Waldentwicklung Naturpark

Der Borkenkäfer: Architekt und Schädling zugleich

Foto: nlphh.de, Mariam Landgraf

Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald darf im Kern des Schutzgebiets die Natur schalten und walten, auch kleine Käfer, die vornehmlich Fichten zum Absterben bringen können. Der Borkenkäfer muss aber im Randbereich beobachtet werden, um die angrenzenden Waldgebiete vor Schäden durch den tierisch eifrigen Waldarbeiter zu schützen. Daher werden seit Anfang Juni befallene Bäume im Waldschutzbereich des Nationalparks in Zusammenarbeit mit den angrenzenden Forstbehörden entnommen.

Er ist nur 2-3 mm groß, aber er kann ganze Wälder umgestalten: der Buchdrucker, gemeinhin auch bekannt als Borkenkäfer. Er brütet und bewegt sich besonders gerne unter der Rinde von Fichten. Und wenn es zu viele Käfer und Larven werden, können Bäume absterben, mitunter auch großflächig. Im Inneren des Nationalparks darf Natur Natur sein. Hier richtet der Borkenkäfer keinen „Schaden“ an, sondern ist akzeptierter Teil natürlicher Störungen. Er kann sich nach Herzenslust ausbreiten und vermehren. Hier schafft der Käfer geradezu Dynamik. Durch die ungestörte Brutentwicklung sterben die Fichten ab. Sie bieten einer Vielzahl von Organismen notwendige Lebensgrundlage. Pilze, andere Käfer und Nutzinsekten stellen sich hier ein. Bruthöhlen für Höhlenbrüter werden angelegt. Licht fällt in den zuvor dunklen Fichtenforst. Lichtwaldarten werden begünstigt, bis der Wald sich wieder schließt. So ist der Borkenkäfer auch Motor für natürliche Entwicklungsprozesse und Biodiversität im Inneren des Nationalparks. Aber natürlich kommt es auch dazu, dass der Borkenkäfer in die Randbereiche des Nationalparks ausfliegt. In einem bis zu 1.000 m breiten Waldschutzkorridor des Nationalparks kontrollieren Ranger*innen durch intensive wöchentliche Begehung diese Entwicklung. Borkenkäferbefall soll frühzeitig erkannt und Maßnahmen ergriffen werden, um die umliegenden Wälder und Forstgebiete vor großen Schäden zu schützen.



In diesen Waldschutzbereichen an den Rändern des Nationalparks laufen derzeit viele Waldarbeiten. Der Borkenkäferbefall ist hier teilweise massiv. Daher werden dort und auch in den angrenzenden Waldgebieten befallene Bäume entnommen. Ein Schwerpunkt liegt beispielsweise nördlich von Rinzenberg. Bäume, die vielleicht für Laien noch grün und gesund aussehen, aber ebenfalls bereits befallen sind, müssen hierbei gefällt werden. Das Waldbild in der Region verändert sich.

Das Nationalparkamt und die angrenzenden Forstämter Hochwald, Birkenfeld und Idarwald sowie Saarforst arbeiten in diesen Gebieten Hand in Hand. Ihnen ist bewusst, dass diese optischen Veränderungen für regelmäßige Waldbesucher*innen gewöhnungsbedürftig sein können. Allerdings bleibt angesichts der Trockenheit und der damit verbundenen erhöhten Anfälligkeit der Fichten für Schädlinge keine andere Wahl, als das „Käferholz“ möglichst zügig und schonend zu entnehmen. In diesem Waldschutzkorridor wird zudem der Wald umgebaut. Buchen werden hier gepflanzt und Fichten entnommen. Der Forstamtsleiter aus Birkenfeld, Claus-Andreas Lessander hierzu: „Der Borkenkäfer kennt keine Grenzen und unterscheidet nicht zwischen Waldbesitzern. Es trifft den Nationalpark genauso wie Privatwälder, Kommunalwälder und auch vor Kirchenwald schreckt er nicht zurück. In der Folge werden wir dafür Sorge tragen müssen, dass dort wieder Wald entsteht – durch Naturverjüngung oder unterstützt durch Pflanzungen.“

