10 Fragen an … Dominik Rivinius – Musikproduzent aus dem St. Wendeler Land

Foto: Hadi Hajdarevic

Wenn ihr an Songs von Rapper Eminem, Sängerin Alicia Keys oder der koreanischen Boyband BTS denkt, dann fragt ihr euch womöglich, wie diese einen Bezug zum St. Wendeler Land haben können. Der Musikproduzent Dominik Rivinius, der ursprünglich aus St. Wendel kommt, war als Produzent bei verschiedenen Künstlern mitbeteiligt. Er ist einer der Hauptassistenten des New Yorker Musikproduzenten Ken Lewis, der neben Eminem mit weiteren Rap-Größen wie Jay-Z, Drake und Kanye West zusammenarbeitet.

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben aus?

Typische Tage gibt es eher selten bei mir. Das liegt einfach in der Natur der Arbeit, mit der ich mich beschäftige. Ich arbeite als Musikproduzent und Mix Engineer in meinem eigenen Tonstudio (NeonWave Studio). Außerdem bin ich auch in eine US-Softwarefirma involviert, die Software für Musikproduzenten entwickelt (Mixing Night Audio), und ich habe zahlreiche Seitenprojekte in den verschiedensten Bereichen. All diese Projekte brauchen Aufmerksamkeit, und auch meine Haupt-Karriere als Musikproduzent erfordert konstantes Reisen, Menschen kennen lernen, Weiterbilden, Vermarkten, Planen etc. Um dem allem so gut wie möglich Struktur zu geben, habe ich eine feste Routine, um meinen Tag zu beginnen, und nochmal eine für den Abend, um den Tag zu beenden. Alles dazwischen ist völlig unterschiedlich. Ich plane sonntags die kommende Woche und lege Zeiten für die Aufgaben fest, die gerade am wichtigsten sind. Die meiste Zeit nimmt auf jeden Fall immer die Arbeit in meinem Tonstudio ein: neue Songs schreiben, neue Instrumentals produzieren, mit Künstlern zusammen deren Songs zu fertigen Top-Produktionen machen oder eben auch an konkreten Aufträgen von bekannten Künstlern arbeiten. Also insgesamt viel Computer, Musik kreieren und viel rumprobieren, bis ich die richtigen Ideen finde.

Seit wann machst du Musik?

Ich bin musikalisch schon aktiv seit ich denken kann. Das Klavier in meinem Elternhaus habe ich entdeckt bevor ich sprechen konnte. Mit zehn Jahren habe ich dann angefangen, Schlagzeug zu lernen, was die folgenden 15 Jahre auch zu meinem Haupt-Fokus wurde. Mit der Zeit wurde alles immer ambitionierter, und es war relativ bald klar für mich, dass meine Karriere im Music Business liegen würde.

Was bedeutet Musik für dich?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil es immer ein so großer und selbstverständlicher Teil von meinem Leben war und bis heute ist. Musik hat eine Wirkung auf jeden Menschen. Und sie hat die Kraft, emotional auf eine Art und Weise zu wirken, wie nichts anderes es kann. Es gibt zahlreiche Beispiele von Leuten, die sagen, dass ein bestimmter Song sie durch die schwierigste Zeit ihres Lebens gebracht hat. Das ist Musik für mich – etwas, das jeder fühlen, aber niemand richtig beschreiben kann, das aber immer etwas mit dir anstellt.

Wusstest du schon immer, dass du beruflich mal was mit Musik machen willst?

In meiner Jugendzeit hat sich das Bild immer mehr geformt, und mit etwa 15 habe ich entschieden, dass ich Profi-Drummer werden will. Mit Künstlern und Bands touren, CDs aufnehmen und so weiter. Das war für mich damals so eine große Motivation, dass ich meinen täglichen Übe-Einheiten sogar die Schulaufgaben untergeordnet habe. Erst wurde geübt, und wenn dann noch Zeit war, habe ich meine Hausaufgaben gemacht. Und dadurch bin ich eben
automatisch immer mehr zu dem Musiker geworden, der das ganze nicht nur als Hobby betreibt, sondern wirklich etwas erreichen will. Dieses Feuer ist mir bis heute geblieben, auch wenn der Bereich sich in den letzten Jahren einige Male verschoben hat.

Wer ist dein Vorbild?

Ich habe keine konkreten Vorbilder. Vielmehr werde ich immer wieder von einzelnen Geschichten und Taten verschiedenster Menschen inspiriert. Früher hatte ich viele Vorbilder (Bands und Drummer), aber mittlerweile hat sich diese Sicht etwas geändert. Ich denke nicht mehr “So will ich auch mal irgendwann sein!” oder “Ich will auch mal haben, was der hat!”, sondern eher “Was für eine tolle Künstlerin! Mit der würde ich gerne mal arbeiten. Wie stelle ich das am besten an?” Den Rest der Zeit verbringe ich damit, den Weg einfach weiterzugehen, jeden Tag ein Stück weiter voranzukommen und etwas besser zu werden, als ich es am Vortag war.

Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Mein Haupt-Ziel ist es, meinen Wohnsitz und mein Studio in Los Angeles zu haben und an weiteren großartigen Produktionen mit großartigen Künstlern zu arbeiten. Aktuell bin ich immer mal zeitweise in New York und LA – während der Pandemie auch leider nur virtuell – aber langfristig werde ich dort meine Wurzeln schlagen.

Wie kam es zur Mitarbeit an Songs von Eminem, Alicia Keys oder BTS?

In der Musikbranche basiert alles auf Kontakten. Ein Abschluss (welcher Art auch immer) ist nichts wert und interessiert niemanden. Stattdessen wird einzig und allein darauf geschaut, was jemand zuvor gemacht hat, in welche Projekte man involviert war, und ob man ein angenehmer Typ ist, mit dem die Arbeit Spaß macht. Wenn man wie ich auf dem Land in Deutschland groß wird, ohne irgendwen in der Musikbranche zu kennen (schon gar nicht in der US-Branche), ist der Weg zu solchen Weltproduktionen entsprechend weit, aber nicht unmöglich. Mit der Zeit kann man – wenn man es gezielt angeht – Kontakt zu einzelnen Akteuren aufbauen, die schon an den Projekten arbeiten, wo man selbst gern hin möchte. Und diese Gelegenheiten muss man dann nutzen, um ein kurzes “Hallo” zu einer langfristigen Bekanntschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit auszubauen. Genau so lief das auch bei mir. An einem Tag im Frühjahr 2018 bin ich nach Berlin zu einer exklusiven Masterclass gefahren, wo außer mir nur 3 weitere Producer waren. Und geleitet wurde diese Masterclass von meinem heutigen guten Freund und Mentor Ken Lewis, einer der großen Namen in der Musikwelt (108 Goldschallplatten, 19 Grammy Winners). Der Tag in Berlin war der Grundstein für eine immer weiter wachsende Freundschaft, und durch diese Connection bin ich in all diese Projekte reingerutscht. Wenn man einmal den Fuß im Spiel hat, dann kommt auch schnell eins zum anderen, du lernst den nächsten kennen, der ebenfalls auf diesem Top-Level ist, und dann den nächsten. Und ehe man sich versieht, ist man selbst ein Teil davon. Allerdings ist das, was ich hier in wenigen Worten beschreibe, ein Prozess, der Jahre dauert und auch viel Risiko, viel Mühe, viel Arbeit, Geduld, Enttäuschung und Unsicherheit mit sich bringt. Im Nachhinein kann man leicht zurückschauen und erkennen, welcher Schritt zu welchem Ergebnis geführt hat. Wenn das alles aber vor dir liegt, dann musst du eben Risiken eingehen und darauf hoffen, dass dein Instinkt dich in die richtige Richtung führt.

Wie reagiert dein Umfeld darauf, dass du an so vielen Bekannten Songs mitgearbeitet hast?

Meine Freunde und Familie freuen sich natürlich für mich, wenn ich an einer solchen Weltproduktion beteiligt bin. Die wissen aber auch, was ich seit Jahren dafür tue, und kennen jeden kleinen Schritt auf dem Weg. Deshalb ist das gar nicht so überraschend für sie, wenn es dann zu solchen Schlagzeilen kommt.

Gibt es einen Ort im St. Wendeler Land, der dich inspiriert?

Definitiv das Arnold-Janssen-Gymnasium. Dort habe ich meine Schulzeit und einige der besten Jahre meines Lebens verbracht. Wenn man als Kind auf eine Schule gehen kann, die aussieht wie Hogwarts, dann kann im Leben nicht mehr viel schief gehen. Ich fahre gerne manchmal einfach wieder an die alte Schule und laufe über das Gelände, wann immer ich im Land bin.

Was bedeutet Heimat für dich?

Meine Arbeit als Musiker und Musikproduzent bringt es mit sich, dass ich sehr viel an unterschiedlichen Orten bin und mich auch direkt überall einleben und wohl fühlen kann. Das führt gleichzeitig auch dazu, dass ich kein super starkes Heimatgefühl zu einem einzigen Ort habe. Mein Leben hat sich über die bisherigen Jahrzehnte enorm gewandelt, und Heimat ist heute für mich dort, wo ich Menschen um mich habe, mit denen ich jede Sekunde meiner Zeit verbringen möchte. Ich verbinde Heimat nicht mit einem Ort, auch wenn viele Orte aus meiner Kindheit und Jugend für mich mit starken Emotionen verbunden sind. Heimat verbinde ich heute mit Menschen. Und deshalb ist Heimat für mich immer dort, wo die wichtigen Menschen in meinem Leben sind.

Wer mehr über Dominik Rivinius und seine Musik erfahren will, kann sich auf seiner Website, der Website seines Tonstudios oder auf seinem Instagram-Account umsehen.

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