen Frust herauslassen und uns so abreagieren können. Darüber hinaus kann auch Kreativität helfen, Dampf abzulassen. Von Acrylmalerei und ehrenamtlichen Tätigkeiten, über Fotografie, Nähen und Origami, bis hin zum Töpfern, gibt es ein breites Spektrum an Möglichkeiten, um seiner kreativen Ader freien Lauf zu lassen.“

Warum sollten negative Menschen keinen Platz in unserem Leben haben?

„Das Leben ist zu kurz, um es mit Pessimismus zu vergeuden und sich von negativen, unglücklichen Menschen herunterziehen zu lassen. Wie gesagt: Bleiben wir bei uns, konzentrieren uns auf uns, unsere Erfolge und die Menschen, die uns mögen und wertschätzen. Zeigen wir den Personen, die uns nicht leiden können, uns mobben und uns am Boden sehen möchten, innerlich den Mittelfinger und beschäftigen uns lieber mit den schönen, bereichernden und positiven Menschen und Dingen in unserem Leben. Lass die Leute reden- Haters gonna hate.“ 

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