Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 18 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ihren Schulweg als unsicher empfinden. Besonders in größeren Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern steigt der Anteil auf 24 Prozent. Im Saarland sind 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen. Diese Zahlen rufen das Deutsche Kinderhilfswerk, den ökologischen Verkehrsclub VCD und den Verband Bildung und Erziehung (VBE) auf den Plan. Die Verbände fordern die Politik dazu auf, endlich Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit auf Schulwegen zu erhöhen. Zudem plädieren sie dafür, die selbstständige Mobilität von Kindern zu fördern.
Die Umfrage, die im Rahmen des zweiten „Kinderrechte-Index“ des Deutschen Kinderhilfswerks durchgeführt wurde, ergab, dass 56 Prozent der befragten Kinder ihren Schulweg als sicher empfinden. Ein Viertel der Kinder fühlt sich sogar sehr sicher. Gleichzeitig gaben aber 15 Prozent der Kinder an, sich weniger sicher zu fühlen, und 3 Prozent fühlen sich überhaupt nicht sicher. Die Ergebnisse verdeutlichen laut den Initiatoren der Umfrage den Handlungsbedarf: Die Sicherheit auf den Schulwegen muss verbessert werden, um den Anforderungen der UN-Kinderrechtskonvention gerecht zu werden.
Die Umfrage wurde von dem Sozial- und Politikforschungsinstitut Verian durchgeführt. Insgesamt wurden 3.218 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren deutschlandweit befragt. Die Umfrageergebnisse fließen in den Kinderrechte-Index ein, der im kommenden Jahr veröffentlicht werden soll. Dieser Index wird die Umsetzung der Kinderrechte in verschiedenen Lebensbereichen und Politikfeldern in den deutschen Bundesländern messen und bewerten.
Um die Sicherheit auf Schulwegen zu erhöhen, schlagen die Verbände eine Verbesserung der Infrastruktur, die Reduzierung der Geschwindigkeit auf schulwegrelevanten Straßen und verstärkte Verkehrskontrollen vor. Darüber hinaus soll das Selbstvertrauen der Kinder gestärkt werden, indem sie zur selbstständigen Nutzung des Schulwegs ermutigt werden. Begleitete Laufgruppen und der verstärkte Einsatz von Fahrrädern oder Rollern werden als mögliche Maßnahmen genannt.
Ein weiteres Anliegen der Verbände ist die Reduzierung des sogenannten „Elterntaxis“. Schulen und Eltern sollen sich für die Einführung von temporären Schulstraßen stark machen, bei denen Straßen im Umfeld von Schulen für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Diese Sperrungen könnten zeitlich begrenzt zum Schulbeginn und Schulende eingerichtet werden. Eine Studie aus dem Jahr 2022 zeigte, dass fast ein Drittel der Grundschullehrkräfte regelmäßig gefährliche Situationen vor Schulen beobachtete, die durch Eltern verursacht wurden, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule brachten.
Um das Bewusstsein für die Sicherheit auf Schulwegen zu stärken, laden das Deutsche Kinderhilfswerk, der VCD und der VBE Schulen und Kindertagesstätten in ganz Deutschland zur Teilnahme an den Aktionstagen „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ vom 16. bis 27. September 2024 ein. Anmeldungen und weitere Informationen sind unter www.zu-fuss-zur-schule.de verfügbar. Die Aktionstage stehen unter der Schirmherrschaft der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Christine Streichert-Clivot. Die Fernsehmoderatorin Enie van de Meiklokjes unterstützt die Aktion als Botschafterin.



