Tiernotruf Saarland startet umfassende Website für Wildtier-Notfälle und Artbestimmung

Wer im Saarland einem verletzten, hilflosen oder möglicherweise verwaisten Wildtier begegnet, findet ab sofort unter wildtiernotruf.saarland gebündelte Informationen und praktische Hilfestellungen. Die Website wurde von VOXANIDES.DE in Zusammenarbeit mit dem Tiernotruf Saarland e. V. entwickelt und trägt den Namen „Wildtierkompass Saarland“.

Bereits auf der Startseite können Nutzerinnen und Nutzer auswählen, was gerade passiert ist – etwa ob ein verletztes Tier unbekannter Art gefunden wurde, ein Wildtierunfall passiert ist, ein hilfloses Jungtier entdeckt wurde oder ob man schlicht unsicher ist und eine erste Orientierung braucht. Bei akuter Gefahr weist die Seite darauf hin, zuerst die eigene Sicherheit und die Sicherheit anderer Menschen zu beachten.

Kernstück des Angebots ist ein interaktiver Kompass, der Schritt für Schritt durch Fragen zur jeweiligen Situation führt. Dabei geht es unter anderem darum, ob Menschen oder der Verkehr gefährdet sind, ob das Tier groß oder wehrhaft wirkt und wie es sich verhält. Daraus ergeben sich konkrete Hinweise zum weiteren Vorgehen und bei Bedarf der direkte Weg zum Tiernotruf. Lässt sich eine Tierart nicht sicher bestimmen, zeigt der Kompass mögliche Arten an, ohne eine eindeutige Bestimmung vorzutäuschen.

Ein umfangreicher Tierarten-Katalog listet derzeit 280 Arten in elf Gruppen auf – darunter 67 Säugetiere, 88 Singvögel und Rabenvögel, 24 Greifvögel und Eulen, 30 Wasservögel, 15 Amphibien, sieben Reptilien sowie weitere Gruppen wie Spechte, Hühnervögel, Tauben, Störche und Watvögel. Der Katalog lässt sich durchsuchen, alphabetisch durchblättern und nach Tiergruppen filtern. Die Einträge enthalten unter anderem den deutschen und wissenschaftlichen Namen, Erkennungsmerkmale, Angaben zum Vorkommen sowie einen Hinweis zum rechtlichen Status. Bei Rechtsangaben wird kenntlich gemacht, ob sie geprüft oder noch nicht abschließend geprüft wurden. Der Katalog erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll fortlaufend erweitert werden.

Ergänzend bietet ein Lexikon ausführliche Steckbriefe mit Bildern, Bestimmungsmerkmalen, Körpermaßen, Informationen zu Lebensraum, Nahrung und Fortpflanzung sowie Hinweisen zu typischen Krankheiten und Gefahren. Jeder Steckbrief enthält zudem einen interaktiven Notfall-Check, Erste-Hilfe-Hinweise, Tipps zum Eigenschutz und Angaben dazu, welche Informationen bei einem Anruf hilfreich sind. Bildnachweise sind angegeben; bei einzelnen Abbildungen wird kenntlich gemacht, wenn es sich um eine KI-Illustration handelt.

Wer nicht weiß, welches Tier beobachtet wurde, kann eine Bestimmungshilfe nutzen. Dabei lassen sich Merkmale wie Tiergruppe, ungefähre Größe, auffällige Farben, Beobachtungsort und Monat der Sichtung auswählen. Die passenden Arten werden anschließend sortiert angezeigt.

Für Wildtierunfälle stellt die Website eine eigene abhakbare Checkliste mit sieben Schritten bereit. Sie erinnert unter anderem daran, anzuhalten, sich selbst zu schützen, die Unfallstelle abzusichern, bei Gefahr den Notruf zu wählen, das Tier nicht zu verfolgen oder anzufassen und den Fundort möglichst genau zu notieren. Bei Meldepflichten und Versicherungsfragen macht die Website bewusst keine pauschalen Angaben und verweist auf die zuständigen Stellen vor Ort.

Eine Übersicht von Pflegestellen zeigt Anlaufstellen auf einer Karte und in einzelnen Einträgen mit Angaben zu Tätigkeitsschwerpunkt, Region, Erreichbarkeit und Besonderheiten. Die Website weist darauf hin, dass nicht jede Station jedes Tier aufnehmen kann und vor einer Anfahrt immer zuerst angerufen werden sollte. Neue Pflegestellen können über ein Formular vorgeschlagen und werden vor Veröffentlichung geprüft. Ebenso gibt es eine Übersicht wildtierkundiger Tierärztinnen und Tierärzte, die nach Behandlungsschwerpunkt, Standort und Notfall-Erreichbarkeit gefiltert werden kann. Auch hier können Praxen und Kliniken über ein Formular einen Eintrag vorschlagen.

Im Bereich „FAQ & Recht“ erhalten Nutzer eine allgemeine Orientierung zu Fragen wie dem Eigentum an wild lebenden Tieren, dem Unterschied zwischen „Wildtier“ und jagdbarem „Wild“, den Regeln bei geschützten Arten oder der vorübergehenden Aufnahme verletzter Tiere. Die Darstellung nennt einschlägige Rechtsquellen wie BGB, Bundesjagdgesetz, Bundesnaturschutzgesetz, Tierschutzgesetz und saarländisches Jagd- und Fischereirecht, ersetzt aber weder eine Rechtsberatung noch die Einschätzung der zuständigen Behörde.

Zusätzlich entsteht unter totfund.saarland eine ergänzende Meldestelle für tot aufgefundene Wildtiere. Die Meldungen sollen in ein Monitoring für das Saarland einfließen. Werden Fundorte systematisch erfasst, können sich Häufungen zeigen und Hinweise auf mögliche Unfallschwerpunkte ergeben, die dabei helfen, problematische Stellen besser zu erkennen und über Präventionsmaßnahmen nachzudenken.

Der Tiernotruf Saarland e. V. ist über die Website unter der Telefonnummer 06898 3704242 erreichbar. Bei unmittelbarer Gefahr für Menschen oder bei verletzten Personen gelten die Notrufnummern 112 beziehungsweise 110. Die Informationen des Wildtierkompasses dienen der Orientierung und ersetzen keine Untersuchung oder fachliche Beurteilung durch eine Tierarztpraxis, eine Pflegestelle oder eine zuständige Behörde. Fehler oder fehlende Informationen können an support@wildtiernotruf.saarland gemeldet werden.

Die Website ist unter https://wildtiernotruf.saarland erreichbar.

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