Es gibt leider viele Orte, an denen man gezielt tätig werden muss. Thomas Vanck, Leiter des Forstamts Hochwald berichtet: „Die Natur lässt uns momentan nicht zur Ruhe kommen. Von der Aufarbeitung der Bäume, die durch den Nassschnee diesen Winter geschädigt wurden, gehen wir nun nahtlos in die Aufarbeitung der Bäume über, die vom Borkenkäfer befallen werden. Da ist es zum Vorteil, dass vielerorts in der Vergangenheit bereits unter alten Fichten junge Buchen gepflanzt wurden, die jetzt Teil der neuen Waldgeneration werden.“

Das Kompetenzzentrum Waldtechnik Landesforsten aus Hermeskeil ist für die Arbeiten in den Randbereichen zuständig. Die Waldarbeiten erfolgen bodenschonend, aber auch zügig und gezielt. Werden Bäume gefällt, besteht eine hohe Gefahr für Menschen im Umfeld der Arbeiten. Um wandernde Personen vor dieser Gefahr zu schützen, müssen Wege temporär gesperrt oder umgeleitet werden. Es kann in der gesamten Region immer wieder zu Einschränkungen der Waldwege kommen. Wegesperrungen müssen von Besucher*innen auf jeden Fall beachtet werden. Die Arbeiten sind gefährlich, auch wenn keine Waldarbeiter*innen sichtbar oder Maschinen zu hören sind, besteht auf den gesperrten Strecken Lebensgefahr.

Es muss zügig gehandelt werden. Der Forstamtsleiter aus dem Idarwald, Gerd Womelsdorf, stellt klar: „Sobald sich der Käfer unter der Rinde eingebohrt hat, ist es wichtig, schnell zu handeln. Befallene Bäume müssen aus dem Wald gebracht werden, bevor der Nachwuchs schlüpft, sonst kommt es zu sehr hohen Vermehrungsraten. Auf den ersten Blick sehen diese Bäume noch vital aus, weil sie noch grüne Nadeln haben. Aber unter der Rinde fressen die Käfer und Larven bereits.“

Das Kompetenzzentrum setzt bei seinen Arbeiten auf moderne Forstmaschinen mit bodenschonenden Breitreifen und bewegt sich nur auf festgelegten, markierten Rückegassen im 40 m-Abstand, um eine flächige Befahrung zu vermeiden. Jeder aufgearbeitete Stamm wird durch ein computergestütztes System erfasst. Dadurch können optimale Fahrrouten zu den Lagerplätzen bodenschonend an den Wegen geplant werden. Auf Nassstandorten wird eine Seilkrantechnik eingesetzt. Hier wird das Holz mithilfe einer Seilbahn an Fahrwege gebracht. Die Abfuhr des „Käferholzes“ erfolgt im Anschluss zeitnah durch lokale Transportunternehmen in heimische Sägewerke.

Der Borkenkäfer fliegt jetzt bereits seit Anfang Juni und wird es vermutlich bis zum September oder Oktober tun. Daher bleibt er in den Randbereichen des Nationalparks länger ein Thema. Es wird zu weiteren Maßnahmen vor Ort führen, aber auch mit einem Monitoring begleitet. Jan Rommelfanger, zuständig für das Biotopmanagement im Nationalpark, möchte diese Entwicklungen stärker erforschen: „Mitunter entstehen Waldbilder, die ziemlich zerpflückt aussehen oder es kommt sogar zu Kahllagen. Das sind starke Störungen, deren Effekte wir wissenschaftlich begleiten möchten. Die Natur besitzt meistens das Potenzial, über kurz oder lang von selbst wieder Wald entstehen zu lassen. Oft sind die Folgewälder auch gemischter und reicher strukturiert, damit werden sie auch resistenter gegen Folgen des Klimawandels“.

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