Hasborn-Dautweiler: Vergessenes Erstlingswerk von Johannes Kühn erscheint in illustrierter Neuausgabe

Symbolbild

Es war ein bescheidener Anfang für einen der bedeutendsten Lyriker des Saarlandes: Als 1957 in einem schwäbischen Kleinverlag das erste Buch von Johannes Kühn erschien, war der damals 23-Jährige alles andere als begeistert. Die dünne, geheftete Broschüre mit dem Titel „Vieles will Klang, immer wieder“ enthielt Druckfehler, keine Seitenzahlen, und manche der 29 Gedichte waren ohne Überschrift wie ein Lauftext ineinander übergegangen – sodass kaum zu erkennen war, wo ein Gedicht endete und das nächste begann. Nun bringt der Verleger Dr. Thomas Seng das längst vergriffene und kaum noch auffindbare Werk in einer Neuausgabe wieder auf den Markt. Vorgestellt wird das Buch beim diesjährigen Johannes-Kühn-Tag am Samstag, dem 3. Oktober 2026, um 16:30 Uhr in Kühns Heimatort Hasborn-Dautweiler.

Der Maler und Graphiker Marcus Gramer, der in Saarbrücken und Nürnberg lebt, hat für die Neuausgabe fünf farbige, vorwiegend in Gelb und Blaugrau gehaltene Zeichnungen geschaffen, die sich auf einzelne Gedichte beziehen. Gramer beschäftigt sich bereits seit den 1980er Jahren künstlerisch mit Kühns Werk und hatte das Projekt schon vor einiger Zeit mit dem 2024 verstorbenen Freund und Mentor Kühns, Prof. Dr. Benno Rech, besprochen. Die Rekonstruktion der vom Dichter vermutlich beabsichtigten Textgestalt sowie die Abgrenzung der einzelnen Gedichte übernahmen die Berliner Schriftstellerin Katrin Askan und der aus dem Saarland stammende Germanist und Verleger Armin Sinnwell, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der Johannes-Kühn-Gesellschaft ist.

„Johannes Kühns Ton hat sich über die Jahre verändert, sein Themenspektrum wurde reichhaltiger, seine schöpferische Fantasie fing erst an, den Kühn-typischen Kosmos an Stimmungen, Bildern und Metaphern zu schaffen“, schreibt Seng in seinem Vorwort. „Und dennoch: In »Vieles will Klang, immer wieder« ist er schon ganz »da« – ein Dichter, der uns die Sinne öffnet für eine Wirklichkeit, die sich im poetischen Augenblick immer wieder neu zeigt.“ Auch Sinnwell sieht in dem Erstlingswerk bereits einen eigenständigen Künstler: „Wir erleben den Stürmer und Dränger, der gleichwohl den späteren Hölderlin-Preisträger ahnen lässt.“

Wie Katrin Askan in einer editorischen Notiz schildert, kam die Veröffentlichung des Werkes 1957 durch die Vermittlung eines saarländischen Schulfreundes namens Wendel Krämer zustande, dessen Eltern einen Devotionalienhandel betrieben. Über sie wurde der Kontakt zum Martin-Verlag in Buxheim bei Memmingen und seinem Verleger Walter Berger hergestellt. Berger brachte das Lyrik-Bändchen in seiner Reihe „Das christliche Taschenbuch. Lebendiges Leben“ zum Preis von 2,60 DM heraus. Das Echo blieb allerdings gering.

Den Durchbruch erlebte Johannes Kühn erst mehr als 30 Jahre später, als der renommierte Verleger Michael Krüger 1989 den Band „Ich Winkelgast“ im Münchner Carl Hanser Verlag veröffentlichte, herausgegeben von Benno und Irmgard Rech. Krüger hat nun auch zur Neuausgabe des Erstlingswerks ein Vorwort beigesteuert, in dem er sich an seine erste Begegnung mit Kühn im Kreise saarländischer Freunde um den Autor Ludwig Harig erinnert. Über Kühns Schaffen schreibt er, dessen „Liebe zu noch den geringsten Regungen seiner dörflichen, ländlichen Umwelt“ machten ihn „zu einer einmaligen Erscheinung in der deutschen Poesie. Da gibt es kein Gedicht, das auf Wirkung hin angelegt ist, dem man ansieht, dass es auffallen und bella figura machen will, aber eben gerade dadurch seinen Glanz erhält.“

Drei Jahre nach dem Tod des mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Lyrikers, dessen Werke in neun Sprachen übersetzt wurden, erscheint „Vieles will Klang, immer wieder“ am 3. Oktober 2026 im Verlag WERKSTATT GALERIE & Verlag Gramer & Seng in Nürnberg. Das Buch umfasst 56 Seiten im Format 14 x 23 cm, ist fadengeheftet als englische Broschur mit Schutzumschlag gestaltet und kostet 20 Euro (ISBN: 978-3-948480-04-2).

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