Ein 18-jähriger Schüler der Gemeinschaftsschule Marpingen hat sich gegen 240 Teilnehmende aus ganz Deutschland durchgesetzt. Bahaa Al Ghazzawi gewann den Bundeswettbewerb „Mehr Sprachen-Mehr Wir“ in der Altersgruppe der Klassenstufen 11 und 12. Bei dem Wettbewerb präsentierten die Jugendlichen zweisprachige Reden, in denen sie zwischen Deutsch und einer weiteren Sprache wechselten.
Al Ghazzawi kam im Alter von sechs Jahren aus Syrien nach Deutschland. In seiner prämierten Rede beschäftigte er sich mit der Frage „Was gibt mir Orientierung?“. Seine Antwort: „Ich wollte verstehen, die Menschen, ihre Worte, ihr Leben hier“. Der Oberstufenschüler wechselte in seinem Vortrag zwischen Arabisch und Deutsch. „Arabisch ist meine Wurzel“, erklärte er in seiner Muttersprache, um dann auf Deutsch fortzufahren: „Deutsch ist der Schlüssel zu meiner Zukunft“.
Die Deutschlehrerin Jessica Müller, die auch die Kultur-AG der Schule leitet, hatte ihre Zwölftklässler zur Teilnahme ermutigt. Al Ghazzawi reichte seine Rede als Video und schriftliche Fassung im Herbst 2025 ein. Die Überraschung war groß, als die Jury ihn zu einem der drei Bundessieger seiner Altersgruppe kürte.
Am 16. Dezember fand die Preisverleihung als Online-Veranstaltung statt. Das digitale Support-Team des Landkreises sorgte für die technische Umsetzung an der Marpinger Schule. Staatssekretärin Jessica Heide gratulierte aus Saarbrücken, während die Landtagsabgeordnete Reka Klein, eine ehemalige Schülerin der Gemeinschaftsschule, vom Landtag aus zugeschaltet wurde. Klein hob hervor, wie Mehrsprachigkeit die Gesellschaft bereichere und würdigte Al Ghazzawis Beitrag zum gegenseitigen Verständnis.
Der Wettbewerb wird seit 2024 von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung organisiert und von der Bundesregierung gefördert. Schüler der Klassenstufen 7 bis 12 können in drei Altersgruppen teilnehmen. Insgesamt waren in diesem Jahr 40 verschiedene Sprachen in den Beiträgen zu hören – von häufig gesprochenen bis zu selten gehörten wie Isländisch, Mandarin, Aserbaidschanisch oder Japanisch.
Reem Alabadi-Radovan, ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, betonte die Bedeutung des Wettbewerbs: „Es wird Zeit, dass wir diese Sprachenvielfalt wertschätzen und fördern – sowohl in der Schule als auch in der Gesellschaft“. Das Sprechen mehrerer Sprachen erweitere den Horizont und stärke das Miteinander als Grundlage für ein demokratisches und friedliches Zusammenleben.
In Deutschland sind 15 Prozent aller Haushalte zwei- oder mehrsprachig. Bei Kindern und Jugendlichen liegt dieser Anteil noch deutlich höher. Der Wettbewerb will auf das gesellschaftliche Potential dieser Mehrsprachigkeit aufmerksam machen. Al Ghazzawi schloss seine prämierte Rede mit dem Wunsch, dass alle lernen, einander besser zu verstehen und zuzuhören – und dass aus „dem Ich und Du ein Wir wird“.



