Stefan Klemm bündelt als neuer Leitender Kantor in St. Wendel die Kräfte der Kirchenmusiker

Foto: Ute Kirch/Bistum Trier

Seit Jahresbeginn gibt es im Pastoralen Raum St. Wendel eine neue Funktion: Stefan Klemm, seit 1999 Organist und Kantor der Pfarrei St. Wendelin, ist der erste Leitende Kantor. Der 63-jährige gebürtige Bad Kreuznacher soll die Kirchenmusik pfarreiübergreifend vernetzen und weiterentwickeln. „Musik kann die Menschen im Innersten berühren“, sagt Klemm, der auf fast vier Jahrzehnte als hauptamtlicher Kirchenmusiker zurückblickt. „Kirchenmusik bietet die Chance, Menschen zu erreichen, die keine regelmäßigen Kirchgänger sind oder sich gar von der Kirche abgewendet haben.“

In seiner neuen Rolle will Klemm vor allem die Zusammenarbeit zwischen Kirchenmusikern und pastoralen Mitarbeitern stärken. „Eine meiner neuen Hauptaufgaben in der neu geschaffenen Funktion des Leitenden Kantors ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Kirchenmusikern und den pastoralen Mitarbeitern in der Seelsorge zu fördern. Wir wollen hier unsere Kräfte bündeln, und das ist auch gut so“, erklärt er. „Ich bin dankbar über die heute schon außerordentlich gute Zusammenarbeit mit den Organisten und Chorleitern des Pastoralen Raums.“ Die Anforderungen an Kirchenmusiker hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Während früher oft ein Kantor für eine Kirche und einen Chor zuständig gewesen sei, umfasse die Arbeit heute meist mehrere Kirchen, Orgeln und Chöre.

Erste gemeinsame Projekte zeigen bereits Wirkung. An Ostern gestalteten alle Chöre des Pastoralen Raums gemeinsam einen Evensong in der Kirche St. Stephanus in Oberthal. „Alle Chöre des Pastoralen Raums haben den Evensong gestaltet. Es war für alle ein tolles Erlebnis“, resümiert Klemm. Auch der Orgelsommer mit Konzerten in verschiedenen Kirchen der Pfarreien werde sehr gut angenommen. „Hier wird der oft noch abstrakte Pastorale Raum durch die Musik konkret.“ Gleichzeitig lernten die Menschen die Kirchen der Nachbargemeinden kennen. Immer wieder höre er Rückmeldungen wie: „Ich wusste nicht, dass ihr so eine schöne Kirche habt. Ich war noch nie hier.“

Am 20. September findet auf Initiative des Gemeindereferenten Peter Holz eine mystagogische Kirchenführung nach dem Konzept von Werner Kleine in der Kirche in Oberthal statt. Eine solche Führung betrachtet das Kirchengebäude nicht nur als historisches oder architektonisches Kunstwerk, sondern als Ort der Gottesbegegnung. Im Mittelpunkt stehen das Erleben und Erfahren der Liturgie und ihrer Zeichen wie Weihwasser, Weihrauch und Licht sowie die Musik als Teil des Ritus.

Bereits in Planung befindet sich ein digitaler Orgelkalender für die Adventszeit. „Organistinnen und Organisten aus dem Pastoralen Raum spielen in ihren Kirchen jeden Tag ein Orgelstück meist mit Bezug zum Advent“, erklärt Klemm. Die kurzen Videos sollen auf den Webseiten der Pfarreien und des Pastoralen Raums sowie in den sozialen Medien veröffentlicht werden.

Lange Zeit habe Kirchenmusik als verstaubt gegolten, sagt Klemm. Neue Formate wie Mitsingkonzerte hätten sich jedoch etabliert und erreichten Menschen weit über die regelmäßigen Gottesdienstbesucher hinaus. Zugleich gewinne die Projektarbeit an Bedeutung. „Dafür lassen sich eher Leute finden als für regelmäßige Proben“, beobachtet er. Neben dem Chor der Pfarrei leitet Klemm mit dem Vokalensemble und dem Kammerchor zwei weitere Ensembles sowie zusätzliche Projektchöre. „Wir sind viel unterwegs, auch im Ausland, um die Musik nach außen zu tragen.“ Dabei sei eines entscheidend: „Bei allem, was wir anbieten, muss die Qualität stimmen.“ Für die Zukunft kann sich Klemm vorstellen, die Kirchenmusik stärker mit der Erstkommunionvorbereitung zu verknüpfen. „Hier ließe sich etwa mit den Kindern ein Kindermusical einstudieren. Auf diese Weise können auch die Eltern eingebunden werden.“ Für ihn steht fest: „Kirchenmusik schafft Gemeinschaft.“

Die Einrichtung von Kantoraten geht auf den Entwicklungsprozess „Kirchenmusik“ im Bistum Trier zurück, wie Thomas Sorger, Referent für Kirchenmusik im Bistum, erläutert. „Kirchenmusik ist trotz einer abnehmenden Zahl an Gottesdienstteilnehmenden für die Menschen ein bedeutender Teil des Gottesdienstes, ihres kulturellen Lebens und ihres ehrenamtlichen Engagements“, sagt Sorger. „Daher ist es uns wichtig, die Struktur dahinter zu stärken, indem wir sie aktualisieren und auf die Zukunft ausrichten, damit auch weiterhin viele Menschen Freude an Kirchenmusik haben können, die darüber hinaus auch wesentliche Beiträge zur Teilhabe, zum Beispiel in sozialen Einrichtungen leisten kann.“ Sukzessive sollen in allen 34 Pastoralen Räumen des Bistums Kantorate eingerichtet werden. Der Schwerpunkt liege auf einer verstärkten Kooperation über Pfarreigrenzen hinweg und einer engen Zusammenarbeit mit den Seelsorgern. „Pastorale Angebote und Kirchenmusik sollen sich ergänzen, Hand in Hand gehen und somit eine Bereicherung für die Menschen vor Ort sein“, erklärt Sorger. „Bereits erprobte Beispiele gibt es ja. So könnte ich mir vorstellen, dass sich ein Projektchor aus bereits bestehenden Chören über die Grenzen der Kirchengemeinden hinweg bildet.“ Für die Verzahnung von Seelsorge und Kirchenmusik nennt er ein weiteres Beispiel: „Ich könnte mir eine gemeinsame Konzeption eines Projektes zum Thema Trauer vorstellen, bei der dann als Abschluss zum Beispiel das berühmte und ergreifende Mozart-Requiem noch einmal ganz anders eingebettet ist.“ Der Evensong sei ebenso ein gutes Modell. „Hier schließen sich Gemeinden über Kirchenmusik zusammen, noch dazu in ökumenischer Gemeinsamkeit“, so Sorger.

Weitere Informationen zum Kantorat im Pastoralen Raum Sankt Wendel gibt es bei Stefan Klemm per E-Mail an stefan.klemm@bistum-trier.de oder im Büro des Pastoralen Raums unter Tel.: 06851-830647.

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