Die Universität des Saarlandes hat Viktoria Knoll zur Professorin für Philosophie und Diskurskultur ernannt. Die Philosophin wird die neu geschaffene Stelle am Philosophischen Institut in Saarbrücken zum 1. Oktober 2026 antreten. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen feministische Debatten über Geschlecht – und die Frage, wie und mit welchen Argumenten darüber gestritten wird.
„Die Philosophie ist eine Disziplin der Argumente“, sagt Knoll. Keine andere Fachrichtung beschäftige sich so grundlegend mit Argumentationsmustern und decke versteckte Vorannahmen auf, die Debatten prägen. Besonders politisch aufgeladene Auseinandersetzungen interessieren die Wissenschaftlerin: Was ist Gender? Wie sprechen wir über Geschlecht? Wessen Expertise zählt? Und welche Rolle spielen dabei normative Fragen? „In vielen dieser Diskurse geht es meines Erachtens vor allem um Fragen der Zugehörigkeit und Wertschätzung – weniger darum, wer eine Frau ist, als vielmehr darum, wen wir eigentlich als Frau akzeptieren sollten. Oder wen wir einen Mann nennen sollten und warum eigentlich.“ Solche verborgenen normativen Unterströmungen in Debatten sichtbar zu machen, ist ein zentrales Ziel ihrer künftigen Arbeit.
Knolls Forschung ist international ausgerichtet und soll den Schwerpunkt Nachhaltigkeit an der Universität des Saarlandes um einen wichtigen Aspekt ergänzen. Neben klassischen Philosophie-Veranstaltungen will sie vor allem gesellschaftlich relevante Themen wie Diskurs, Geschlecht und Diskriminierung in die Lehre einbringen. Zudem plant sie, den Dialog mit der Öffentlichkeit zu stärken. Bereits seit April 2026 leitet sie an der Universität eine Forschungsgruppe zum Thema „Gender: Sprache und Metaphysik“ (GLAM), die über das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.
Knoll wurde 2020 an der Universität Hamburg mit einer Arbeit zu personaler Identität promoviert und war anschließend an den Universitäten Bonn und Dresden tätig. Internationale Gastaufenthalte führten sie nach Oslo und St. Andrews. Vor ihrem Wechsel ins Saarland war sie als Gastprofessorin an der Humboldt-Universität zu Berlin beschäftigt.




