Bewegendes Schicksal: Familie Happach/Stark seit zwei Jahren ohne richtiges Zuhause

Klaus Happach und Horst Stark an der Stelle, wo einst ihr Haus Stand
Das Anwesen der Familie Happach/Stark, bevor es den Flammen zum Opfer fiel

Am 24. November 2018 verlor Familie Happach aus Nonnweiler ihr Zuhause. Gemeinsam mit dem Cousin Horst Stark bewohnten sie ein Anwesen in der Straße Auf der Geig. Herr Stark war wegen gesundheitlicher Probleme vorübergehend im Krankenhaus, Familie Happach, bestehend aus Klaus Happach, seiner Frau und seiner damals 7-jährigen Tochter, befand sich an diesem Samstagnachmittag für eine Stunde beim Wocheneinkauf. In dieser Stunde sollte sich alles für die Familie verändern – ihr großes Glück: niemand war zuhause und so gab es keine Verletzten.



Als die Familie vom Einkaufen zurückkam, stellten sie fest, dass die Straße, in der sie wohnten, durch die Feuerwehr gesperrt wurde. Auf die Frage, was denn los sei, bekam Happach die Antwort, dass in der Straße ein Haus brenne und er deshalb noch warten müsse, bis er durchdürfte. Nichtsahnend versuchte er von der anderen Seite der Straße aus zu seinem Haus zu gelangen. Auch diese Seite war gesperrt. Frau und Kind blieben im Auto, da es regnete. Happach wurde nervös. Er lief durch die Absperrung und sah bereits die Flammen. „Ach Gott, dachte ich. Meine armen Nachbarn“, schildert er seine ersten Gedanken, als er das Feuer sah. Zunächst wirkte es auf ihn nämlich so, als stünde das Nachbarhaus in Flammen. Er ging noch ein paar Schritte darauf zu und stellte dann mit Entsetzen fest, dass es das eigene Zuhause war, das den Flammen gerade zum Opfer fiel. „Ich wollte die Feuerwehrleiter hochklettern, wollte mithelfen, das Feuer zu löschen, ich war verzweifelt“, so Happach. Kurze Zeit später fiel ihm ein, dass seine Frau noch im Auto saß und nichts von dem Unglück ahnte. Er ging zurück, um es ihr beizubringen, sie war fassungslos. Das große Glück der Familie: niemand befand sich im Haus und so gab es zumindest keine Verletzten. Auch der kleine Hund der Familie konnte rechtzeitig und unversehrt durch die Feuerwehr geborgen werden. „Wäre mein Cousin zuhause gewesen, hätte er um diese Zeit seinen Mittagsschlaf gehalten. Dann hätte er vom Feuer nichts mitbekommen. Wir sind heilfroh, dass niemand zu Schaden gekommen ist“, erklärt Happach im Interview mit wndn.de.

Als die Feuerwehr nach Stunden des Einsatzes fertig war mit den Löscharbeiten, war das Haus nicht mehr bewohnbar. Die Familie stand vor dem Nichts. An diesem Punkt erfuhren sie jedoch viel Hilfsbereitschaft und Unterstützung durch die Gemeinde und die Nachbarschaft. Die Gemeinde Nonnweiler hat sich noch während der Löscharbeiten um eine Notunterkunft für die Familie gekümmert, wo sie am selben Abend unterkam. Ihnen wurde Kleidung gespendet, da ihre eigene im Haus verbrannte. Der Familie stand eine harte Zeit bevor.

Wie lebt die Familie heute?

Fast zwei Jahre nach dem Schicksalsschlag besuchte wndn.de die Familie auf ihrem Grundstück, wo sie heute wieder wohnt – jedoch befindet sich dort kein Haus mehr. Eine genaue Brandursache konnte bis heute nicht ermittelt werden. Ein mobiles Wohnheim – rund 34 m² Wohnfläche für Vater Klaus Happach, seine Frau und seine Tochter – sowie ein Wohnwagen ohne fließendes Wasser für den Cousin Horst Stark befinden sich an der Stelle, wo damals ihr Wohnhaus stand. Zwei weitere Wohnwagen stehe auf dem Grundstück, in diesen befindet sich unter anderem die Kleidung der Familie. Das, was vom Haus übrigblieb, musste abgerissen werden – Die UBA verhängte ein Nutzungsverbot für das gesamte Gebäude wegen Einsturzgefahr. Einige Trümmer liegen noch auf dem Grundstück. Die Pandemie erschwert das Zusammenleben auf dem engen Raum zunehmend. Die neunjährige Tochter ging lange nicht zur Schule, viele Möglichkeiten, sich aus dem Weg zu gehen, gibt es nicht. Happach und Stark sind beide Rentner. In ihrem Haus betrieben sie ein kleines Gastgewerbe, mit dem sie sich etwas dazuverdient hatten. Diese Einnahmen fallen weg, seit es das Haus nicht mehr gibt. Von ihrer Rente können sie sich keine Wohnung leisten, erzählt Happach. Der nächste Winter steht bevor und sie wissen noch immer nicht, wie und wann es weitergehen soll.

Happach und Stark betrieben ein American Diner in ihrem Anwesen

Nach all der Zeit befinden sie sich noch in dieser prekären Lage, weil mit der Versicherung noch keine Einigung erzielt werden konnte. Seit Happach das Angebot der Versicherung nicht angenommen hat und weiterverhandeln wollte, ist dort niemand mehr für ihn erreichbar. Der betreuende Sachbearbeiter ließ sich, laut Happach, immer wieder entschuldigen. Happach fühlte sich betrogen und schaltete eine Anwältin ein. Sie bestätigt der Familie, dass sie im Recht sei, erreicht bei der Versicherung allerdings auch keinen Ansprechpartner. Die Familie reichte Klage ein. Das war einige Monate vor Corona. Die große Hoffnung war, dass ihr Anliegen bis April bearbeitet werden würde, seit März allerdings scheint sich nicht mehr viel zu bewegen. „Wir wissen, dass wir den nächsten Winter hier so verbringen müssen. Selbst wenn es jetzt weitergehen würde. Wir hoffen aber, dass der Stapel, in dem sich auch unsere Akte befindet, jetzt, wo es wieder mündliche Anhörungen gibt, weiter abgearbeitet wird und wir bald einen Termin vor Gericht bekommen“, erklärt Happach. Bis dahin heißt es weiter abwarten für die Familie.

Einen weiteren Grund, weshalb er mit seinem Schicksal an die Öffentlichkeit geht, hat Happach auch: „Ich weiß, dass wir nicht die Einzigen sind, denen so etwas widerfahren ist oder die sich in solch einer Situation – auch hinsichtlich des Streits mit der Versicherung – befinden. Ich habe mich in den letzten 1 ½ Jahren sehr viel damit auseinandergesetzt, auch viele Hilfsorganisationen kennengelernt. Ich möchte anderen Menschen mit einem ähnlichen Schicksal gerne helfen.“

Wer sich mit Klaus Happach in Verbindung setzen möchte, kann eine Mail an die Redaktion senden (redaktion@wndn.de).

In diesem Video erläutert Happach noch mal genau seine Situation und zeigt, wie er und seine Familie zurzeit leben:

Facebook

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Facebook.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on linkedin
Share on telegram

ANZEIGEN