Die CDU-Landtagsfraktion kritisiert scharf, dass das Saarland als letztes deutsches Flächenland noch immer keine Regelung zum Umgang mit Kormoranen erlassen hat. Nach einer Sitzung des Umweltausschusses fordern die Abgeordneten Sebastian Schorr und Alwin Theobald die Landesregierung zum sofortigen Handeln auf.
„Das Saarland ist mittlerweile das einzige Flächenbundesland ohne eigene Verordnung oder strukturiertes Kormoran-Management. Alle anderen Länder haben rechtskonforme Regelungen geschaffen, um den Zielkonflikt zwischen Artenschutz und Fischartenschutz sachgerecht zu lösen. Nur im Saarland passiert weiterhin nichts“, erklärt Sebastian Schorr, der in der CDU-Fraktion für den ländlichen Raum zuständig ist. Die Landesregierung rechtfertige ihre Untätigkeit stets mit rechtlichen Hindernissen. Diese Argumentation lassen die Christdemokraten jedoch nicht gelten. „Wenn Rheinland-Pfalz und weitere Bundesländer Lösungen innerhalb des europäischen und nationalen Rechtsrahmens gefunden haben, kann es nicht sein, dass ausgerechnet das Saarland handlungsunfähig sein soll“, betont der umweltpolitische Sprecher Alwin Theobald.
Besonders dramatisch zeigt sich die Situation am Bostalsee, wo derzeit etwa 200 Kormorane leben. Bei einem täglichen Nahrungsbedarf von 300 bis 500 Gramm pro Vogel verschwinden dort jeden Tag bis zu 100 Kilogramm Fisch aus dem Gewässer. „Hochgerechnet auf wenige Wochen sprechen wir von mehreren Tonnen Fisch – im Extremfall entspricht das der gesamten jährlichen Fischproduktion eines Gewässers“, rechnet Schorr vor. Die massiven Fischverluste könnten schwerwiegende ökologische Folgen nach sich ziehen. Der Rückgang der Fischbestände störe das natürliche Gleichgewicht im See erheblich. „Fische erfüllen eine wichtige Funktion im Nahrungsnetz. Verschiebt sich dieses Gleichgewicht, kann das weitreichende Folgen für das ökologische Kleinklima im Gewässer haben – bis hin zu verstärkter Algenbildung. Im schlimmsten Fall drohen Einschränkungen für den Bade- und Freizeitbetrieb am Bostalsee“, warnt der CDU-Politiker. Die Opposition betont, dass es nicht um pauschale Abschüsse gehe, sondern um ein durchdachtes Konzept. „Es geht hier nicht um eine pauschale Abschuss- oder Vergrämungsdebatte, sondern um ein strukturiertes Management mit Monitoring, klaren Schwellenwerten und – wo erforderlich – zeitlich befristeten Ausnahmen. Das politisch gewollte Nichtstun der Landesregierung ist nicht nachvollziehbar“, stellt Schorr klar. Gefährdet seien nicht nur die touristischen Angebote am Bostalsee, sondern auch bedrohte Fischarten in den saarländischen Flüssen und Bächen. „Wer weiterhin nicht handelt, nimmt in Kauf, dass die Fischpopulationen weiter drastisch zurückgehen – besonders bei ohnehin sensiblen Arten“, mahnt Theobald. Er sieht die Politik in der Pflicht: „Es ist Aufgabe der Politik, Zielkonflikte zu moderieren und Lösungen zu erarbeiten. Wer sich dauerhaft hinter vermeintlichen rechtlichen Hürden versteckt, verweigert Verantwortung. Wir brauchen endlich Handeln statt Abwarten – zum Schutz unserer Gewässer, unserer Fischarten und unserer touristischen Infrastruktur.“



