Die milliardenschweren Investitionen in die klimafreundliche Stahlproduktion im Saarland stehen möglicherweise vor einer ungewissen Zukunft. Anlass zur Sorge geben Aussagen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, die eine Lockerung der Regeln bei der industriellen Transformation in Aussicht gestellt hat. Diese Entwicklung könnte schwerwiegende Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des saarländischen grünen Stahls haben, da dessen Herstellung kostenintensiver ist als die konventionelle Produktion.
Der Landrat des Landkreises Sankt Wendel, Udo Recktenwald, hat sich deutlich mit den Stahlarbeitern solidarisiert. „Es kann nicht sein, dass wir im Saarland beim grünen Stahl eine Vorreiterrolle einnehmen, der Bund uns dabei tatkräftig unterstützt – um dann von heute auf morgen alles über den Haufen zu werfen, uns für unsere Pionierarbeit zu bestrafen und vor allem, tausende Arbeitsplätze zu gefährden!“, erklärte Recktenwald. Nach seiner Einschätzung arbeiten allein aus dem Landkreis Sankt Wendel mehrere hundert Menschen in der saarländischen Stahlindustrie. Zusätzlich seien zahlreiche weitere Arbeitsplätze in angrenzenden Bereichen wie dem Handwerk, bei Zulieferern und im Einzelhandel von der Stahlbranche abhängig.
Die möglichen Konsequenzen einer veränderten Bundespolitik bewertet der Landrat als verheerend für die Region. „Sollte sich bewahrheiten, was Teile der Bundesregierung offenbar diskutieren, so würde dies unserer angeschlagenen saarländischen Industrie und dem Standort Saarland erheblich schaden. Die Folgen wären desaströs, ganze Wertschöpfungsketten gerieten extrem unter Druck, unseren Kommunen würden Steuereinnahmen entgehen, die Kaufkraft schwinden“, warnte Recktenwald. Er forderte eine Politik, die auf Vertrauen und Verlässlichkeit basiere und mahnte: „Lobbyismus darf aber vernünftige Politik nicht ersetzen.“ Der Landrat appellierte an die politischen Entscheidungsträger, ihre Zusagen einzuhalten und das grüne Stahl-Projekt als zukunftsweisendes Leuchtturmprojekt nicht zu gefährden. „Das Saarland braucht Perspektive statt permanentem Strukturwandel“, betonte er abschließend. Als Reaktion auf die aktuellen Entwicklungen ist für Freitag eine Demonstration in Völklingen geplant, bei der sich die Beschäftigten gegen die befürchteten politischen Kursänderungen und zu hohe Energiepreise aussprechen werden.





