In unserer Reihe „7 Fragen an“ sprechen wir mit Persönlichkeiten aus dem St. Wendeler Land. Wen sollen wir in unserer Reihe vorstellen? Schick uns Deinen Vorschlag an redaktion@wndn.de.
wndn.de: Stell Dich bitte kurz vor!
Simon Kirch: Mein Name ist Simon Kirch, ich bin 44 Jahre alt, verheiratet, habe 2 Kinder und wohne in Nonnweiler. Nach meinem Abitur habe ich Politikwissenschaften studiert, vor allem aber für insgesamt 15 Jahre Leistungssport (Leichtathletik, 400 Meter) betrieben. Nachdem es mit dem eigenen Sporttreiben vorbei war, fand ich eher zufällig den Weg zum Landessportverband für das Saarland. Dort bin ich nun seit 10 Jahren und für den Geschäftsbereich „Sportentwicklung und Gesellschaft“ verantwortlich.
Du hast 2008 an den Olympischen Spielen in Peking teilgenommen. Was hast Du dort erlebt?
Bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, ist natürlich das, was jeden jungen Sportler irgendwie antreibt. Gleichzeitig verlief der Wettkampf für mich enttäuschend, da ich nicht an meine Vorleistungen anknüpfen konnte. Neben den Erlebnissen vor Ort und dem harten Training über all die Jahre ist es vor allem diese emotionale Achterbahn im Sport, die mich bis heute prägt: man gibt alles, stellt sich immer wieder dem Wettkampf und muss jedes Ergebnis für sich verarbeiten…es geht immer weiter. Gerade in den Niederlagen lernt man eine gewisse Härte gegenüber sich selbst, ohne dabei abzustumpfen.
Deutsche Medaillen bei Olympischen Spielen werden immer seltener. Was könnte man tun, um dies zu ändern?
Diese Debatte wird seit Jahren immer wieder anlässlich von Olympischen Spielen geführt und kreist meist um Dinge wie Bundesjugendspiele sowie die Notwendigkeit von mehr Konkurrenz und Wettkampf für Kinder. Dem stimme ich sogar dahingehend zu, dass in den letzten Jahren Kinder zu sehr vor Frustrationen und Enttäuschungen geschützt wurden. Damit hat man sie auch um Chancen beraubt, an Niederlage zu wachsen. Allerdings kann man die Zeit nicht einfach zurückdrehen – alte Rezepte werden nicht mehr funktionieren, wenn sie neuen Trends komplett entgegenlaufen. Um beim Beispiel der Bundesjugendspiele zu bleiben: ich finde durchaus, dass Schülerinnen und Schüler sich messen sollten. Dabei wird es dann auch „Verlierer“ oder zumindest nicht nur Gewinner geben, aber man muss besser als früher Ausgrenzung vermeiden. Soziale Kompetenzen stehen völlig zu Recht im Fokus vieler Lehrpläne und könnten sich gerade dann beweisen, wenn Leistungsunterschiede in einer Gruppe hervortreten.
Auf der Strukturebene braucht es dagegen Dreierlei: erstens eine bessere Integration von Sport in den Alltag aller Menschen, zweitens ein gutes Talentsichtungs- und Fördersystem sowie drittens eine stärkere Verbindung von Leistungssport und beruflicher Karriere. Wir brauchen einfach mehr Menschen, die gerne Sport machen, um dann die guten Sportler leichter zu erkennen und länger bei der Stange zu halten.
Diese Dinge funktionieren jedoch langfristig und wir sind leider noch nicht am Ende des aktuellen Trends angelangt…die Ergebnisse werden in den nächsten Jahren erst mal noch schlechter werden.
Brauchen wir auch mehr Sportunterricht in den Schulen?
Wie oben schon geschrieben, braucht es wieder mehr Sport für alle Menschen und da stehen die Kinder besonders im Fokus. Sport und Bewegung sind für die Physis und Psyche wichtig, sie erfüllen aber auch Kernaufgaben in der non-formalen Bildung. So erwerben wir soziale Kompetenzen, lernen mit Würde zu verlieren und mit Anstand zu gewinnen. Daher: ja, auf jeden Fall brauchen wir mehr Sport in den Schulen. Dabei sollten wir aber nicht die Auswirkungen auf die Sportvereine aus den Augen verlieren, die sich bereits in den letzten Jahren überdeutlich zeigten. Ehrenamtliche Vereine sind gerade im ländlichen Raum wichtig, bieten viele Beteiligungsmöglichkeiten. Auf sich alleine gestellt ist der schulische Ganztag jedoch eine zu große Herausforderung. Wer soll um 14 Uhr das Vereins-Training bei einer Schulklasse übernehmen, wenn die Übungsleiter selbst noch bei der Arbeit sind? Und welcher Schüler soll um 18 Uhr künftig noch ins Training kommen, wenn er erst um 17:30 mit dem Bus zuhause ankommt? Wir müssen Schule und Vereinssport wieder besser zusammenbringen. Dafür wird es neue Strukturen brauchen, die Ehrenamt ergänzen, aber nicht ersetzen dürfen.
Du bist auch politisch in der SPD engagiert. Wie bist Du zur Politik gekommen?
Politik war bei uns zuhause immer ein Thema. So war meine Mutter über viele Jahre im Orts- und Gemeinderat sowie Kreistag tätig, mein Vater war Gymnasiallehrer unter anderem für Politik.
Du gehörst dem neu gewählten Kreistag an. Neben wem sitzt Du im Rat?
Zum einen sitze ich, wie auch schon in der letzten Kreistags-Periode, neben Andreas Türk. Meine neue Sitznachbarin auf der anderen Seite ist Marie Lang.
Stell Dir vor, Du hättest einen Wunsch in der Politik frei. Was würdest Du sofort umsetzen?
Ich würde den unteren Ebenen in der Politik mehr Ressourcen zur Verfügung stellen. Aktuell haben die Ortsvorsteher kaum eigene Gestaltungsmöglichkeiten und sind sehr von den Rathäusern der Gemeinden abhängig. Letztere wiederum sind finanziell so ausgelastet und personell so knapp besetzt, dass meist nur die Kernaufgaben der Verwaltung abgearbeitet werden können. Die Landkreise schließlich versuchen das teilweise zu kompensieren, finanzieren ihre Vorhaben aber vor allem über die sogenannte Kreisumlage…da diese aus dem Haushalt der Gemeinden kommt, ist es im Resultat selten ein „Mehr“, sondern eher ein Verschieben.
Wie im Sport ist auch in der Politik die aktuelle Lage immer nur das Abbild eines längeren Trends. Wir müssen die Menschen wieder für Politik begeistern und neue Perspektiven bieten – das geht aber nur vor Ort, im Kleinen und genau da müssen wir mehr investieren.
Dein Lieblingsort im St. Wendeler Land?
Da es so viele schöne Ort im Landkreis gibt, sage ich mal auf dem Sattel meines Fahrrads. Darauf kann man sich alles ansehen und es noch mit Bewegung verbinden :-).
Vielen Dank für das Interview!
Bisher in der Reihe erschienen:



