Auf der jüngsten Kreistagssitzung vom 25. September 2023 wurden die Ergebnisse der Kriminal- und Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2022 im Landkreis St. Wendel vorgestellt. Die Präsentation, geleitet von Jörg Valeske, dem Leiter der Polizeiinspektion St. Wendel, und Kriminalhauptkommissar Lothar Meisberger, legte besonderes Augenmerk auf die alarmierende Zunahme von Enkeltrick-Betrügereien sowie die Entwicklung von Verkehrsunfällen unter Alkohol- und Drogeneinfluss.
Enkeltrick und Co. – nicht mit uns!
Eine besorgniserregende Steigerung verzeichnete die Kriminalstatistik in Bezug auf Enkeltrick-Betrügereien. Im Jahr 2022 wurden 3.597 Fälle registriert, im Vergleich zu 553 im Vorjahr. Der finanzielle Schaden beläuft sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Valeske erläuterte verschiedene Betrugsmaschen, darunter Schockanrufe und das Vortäuschen neuer Handy-Nummern, vor denen insbesondere Seniorinnen und Senioren im Rahmen der landesweiten Präventions-Kampagne „Enkeltrick und Co. – nicht mit uns!“ gewarnt werden sollen. Bei solch erschreckend hohen Zahlen gelte es die Bevölkerung für solche Machenschaften zu sensibilisieren.
Verkehrsunfallstatistik 2022 – Landkreis St. Wendel
Landesweit ereigneten sich 31.331 Verkehrsunfälle mit 29 Todesopfern.
Im Landkreis St. Wendel stieg die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge um 0,6 Prozent auf 895 Fahrzeuge pro 1000 Einwohner, was ihn weiterhin zum Spitzenreiter im Saarland macht. Die Verkehrsunfälle stiegen im Jahr 2022 um 1,4 Prozent auf insgesamt 2951, wobei 182 PKW-Unfälle, 49 Radfahrer-Unfälle mit Personenschäden festgehalten wurden. Darunter 269 Leichtverletzte, 94 Schwerverletzte, und bedauerlicherweise verloren drei Personen ihr Leben.
Die Statistik zeigte einen Rückgang bei den Wildunfällen, von 1014 im Vorjahr auf 927. Diese positive Entwicklung bringt Valeske mit vermehrten Warnsystemen, wie einer ausgeprägteren Beschilderung, in Verbindung.
Im Jahr 2022 war ein Anstieg von Fahrerfluchtfällen auf 564 festzustellen, obwohl dieser Anstieg im Verhältnis zu Vor-Corona-Zeiten moderat blieb (2019 waren es noch 633).
Besonders besorgniserregend hingegen war die hohe Anzahl von Verkehrsunfällen unter Alkohol- und Drogeneinfluss mit insgesamt 76 Fällen (61 Alkohol, 9 Drogen, 6 Alkohol und Drogen). Dies entspricht einem Anstieg von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und liegt deutlich über dem Landesschnitt. Dieser drastische Anstieg wurde auf verändertes Ausgehverhalten nach der Corona-Pandemie und vermehrte Schlägereien im Zusammenhang damit zurückgeführt.
Kriminalstatistik – Landkreis St. Wendel
Die Kriminalstatistik für den Landkreis St. Wendel verzeichnete im Jahr 2022 insgesamt 3.416 Fälle, was in etwa dem 10-Jahres-Durchschnitt entspricht. Der Landkreis zeigte sich mit diesen Zahlen als der sicherste im Saarland. Allerdings gab es in der Kernstadt einen signifikanten Anstieg der Kriminalität, der auf gestiegenes Freizeitverhalten, insbesondere Schlägereien, zurückzuführen war. Dieses Verhalten glich dem vor der Corona-Pandemie.
Die Aufklärungsquote der Kriminalfälle lag bei 54,9 Prozent, was Raum für Verbesserungen bietet.
Die Hauptgruppe der Straftaten betraf Diebstähle (45 Prozent), während 3 Prozent der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gerichtet waren, was einer ähnlichen Verteilung wie in den Vorjahren entspricht.
Lothar Meisberger, Kriminalhauptkommissar, wies auf einige spezielle Trends hin. Die Anzahl der Wohnungseinbrüche stieg um 11 Fälle auf insgesamt 56, wobei die Zahlen vor der Corona-Pandemie höher lagen. Vermögens- und Fälschungsdelikte verzeichneten einen Rückgang um 27 Prozent, der auf Änderungen in der statistischen Erfassung zurückgeführt wurde. Internetkriminalität, bei der der Tatort unbekannt ist, fällt nicht mehr in diese Statistik.
Straftaten gegen die persönliche Freiheit verzeichneten einen Anstieg, der auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen war. Neue Gesetze, insbesondere im Bereich der Bedrohung, führten zu einem Anstieg der entsprechenden Straftaten. Hier fließen jetzt nämlich nicht mehr nur die Bedrohung des Lebens, sondern auch die Androhung, beispielsweise von Schlägen, mit in die Statistik ein. Häusliche Gewalt verzeichnete 144 Straftaten, was einen Anstieg um 9 Fälle bedeutet, wobei hier ein erhebliches Dunkelfeld vermutet wird. Im Bereich Rauschgift gab es 143 Fälle, ein Anstieg um 59 Fälle. Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, die auch im Zusammenhang mit den gestiegenen Verkehrsunfällen stehen, wurden vermehrt aufgedeckt.
Die Kreistagsmitglieder würdigten die Bemühungen der Polizei in St. Wendel und betonten den hohen Stellenwert der Sicherheit in unserem Landkreis. Heinz-Detlev Puff (SPD) äußerte seine Dankbarkeit und lobte die Präsentation der Polizei. Er betonte die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Prävention des Enkeltricks, besonders vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Dennis Meisberger (CDU) schloss sich den lobenden Worten an und schrieb die Tatsache, dass St. Wendel der sicherste Landkreis im Saarland ist, dem Verdienst der engagierten Kolleginnen und Kollegen der Polizei zu. Die gemeinsame Anerkennung der Arbeit der örtlichen Polizei verdeutlichte so das Bestreben der politischen Vertreter, St. Wendel als sicheren Ort für seine Bürgerinnen und Bürger zu erhalten.



