Ein 16-jähriger Schüler der Gemeinschaftsschule Marpingen hat sich als einer der besten Nachwuchs-Redner des Saarlandes erwiesen. Elias Stoll aus der Klasse 11b erreichte beim Wettbewerb „Jugend debattiert“ zunächst den ersten Platz im Regionalentscheid Nordsaarland und sicherte sich später beim Landesfinale in Saarbrücken den dritten Platz.
Der Rhetorikwettbewerb forderte von den Teilnehmenden besondere Fähigkeiten: Sie mussten zu aktuellen gesellschaftlichen Themen sowohl Pro- als auch Contra-Positionen vertreten können, ohne vorher zu wissen, welche Seite sie in der Debatte einnehmen würden. „Genau zuhören, aufeinander eingehen, gut abwägen sind die Grundvoraussetzungen, um die Debatte voranzubringen“, erläuterte der Marpinger Schüler seine Herangehensweise.
Im Regionalentscheid am Gymnasium Wendalinum in St. Wendel trat Stoll gegen Schülerinnen und Schüler von fünf verschiedenen Schulen an. Dabei debattierte er unter anderem über die Frage, ob das Rauchen im öffentlichen Raum grundsätzlich verboten werden sollte. Die Jury aus geschulten Lehrkräften der beteiligten Schulen bewertete seine Leistung nach den Kriterien Sachwissen, Überzeugungskraft, Ausdruckvermögen und Gesprächsfähigkeit als herausragend.
Mit dem Regionalsieg qualifizierte sich der 16-Jährige für das Landesfinale Ende April im Konferenzsaal des Saarländischen Rundfunks auf dem Halberg. Nach zwei erfolgreichen Qualifikationsrunden stand er in der Enddebatte vor mehr als 250 Zuschauern, darunter auch Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot. In der Jury saßen unter anderem Landtagspräsidentin Heike Winzent sowie frühere Landessieger des Wettbewerbs.
Die Finaldebatte drehte sich um die Frage, ob ein generelles Verbot für die Nutzung digitaler Endgeräte an Grundschulen gelten sollte. Stoll argumentierte auf der Contra-Seite und bewies erneut seine rhetorischen Fähigkeiten. Trotz einer überzeugenden Leistung reichte es am Ende nur für den dritten Platz, womit er die Qualifikation für das Bundesfinale in Berlin knapp verpasste.
Ein Vorbereitungsseminar in Homburg half den Teilnehmenden, sich auf die Wettkampfsituation einzustellen. „Das war schon eine ganze Menge Arbeit und Stress“, räumte Stoll ein. Sein Mitschüler Jannick, der ihn zu allen Veranstaltungen begleitete, zeigte sich beeindruckt: „Es ist cool, zu lernen, sich präzise und genau auszudrücken.“
Der Marpinger Schüler, der die aktuelle politische Diskussion aufmerksam verfolgt, zog auch Parallelen zur gegenwärtigen Debattenkultur: „Es ist viel einfacher, gegen etwas als für etwas zu argumentieren, was sich ja auch in der aktuellen politischen Diskussion zeigt.“ Die Bereitschaft, auch Argumente zu reflektieren, die der eigenen Überzeugung widersprechen, mache einen grundlegenden Unterschied aus.
Für Stoll geht die Reise weiter: Er bereitet sich darauf vor, möglicherweise bei einer öffentlichen Debatte zum Deutschlandfest am Tag der Deutschen Einheit in Saarbrücken einzuspringen. Zudem hat er sich bei der „Akademie für Debattenkultur im Alltag“ im Berliner Wannseeforum beworben. Respektvoll und sachlich zu argumentieren sowie sich kritisch und differenziert mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen seien grundlegende Fähigkeiten für den Alltag und die Demokratie, betonte der 16-Jährige.
Der Wettbewerb „Jugend debattiert“ wird bundesweit an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen durchgeführt. Er steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung sowie der Heinz-Nixdorf-Stiftung getragen. Die besten Rednerinnen und Redner qualifizieren sich stufenweise vom Klassenwettbewerb über Schul- und Regionalentscheide bis zu den Landesfinalen. Die Erst- und Zweitplatzierten der Länder treten schließlich beim Deutschlandfinale in Berlin gegeneinander an.




