Wir reden über: Medaillenregen * Para Biathlon Weltmeisterschaft 2025 * die Wahl zur Para Sportlerin des Jahres 2025 * Para Biathlon Gesamtweltcupsieg 2026 * Preisgelder für nicht behinderte Spitzensportler*innen und für Para Spitzensportler*innen

Die 24‑jährige Johanna Recktenwald aus Marpingen, Mitglied des Biathlon Team Saarland, sicherte sich am vergangenen Sonntag, 25.01.2026, gemeinsam mit ihrer Guide Emily Weiß den ersten Gesamtweltcup im Para‑Biathlon in der Klasse der sehbeeinträchtigten Frauen. In neun Saisonrennen erreichte sie durchgehend Podestplätze und erzielte beim Finale in Jakuszyce (Polen) die höchste Gesamtpunktzahl von 725. Beim Schießen blieb sie jeweils fehlerfrei. Johanna: „Es war eigentlich nur noch notwendig, an den Wettbewerben in Polen teilzunehmen.“ So viel Punktevorsprung hatte sie sich mit ihrer Guide Emily Weiß während der acht vorhergehenden Rennen bereits erarbeitet. Hinter Johanna platzierten sich zwei Athletinnen aus Tschechien sowie mehrere deutsche Teamkolleginnen, darunter Leonie Walter. Zur Erinnerung: Johanna verfügt über eine Restsehstärke von lediglich 2 %. Sie ist aufgrund einer Zapfen‑Stäbchen‑Dystrophie sehbeeinträchtigt. Dabei handelt es sich um eine erbliche Netzhauterkrankung.
Die Schlagzeilen reißen nicht ab. Johanna Recktenwald sorgt weiterhin für Furore. Schon vor einem Jahr überraschte ein regelrechter Medaillenregen das Team Johanna und Guide Emily. Nicht nur das Saarland jubelte mit der Marpinger Spitzensportlerin, nachdem sie bei der Para‑Biathlon‑WM in Slowenien und der Para‑FIS‑WM in Italien mehrfach Gold, Silber und Bronze errungen hatte und so einen Weltmeister-Titel mit nach Hause brachte.
Im Telefonat berichtete Johanna Recktenwald diese Woche von ihren Erfahrungen der letzten zwölf Monate. Hinweise auf unsere früheren Berichte über Johanna finden Sie in den am Artikelende aufgeführten Links.
wndn.de: Johanna, seit unserem letzten Interview ist nahezu ein Jahr vergangen. Ich glaube, ich muss dich nicht fragen, wie es dir derzeit geht? 😊
Johanna: Das stimmt! Die Kristallkugel als Trophäe eines Gesamtweltcups zu gewinnen, war immer mein Traum. Von daher geht es mir super! Ich hätte nicht damit gerechnet, so früh schon einen Gesamtweltcup zu gewinnen. In Polen war ich gesundheitlich nicht in Top-Form, aber aufgrund meiner erzielten Punkte in den Rennen davor war mir der Sieg fast schon sicher. Ich musste eigentlich nur noch an den Rennen in Jakuszyce teilnehmen.
wndn.de: Ich erinnere mich, dass du bereits vor fast einem Jahr deine Überraschung beschriebst, mit „mehreren Edelmetallen“ und einem Weltmeistertitel die Para Biathlon-WM in Slowenien und die Para FIS WM in Italien Anfang 2025 abzuschließen. Noch ein halbes Jahr zuvor hattest du dir kaum eine so erfolgreiche Saison erträumt.
Johanna: Ja, genau! Bereits damals war ich überwältigt von den Medaillen, die wir mit nach Deutschland brachten.
wndn.de: Besser kann es wohl kaum laufen. Im November 2025 wurdest du zur Para Sportlerin des Jahres gekürt. Plötzlich war Johanna „in aller Munde“ mit sehr viel Präsenz in den Medien, u. a. der Ehrung im Aktuellen Sportstudio des ZDF. Was für ein Erfolg!
Johanna: Ja, das war echt toll zu spüren, wie viele Menschen sich für mich eingesetzt hatten, damit ich diese Auszeichnung gewinne. Da waren voll die krassen Sportler gelistet. Ganz überraschend für mich erhielt ich diese Auszeichnung durch Publikumsvoting. Ich konnte nicht fassen, dass ich zur Para Sportlerin des Jahres gekürt worden war.
Foto2: Para Sportlerin des Jahres mit Guide Emily 2025 (Foto: DBS – Deutscher Behindertensportverband)
wndn.de: Johanna, es scheint, dass sich derzeit alle Träume erfüllen. Mit Sicherheit gab es Zeiten in deinem Leben, in denen du dich gefragt hattest, warum dir das Augenlicht durch eine Netzhauterkrankung nahezu geraubt wird, während deine Freunde und Freundinnen unbeschwert ihr Leben genießen konnten?! Wie war das für dich?
Johanna: Ja, klar, das war nicht immer so cool, aber im Grunde habe ich mein Leben nie wirklich hinterfragt. Ich bin ein sehr aktiver Mensch und dies half mir immer, meine Ziele zu verfolgen.
wndn.de: Werfen wir einen Blick in deine „Kristallkugel“ 😊. Was ist dein nächstes Ziel? Wird Emily Weiß dich bei deinen nächsten Wettkämpfen wieder als Guide unterstützen? Ihr seid wahrlich ein Dream Team!
Johanna: Ja, mit Emily werde ich an den Paralympics in Italien teilnehmen. Ich spüre, dass ich aufgrund meiner aktuellen körperlichen Kondition noch mehr erreichen kann. Unser Traum ist es, eine paralympische Medaille nach Hause zu bringen. Die Paralympics starten am 6. März in Mailand und Cortina d’Ampezzo.
wndn.de: Nun noch eine etwas indiskrete Frage, Johanna, die du nicht beantworten musst. Welches Preisgeld erhält eine Para Biathletin für einen Weltmeistertitel oder für einen Gesamtweltcupsieg – du musst darauf nicht antworten…
Johanna: Wir erhalten leider keinerlei Preisgelder. Olympische Biathleten werden für einen Weltcupsieg mit 20.000 € prämiert, die Plätze dahinter werden bis Platz 30 honoriert. Für einen WM-Titel erhalten Spitzensportler ohne körperliche Einschränkung 30.000 €.
Auf meine Frage hin, ob denn wenigstens vor Ort ordentlich gefeiert wird, wenn eine Weltmeisterschaft oder ein Gesamtweltcup gewonnen wird, antwortet Johanna: „Nein!“…
Meinung der Redakteurin Karin Schüßler:
Man denke an die Millionenbeträge, mit denen der Profifußball operiert — Honorare und Ablösesummen erreichen teils astronomische Höhen. Fremdschämen ist hier angebracht. Im Vergleich dazu wirken selbst Prämien für Spitzensportlerinnen und Spitzensportler in olympischen Disziplinen gering. Noch gravierender ist, dass im Parasport für herausragende Leistungen keinerlei Siegesprämien gezahlt werden. Sportverbände sollten diese Ungleichheit kritisch prüfen und gerechtere Vergütungsmodelle erwägen. Wahre Inklusion ist meines Erachtens im Para Spitzensport noch nicht angekommen!
Zum Nachlesen – Links zu den Erfolgen und Ehrungen 2025 bei wndn.de:
Para Biathlon-WM in Slowenien und Para FIS WM in Italien: Johanna Recktenwald aus Marpingen holt 4 Medaillen – St. Wendeler Land Nachrichten



