Sechs Monate vor der Landtagswahl erlebt das Saarland eine deutliche Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse. Während die SPD mit Ministerpräsidentin Anke Rehlinger deutlich zulegt, muss die CDU schwere Verluste hinnehmen. Die AfD liegt erstmals vor der CDU.
Der neue Saarlandtrend des Saarländischen Rundfunks (SR), erhoben vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap, sorgt für Bewegung in der saarländischen Parteienlandschaft. Die SPD kommt auf 33 Prozent und gewinnt gegenüber Dezember 2025 sechs Prozentpunkte hinzu. Damit bleibt sie mit deutlichem Abstand stärkste politische Kraft im Saarland.
Ganz anders fällt das Ergebnis für die CDU aus. Sie verliert fünf Prozentpunkte und erreicht nur noch 20 Prozent. Damit verzeichnet sie ihren bislang schlechtesten Wert in der Geschichte des Saarlandtrends. Besonders bemerkenswert ist, dass die Christdemokraten erstmals hinter der AfD liegen.
Die AfD kommt trotz eines Rückgangs um zwei Prozentpunkte auf 21 Prozent und belegt damit den zweiten Platz. Bei der Landtagswahl 2022 hatte sie noch 5,7 Prozent erreicht.
Rehlinger profitiert von hoher persönlicher Zustimmung
Ein wesentlicher Bestandteil des SPD-Ergebnisses ist die hohe Zustimmung zu Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. 62 Prozent der Befragten sind mit ihrer politischen Arbeit zufrieden. Bei einer hypothetischen Direktwahl würden sich 54 Prozent für Rehlinger entscheiden.
CDU-Landesvorsitzender Stephan Toscani erreicht dagegen lediglich 29 Prozent Zufriedenheit. Der AfD-Landesvorsitzende Carsten Becker kommt auf zehn Prozent. Zwei Drittel der Befragten kennen ihn nicht ausreichend oder können seine Arbeit nicht beurteilen.
CDU unter erheblichem Druck
Für die CDU ist das Umfrageergebnis ein deutliches Warnsignal. Der Verlust von fünf Prozentpunkten gegenüber der letzten Erhebung zeigt, dass die Partei derzeit Schwierigkeiten hat, ausreichend Vertrauen in der saarländischen Bevölkerung zu gewinnen.
Besonders auffällig ist der Rückstand bei der politischen Problemlösungskompetenz. Lediglich 14 Prozent der Befragten trauen der CDU zu, die wichtigsten Probleme des Saarlandes zu lösen.
Die SPD erreicht in dieser Frage 31 Prozent.
AfD festigt ihre Position im Parteiensystem
Die AfD erreicht 21 Prozent und liegt damit erstmals vor der CDU. Ihre stärkeren Kompetenzwerte erzielt sie insbesondere bei den Themen Zuwanderung und innere Sicherheit.
Allerdings verliert auch die AfD gegenüber der letzten Umfrage zwei Prozentpunkte. Das Ergebnis zeigt somit nicht nur die Veränderungen innerhalb der CDU, sondern auch die weiterhin dynamische politische Stimmung im Saarland.
Wirtschaft und Arbeitsplätze bleiben zentrale Sorgen
Neben den Parteiergebnissen liefert der Saarlandtrend auch Hinweise auf die wichtigsten Anliegen der Bevölkerung. Wirtschaft und Arbeitsmarkt stehen weiterhin ganz oben auf der politischen Themenliste. Auch Bildung gewinnt an Bedeutung.
Die wirtschaftliche Lage wird von 81 Prozent der Befragten weiterhin als weniger gut oder schlecht eingeschätzt. Gleichzeitig trauen 29 Prozent der SPD zu, die wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Bei der CDU sind es 20 Prozent.
Welche Folgen hat das für die Landtagswahl 2027?
Am 18. April 2027 wird im Saarland ein neuer Landtag gewählt. Die aktuelle Umfrage ist eine Momentaufnahme und keine Wahlprognose.
Rechnerisch würde es nach den Umfragewerten für eine Mehrheit von SPD und CDU sowie für ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linken reichen. Eine alleinige SPD-Regierung wäre nach diesem Ergebnis nicht möglich.
Für die CDU stellt sich insbesondere die Frage, wie sie bis zur Landtagswahl verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann. Die AfD wiederum steht vor der Herausforderung, ihre Umfragewerte in tatsächliche Wählerstimmen umzusetzen.
Fazit: Der Saarlandtrend zeigt eine deutliche Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse. Die SPD kann ihre Führungsposition ausbauen, die CDU erlebt einen historischen Tiefstand und die AfD liegt erstmals vor den Christdemokraten. Damit beginnt für die Parteien ein politisch spannender Weg zur Landtagswahl im April 2027.




