Historisches Handwerk lebte beim achten Nagelschmiedefest in Sitzerath wieder auf

Foto: Alfred Schmitt

Die Historische Nagelschmiede in Sitzerath – die letzte ihrer Art in der gesamten Hochwald-Region – hat am Samstag, dem 8. August 2026, zum mittlerweile achten Nagelschmiedefest eingeladen. Mehr als 100 Interessierte, darunter viele Familien und Tagestouristen aus der Region, folgten der Einladung. Nagelschmied Siegbert Schmitt, Ortsvorsteherin Lieselene Scherer, der Ortsrat Sitzerath und das Kulturamt der Gemeinde Nonnweiler gestalteten das Programm. Für das leibliche Wohl sorgten die Garten- und Naturfreunde mit selbstgebackenem Kuchen, Bratwürsten, Frikadellen und Grillkäse.

Im Mittelpunkt stand die Vorführung der traditionellen Nagelherstellung durch Siegbert Schmitt. Er zeigte den Gästen, wie einst Schuhnägel in reiner Handarbeit gefertigt wurden. Die Anlage der Schmiede besteht aus einem Laufrad, in dem früher der Hund des Nagelschmiedes lief und damit einen großen ledernen Blasebalg antrieb, der das Feuer in der Esse am Brennen hielt. Dazu gehören drei bis vier Nagelschmiedestöcke: Auf einem dicken Holzklotz ist der sogenannte „Stabbels“ befestigt, ein schwerer gusseiserner Rundblock, in dem Amboss, Schrot und Nageleisen eingelassen sind. In der Esse wird das Rundeisen zum Glühen gebracht, anschließend mit schnellen Hammerschlägen zugespitzt und über dem meißelförmigen Schrot in der gewünschten Länge eingekerbt. Das vorbereitete Eisenstückchen wird dann mit der Spitze in das Nageleisen eingesetzt und erhält durch geschickte Hammerschläge seine endgültige Form. Eine wesentliche Erleichterung brachte die Erfindung der sogenannten „Maschine“: Über ein Pedal betätigt der Schmied einen schweren Hammer, der dem Rohling mit einem einzigen Schlag die gewünschte Nagelform gibt. Je nach Bedarf können verschiedene Stempel für Vier- oder Sechskantkopf-Nägel eingesetzt werden. Ein geübter Nagelschmied schaffte so bis zu 1.500 Nägel am Tag.

Das Nagelschmiedehandwerk wurde von 1760 bis nach dem Ersten Weltkrieg in zahlreichen Dörfern im Hochwald berufsmäßig ausgeübt – so auch in Sitzerath. „In den Nagelschmieden unserer Region wurden im Wesentlichen Schuhnägel hergestellt. Dabei waren vier bis fünf Schmiede gleichzeitig in einer Schmiede an der Esse aktiv, es wurden etwa 1500 Nägel pro Tag produziert“, erklärte Siegbert Schmitt. „Die Nägel mit Sechskantkopf waren für die Lauffläche des Schuhes und Vierkantkopfnägel für den Schuhabsatz vorgesehen“, ergänzte er. Die Nagelschmiede waren oft arme Leute, die zusätzlich eine kleine Landwirtschaft betrieben, um das Existenzminimum ihrer Familien zu sichern. Neben Schuhnägeln stellten sie auch Band-, Schloß-, Schiefer- und Schiffsnägel her. „Oftmals sind diese Menschen mit voll gefüllten Rücksäcken zu Fuß in die umliegenden Hunsrückgemeinden aufgebrochen, um dort die Nägel an den Mann zubringen. Und so mancher ist mit leeren Händen zurückgekommen, da der geringe Tagesverdienst vor Ort (umgerechnet 1,50 Euro bis 2 Euro) gleich wieder verprasst wurde“, so Schmitt.

Dass sich das Handwerk gerade in der Gegend um Sitzerath entwickelte, führte Schmitt auf die örtlichen Gegebenheiten zurück: „Um 1650 entstand an der Löster zwischen Sitzerath und Bierfeld einem mit Wasserkraft betriebenes Hammerwerk. Mit den Eisenerzvorkommen hier vor Ort und dem gegebenen Waldreichtum waren alle notwendigen Rohstoffe für die Nagelherstellung gegeben“. Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts habe es in Sitzerath insgesamt 13 bis 14 Nagelschmieden gegeben. „Die Nagelschmieden hatten aber auch einen gesellschaftlichen Nebeneffekt, sie waren die Treffpunkte im Ort, „denn hier war es immer schön warm und das war wohl ein Hauptgrund für das Zusammenkommen der Leute“.

Neben dem Nagelschmieden bot das Fest auch Einblicke in die Metallbearbeitung zur Zeit der Kelten und des Mittelalters. Auf der Freifläche vor der Schmiede führte die Gruppe „Aidu Abona“ keltisches Handwerk aus der Bronze- und Eisenschmiede vor und präsentierte eine reichhaltige Ausstellung geschmiedeter Messer, Holzbearbeitungswerkzeuge und Schmuckstücke. Eine besondere Vorführung war die Anfertigung von Nachbildungen von Bronzeknöpfen eines Zaumzeugs, das unter anderem bei Ausgrabungen im Erker gefunden worden war. Der Rohstoff wird dabei in einer Holzform auf rund 1.000 Grad erhitzt, vorsichtig aus der Form entfernt und anschließend im Wasser abgekühlt. Die Gruppe wird Ortsvorsteherin Lieselene Scherer einige Exemplare der Bronzeknöpfe für die Sitzerather Ausstellung anfertigen.

Ab 18 Uhr sorgte das „PIPES’N & STRINGS Trio“ für musikalische Begleitung. Die Musiker spielten traditionelle Folkmusik sowie Werke des Mittelalters, der Renaissance und des Frühbarock, ergänzt durch Eigenkompositionen. Mit Flöten, Mandola, Laute, Dudelsack und Trommel boten sie eine unterhaltsame Darbietung, bei der das Publikum kräftig mitsang.

Die Historische Nagelschmiede Sitzerath war 2003 vom Gemeindebezirk Sitzerath gemeinsam mit dem Amt für Landentwicklung Lebach, den Garten- und Naturfreunden und der Teilnehmergemeinschaft Sitzerath errichtet worden. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden mit der Resonanz. „Wir wollen mit regelmäßigen Vorführungen dieses historische Handwerk in unserem Dorf und in der Region wachhalten und der Bevölkerung in Erinnerung rufen“, resümierte Ortsvorsteherin Lieselene Scherer.

Ein besonderes Detail findet sich übrigens im Ortswappen von Sitzerath aus dem Jahr 1958: der sogenannte „Radstipp im Laufrad“. Dabei handelt es sich um einen kleinen Hund, der sich in linksgewandter Richtung in einem Laufrad fortbewegt – ein symbolischer Hinweis auf das jahrhundertealte Nagelschmiedehandwerk. Das Laufrad diente dem Antrieb eines zweigeteilten Blasebalgs, der sich dabei auf und ab bewegte. Durch die Zweiteilung lieferte der Blasebalg sowohl beim Heben als auch beim Senken den notwendigen Luftstrom und stellte so eine kontinuierliche Sauerstoffzufuhr zum Befeuern des Roheisens sicher.

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