Wie wird man Puzzle-Weltmeister?

10 Fragen an… Puzzle-Weltmeister Josef Schaadt

In unserem Interview-Format „Zehn Fragen an…“ begrüßen wir heute Josef „Josi“ Schaadt. Er hat im Januar das weltweit größte Puzzle beendet. Und damit – nach 99 Tagen – den Weltrekord ins Saarland geholt. Heute war der Rentner aus Oberkirchen bei uns zu Besuch.

Wie viele Puzzle haben Sie in ihrem Leben schon gepuzzelt und was war ihr Lieblingsmotiv?

Schaadt: Ich habe schon einige Puzzle gemacht. Schon in meiner Jugend haben wir sonntags mit der Familie gepuzzelt. Also ab 500 Teile ging das los über 1.000 und 2.000. Es ist mal mehr mal weniger geworden, es gab auch eine Zeit in der ich gar nicht gepuzzelt habe.

Am liebsten puzzle ich Landschaften und Sehenswürdigkeiten, also beispielsweise der Eifelturm oder Naturbilder.

Gibt es außergewöhnliche Puzzle, die Sie schon angefertigt haben?

Schaadt: Besondere Puzzle sind runde Puzzle. Dabei ist nicht nur das Puzzle selbst in Form eines Kreises, sondern oft sind auch die Teile selbst rund. Dann kann man sich nicht am Rand orientieren oder an der Form. Das ist schon anspruchsvoll. Das größte Puzzle vor dem Weltrekord war ein 5.000 Teile Puzzle von der verschneiten Landschaft und des Schlosses Neuschwanstein

Kann man „Schnell-Puzzeln“ lernen?

Schaadt: Also lernen kann man alles. Es gibt auch schon Weltrekorde für das schnellste Anfertigung eines 500 Puzzle. Grundsätzlich gibt es da jetzt nicht die richtige Technik. Wichtig ist einfach, dass man dran bleibt und immer übt.

Wie haben ihre Arbeitsabläufe innerhalb der 99 Tage ausgesehen?

Schaadt: Während diesen Tagen hatte ich immer den gleichen oder fast den gleichen Tagesablauf. Ich bin aufgestanden, habe meinen Kaffee getrunken zuhause und bin dann um halb acht in den Puzzle-Raum gefahren, der Gastraum einer alten Kneipe. Frühstück gab es immer von der Bäckerei nebenan und dann habe ich einfach angefangen zu puzzeln. Gerade am Anfang, also im Oktober habe ich in den ersten Tagen nur die Stücke gesichtet und vor sortiert. Da im Oktober auch das Sonnenlicht besser war, konnte ich 10h am Tag puzzeln. Mit der Zeit, gerade im November und Dezember wurde das Licht schlechter und ich habe meine Arbeitszeit zwei Stunden reduziert. Ich habe aber 99 Tage am Stück gepuzzelt, also auch an Wochenenden und Feiertagen. Selbst an Heiligabend und Silvester habe ich die 8h gepuzzelt. Dabei ist es dem Weltrekord-Institut auch egal, ob die 99 Tage am Stück gepuzzelt werden oder nicht, jedoch läuft die Zeit natürlich mit jedem Tag weiter. Der normale Alltag war für mich wie ein Arbeitsalltag und so bin ich dann auch an die Sache heran gegangen.

„Ein Puzzler braucht gutes Licht.“

Wie bereitet man sich auf das Brechen eines Weltrekordes vor? Wie haben Sie sich vorbereitet?

Schaadt: Zunächst habe ich das Weltrekord-Institut informiert, dass ich gerne versuchen würde den Weltrekord zu brechen. Dann ging es los mit der Suche nach einer geeigneten Location und auch Sponsoren. Da der Weltrekord mit einer Zeitraffer-Kamera jede Sekunde überwacht werden muss, damit Betrug ausgeschlossen werden kann, musste ich mich darum auch erst einmal kümmern. Und danach ging es dann an meine eigene Vorbereitung. Ein Jahr lang habe ich zwei bis dreimal die Woche 10h im Gartenhaus gepuzzelt. Sowohl stundenlang im Sitzen als auch im Stehen, damit ich auch die realistischen Bedingungen nachvollziehen konnte. Außerdem war ich lange Strecken bis zu 138 km in vier Tagen wandern, um meine Kondition zu verbessern.

