Spender und Empfänger trafen sich bei Jubiläumsfeier in Idar-Oberstein erstmals persönlich

Susanne und Emil Morsch (Foto: Stefan Morsch Stiftung)

Fast 400 Gäste haben am 19. September in der Messe Idar-Oberstein das 40-jährige Bestehen der Stefan-Morsch-Stiftung gefeiert – Deutschlands erster Stammzellspenderdatei. Die Stiftung mit Sitz in Birkenfeld geht auf das Schicksal von Stefan Morsch zurück, der als Jugendlicher an Leukämie erkrankte und 1984 im Alter von 16 Jahren starb. Zwei Jahre später gründeten seine Eltern die Stiftung. Unter den Gästen waren Spenderinnen und Spender, Empfängerinnen und Empfänger, Wegbegleiter sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.

Einer der emotionalen Höhepunkte des Abends war die Gesprächsrunde mit Till und Timo. Timo hatte im Februar 2023 über die Stiftung Stammzellen gespendet, die Till im März desselben Jahres transplantiert wurden. Nach zunächst anonymen Briefwechseln – entsprechend der in Deutschland geltenden Regelungen – lernten sich die beiden zwei Jahre später persönlich kennen und wurden Freunde. Bereits am Vorabend der Jubiläumsfeier war es in Birkenfeld zu weiteren besonderen Begegnungen gekommen: Mehrere Spenderinnen und Spender trafen dort erstmals auf die Menschen, für die sie gespendet hatten. Die Empfängerinnen und Empfänger waren unter anderem aus Großbritannien, Südafrika und Australien angereist. „Diese Kennenlernen sind etwas ganz besonderes und es ist ein großes Geschenk, dass wir die Menschen dabei begleiten dürfen“, sagt Susanne Morsch, Vorstandsvorsitzende der Stefan-Morsch-Stiftung.

Neben den persönlichen Geschichten stand auch die medizinische Entwicklung der Stammzellspende im Mittelpunkt. In einem Fachgespräch diskutierten Prof. em. Dr. Joachim Deeg, Dr. Carla Kreissig, Dr. Harald Biersack und Dr. André Holzer-Rosenhauer über Fortschritte und Zukunftsperspektiven. Prof. em. Dr. Deeg, der bereits 1984 an der Transplantation von Stefan Morsch in Seattle beteiligt war, ordnete die Entwicklung ein: „Es sind nicht unbedingt Quantensprünge, die man beobachten kann, sondern viele kleine Schritte. Viele kleine Schritte haben zum Fortschritt beigetragen.“ Trotz aller medizinischen Fortschritte bleibe die Stammzellspende auf freiwillige Helfer angewiesen, betonte Susanne Morsch: „Bei allen Fortschritten und Entwicklungen ist nicht davon auszugehen, dass wir in 20 Jahren keine Spenderdateien mehr brauchen. Wir brauchen Spenderinnen und Spender, wir brauchen Freiwillige, wir brauchen Menschen, die helfen wollen.“ Dr. Carla Kreissig, die die Stiftung seit Kurzem als medizinische Beraterin unterstützt, ergänzte: „Ich wünsche mir, dass die Stiftung so innovativ, so interessiert an wissenschaftlichem Fortschritt und dabei so menschlich bleibt, wie sie ist.“

Was 1986 im Wohnzimmer der Familie Morsch begann, ist heute eine bundesweit und international vernetzte Organisation mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Birkenfeld. Die Stiftung registriert potenzielle Stammzellspender, führt HLA-Typisierungen im eigenen Labor durch und unterstützt die Suche nach passenden Spendern für Patientinnen und Patienten. Susanne Morsch würdigte bei der Feier auch die Lebensleistung ihres Vaters Emil, der sich seit über 40 Jahren der Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke verschrieben hat. Die Gäste dankten ihm mit stehenden Ovationen. „Wir sind dem Wohnzimmer meiner Eltern, in dem die Arbeit der Stiftung vor 40 Jahren begonnen hat längst entwachsen. Aber wir werden nie vergessen, wo wir herkommen und was unsere Aufgabe ist: Menschen mit Leukämie zu helfen. Das tun wir heute und werden das auch in den kommenden 40 Jahren tun“, sagt Susanne Morsch.

Susanne Morsch wird zudem am 30. September 2026 bei der Aufzeichnung der SWR-Sendung „Nachtcafé“ zu Gast gewesen sein. Die Ausstrahlung ist für den 2. Oktober 2026 um 22.00 Uhr vorgesehen. Im Gespräch soll es um die Geschichte der Familie, den Tod ihres Bruders Stefan und die Entwicklung der Stiftung gehen.

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