Gedenkort am Panoramaweg wird seit Januar zehnmal geschändet – Landrat spricht von Angriffen auf Grundwerte

Fotograf: Adolf-Bender-Zentrum

Die Gedenkstätte für jüdisches Leben am Panoramaweg in St. Wendel ist in den zurückliegenden Wochen wiederholt zum Ziel von Schmierattacken geworden. Unbekannte haben die aus einer Stele und zwei Sitzbänken bestehende Anlage mehrmals mit Fäkalien verunreinigt. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Bei dem geschändeten Ort handelt es sich um einen von sieben Gedenkplätzen im Landkreis St. Wendel, die an das durch die Nationalsozialisten vernichtete jüdische Leben in der Region erinnern. Die Anlage wurde vom Landkreis gemeinsam mit dem Adolf-Bender-Zentrum errichtet. Nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Saarland, die seit 2021 judenfeindliche Vorfälle im Bundesland dokumentiert, wurden allein seit Januar dieses Jahres zehn Fälle registriert, bei denen die Stele mit Exkrementen besudelt wurde.

Landrat Udo Recktenwald verurteilte die Taten scharf: „Schmierereien, Vandalismus, Beschmutzungen von Orten, die dem Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Barbarei gewidmet sind, sind keine dummen Streiche, sondern gezielte Angriffe auf unsere Grundwerte, auf unsere historische Erinnerung und Verantwortung. Auf die Fundamente unserer Gesellschaft, die wir entschieden verteidigen.“ Er betonte, dass sich der Landkreis trotz der Angriffe weiterhin für eine verantwortungsvolle Erinnerungskultur einsetzen werde: „Von hirnlosem Vandalismus lassen wir uns davon auch nicht abhalten – ganz im Gegenteil!“

Petra Melchert, Projektleiterin bei RIAS Saarland, ordnete die Vorfälle in einen größeren Zusammenhang ein. Sie verwies auf eine bundesweit steigende Zahl von Attacken auf Erinnerungsorte und sah in der Häufigkeit der Taten sowie der öffentlichen Lage des Tatorts Anzeichen für eine gesunkene Hemmschwelle bei antisemitischen Handlungen. „Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wird verhöhnt“, stellte Melchert fest.

Gleichzeitig hob die RIAS-Projektleiterin das Engagement der Bevölkerung hervor: „Positiv ist das engagierte Handeln der Zivilgesellschaft in diesem Fall. Mehrere Passantinnen und Passanten haben die Vorfälle gemeldet, den Stein gereinigt und ihre Empörung zum Ausdruck gebracht.“ Das Niederlegen von Blumen und Kerzen zeige, dass an der Gedenkstätte weiterhin aktiv erinnert werde. „Es ist wichtig, dass Menschen nicht wegschauen und sich aktiv gegen Antisemitismus engagieren“, unterstrich Melchert.

Hinweise zu antisemitischen Vorfällen können bei RIAS Saarland unter der Telefonnummer (06851) 80 82 79 1 oder per E-Mail an info@rias-saarland.de gemeldet werden.

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