Wie sind Sie zum puzzeln gekommen? War das Ziel direkt der Weltrekord?

Schaadt: Ich habe im Sommer 2022 einmal erwähnt, dass ich gerne das größte Puzzle haben würde, was es im Handel zu kaufen gibt. Als ich dann an Weihnachten genau dieses Puzzle erhalten habe, habe ich mich etwas informiert und geschaut. Dann habe ich den Weltrekord gesehen und gedacht, dass ich auf jeden Fall versuchen will, den zu unterbieten und zu brechen. Wichtig war mir am Anfang zuerst einmal nicht, ob ich es schaffe, ich wollte es einfach probieren. Selbst, wenn ich den Weltrekord nicht gebrochen hätte, hätte ich das Puzzle dennoch zu Ende gemacht. Ich habe auch nie damit gerechnet, dass die Aktion so ein großes Interesse weckt. Am Anfang habe ich bei dem Ende der 99 Tage mit einer Besucherzahl von 150 Leuten gerechnet und am Ende waren in der Halle bis zu 500 Menschen mit vielen Pressevertretern.

„Jeder Rekord ist zu Brechen“

Wie genau haben Sie begonnen? Also ich puzzle immer zuerst den Rand, aber da gibt es doch bestimmt eine besondere Technik, oder?

Schaadt: Die einzelnen Abschnitte des Puzzles sind in Tüten unterteilt, jeweils zu 2.000 Teilen. Zunächst habe ich in den ersten beiden Tagen 11 der 27 Beutel geöffnet und nach Form und Farbe sortiert. Dort, wo ich ein Randstück erkennen konnte, habe ich schon angefangen den Rand zu puzzeln. Zuerst habe ich zeitlich dafür vier Tage eingeplant, aber ich war erstaunlicherweise schon nach zwei Tagen mit den 11 Beuteln fertig und konnte mit dem Puzzeln anfangen. Ich habe mir auch monatliche Ziele gesetzt, die ich aber jedes Mal gebrochen habe. Im Oktober zum Beispiel habe ich vorher mit 14.000 Teilen gerechnet und hatte am Ende schon 22.000 Teile gepuzzelt, also gerade die gesamten 11 Beutel. Auch im November habe ich das Ziel mit 18.000 Teilen übertroffen und dann war schnell klar, dass ich auch den Weltrekord schaffen werde. Dass es so schnell geht, habe ich gar nicht gedacht, aber ich bin eben jeden Tag dran geblieben und habe täglich gepuzzelt.

Haben Sie schon mal daran überlegt ihr eigenes Puzzle zu machen? Und wenn, welches Motiv würden Sie wählen?

Schaadt: Natürlich kennt man die Fotopuzzle die man erstellen kann, aber die maximale Grenze an Teilen liegt dort bei 5.000. Mein Wunsch wäre ein solches Fotopuzzle, aber in der Größenordnung von 10.000 Teilen und als Motiv ein Familienbild mit der gesamten Familie, also mit Enkelkindern und Kindern vor der Talbrücke in Oberkirchen. Leider haben mir die Hersteller gesagt, dass es nicht möglich sei ein solches Puzzle herzustellen.

Es heißt puzzeln hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit, wie beispielsweise die Gedächtnisfähigkeit. Haben Sie da in den letzten Jahren einen Unterschied bemerkt?

Schaadt: Puzzeln ist eine tolle Sache und man kann dabei sehr gut entspannen. Am besten ist es natürlich, gerade auch wenn man einen Weltrekord brechen möchte, dass man ohne Ablenkung puzzelt und nicht das Fernsehen im Hintergrund laufen lässt. Man puzzelt auch am besten alleine. Und ich glaube schon, dass sich dadurch das Gedächtnis verbessert hat.

Wie schnell puzzeln Sie geschätzt ein Standard-Puzzle? Sagen wir mal so 1.000 Teile?

Das kommt natürlich immer sehr stark auf das Motiv an, das man gewählt hat und natürlich auch, wie ehrgeizig man ist. Es gibt, wie gesagt auch das „Schnell-Puzzeln“, aber das ist gar nicht mein Anspruch und ich habe es auch noch nie ausprobiert. An den Teilen des Puzzles, die 2.000 Teile hatten, habe ich zwischen 19 und 30h fertigstellen können. Aber so an einem Tag sollte man schon ein Puzzle mit 1.000 Teilen machen können.

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