Die „Die Elterninitiative G9-jetzt!“ hat im Januar eine Umfrage veröffentlicht, die für Aufsehen in der saarländischen Bildungspolitik gesorgt hat. Nach der Forsa-Umfrage wünschten sich 75 Prozent aller Saarländer mit Kindern eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Im Jahr 2001 hatte die CDU Landesregierung dar so genannte „Turboabitur“ nach acht Jahren eingeführt. Seit dem gibt es immer wieder Kritik an der schnellen Form der Reifeprüfung.
Nach der Umfrage befeuerten die SPD-Politiker Anke Rehlinger (Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin) und Ulrich Commerçon (Bildungsminister) die Diskussion um eine Rückkehr zu G9. Ihrer Meinung nach sollten Schülerinnen und Schüler „das Abitur im eigenen Takt“ machen können. So sollen die Schulkonferenzen der Gymnasien entscheiden, ob das Abitur nach 8 oder 9 Jahren angeboten werden soll. Das Bildungsministerium würde dann den Antrag prüfen. „Wir nehmen es ernst, dass viele Eltern und Schüler zwischen dem acht- oder neunjährigen Abitur wählen möchten“, so die beiden SPD-Politiker.
Während sich viele Eltern mit dem Vorschlag der SPD anfreunden können, gab es vom Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband Kritik. „Mit dem Vorstoß der SPD auch an Gymnasien G 9 wieder einführen zu wollen, gefährdet die Partei nach Auffassung des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes den Schulfrieden. Commerçon schürt mit seinem Vorstoß die landläufige Meinung, dass nur an Gymnasien ein richtiges Abitur abgelegt werden kann,“ so die Landesvorsitzende Lisa Brausch.
Auch der Koalitionspartner CDU steht dem Vorstoß des Regierungspartners kritisch gegenüber. Die CDU-Landtagsabgeordnete und Bildungspolitikerin Ruth Meyer zum Vorschlag der SPD: „Wir haben im Saarland mit dem Zwei-Säulen-Modell aus Gymnasien und Gemeinschaftsschulen bereits die Wahlfreiheit zwischen einem 8- und 9-jährigen Weg zum Abitur. Auch über die Oberstufengymnasien an den Berufsschulen erlangt man die allgemeine Hochschulreife in der Regel in 9 Jahren. Die vorgeschlagene Wahlfreiheit jedes einzelnen Gymnasiums zwischen G8 und G9 ist ein weiterer Schnellschuss Marke ‚SPD-Bildungspolitik Saar‘ und gefährdet den Schulfrieden. Sie hätte ein großes Durcheinander, fehlende Verlässlichkeit und Vergleichbarkeit der Schullaufbahnen zur Folge. Das wollen wir unserem Schulsystem nicht zumuten. Die CDU wird bei der guten Praxis bleiben, Verbesserungsvorschläge zum derzeitigen System in aller Ruhe und unter Einbeziehung der Fachebene zu diskutieren.“
Im St. Wendeler Land wären das Cusanus Gymnasium und das Gymnasium Wendalinum betroffen. An den Gemeinschaftsschulen Türkismühle und Marpingen sowie am Oberstufengymnasium des Berufsbildungszentrums in St. Wendel wird das Abitur nach 9 Jahren bereits angeboten.




