Theley: Das Zwangsarbeiterlager von dem man nichts mehr sieht

Foto: Volker Munkes

Theley. Nur noch ein unscheinbares Gebäude, vom Obst- und Gartenbauverein genutzt, ist vom ehemaligen Zwangsarbeiterlager Theley geblieben. Dort, wo jetzt mittelständische Firmen ihren Sitz haben und der Obst- und Gartenbauverein sein Kelterhaus, dort mussten von 1942 bis 1945 vorwiegend sowjetische Frauen und Männer in mit Stacheldraht umzäunten und durch Wachtürme gesicherten Baracken auf dem blanken Fußboden schlafen und für die „Herrenmenschen“ schuften. Kein noch so kleiner Hinweis erinnert daran.

Das Theleyer Lager war eines von vielen im heutigen Landkreis St. Wendel. Aber es war ein im negativen Sinn deshalb besonderes, weil in Theley besonders viele Zwangsarbeiter*innen (dokumentiert mindestens 130, in Wirklichkeit mehr) starben. Einige der nicht mehr als arbeitsfähig eingestuften Zwangsarbeiter wurden in sogenannte Heil- und Pflegeanstalten überstellt. So beispielsweise der Theleyer Zwangsarbeiter Michail Broczkowski, der im September 1944 im Einvernehmen mit der Lagerleitung und dem Lagerarzt in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt wurde. Der Lagerleiter Rudolf Pfeiffer war für diese Aufgabe bestens geeignet, war er doch zuvor schon im elsässischen Château-Salins, dem man im Dritten Reich den Namen Salzburgen verpasste, mit der Ausweisung der französischen Einwohner befasst und zwischenzeitlich bei der Gestapo-Leitstelle in Saarbrücken beschäftigt.

Wie mit den Theleyer Zwangsarbeiter*innen umgegangen wurde, ist durch mittlerweile zahlreiche und weitestgehend übereinstimmende Schilderungen von Zeitzeug*innen bestens belegt: Die Arbeitskommandos wurden auf dem Weg zu den Einsatzstellen vom Wachpersonal mit Peitschenhieben traktiert, die Ernährung war miserabel, die hygienischen Umstände waren katastrophal und das eigentlich für „nur“ dreihundert Zwangsarbeiter*innen ausgelegte Lager war ständig überbelegt. Ab Mitte September 1944 kamen aus dem Merziger Lager „Am Schützenhaus“ wegen dauernder Bombenangriffe evakuierte Zwangsarbeiter*innen hinzu. Auch aus anderen Lagern wurden Zwangsarbeiter*innen in das ohnehin überfüllte Theleyer Lager verlegt – so u.a. ein in Saarbrücken entflohener und nach Denunziation gefangen genommener Franzose. 75 in Theley verstorbene Zwangsarbeiter*innen sind auf dem Jüdischen Friedhof zwischen Tholey und Theley bestattet, 27 auf dem Gemeindefriedhof in Theley.

Die Gemeinde Tholey bemüht sich mittlerweile in vorbildlicher Weise darum, dem Andenken an die damaligen Geschehnisse gerecht zu werden und wird am Eingang des Jüdischen Friedhofs eine Gedenk- und Informationstafel anbringen.

Text: Volker Munkes

All dies erzählte Volker Munkes bei seinem überaus gut besuchten Vortrag im Theleyer Pfarrheim am Dienstag. Der Vortrag war ein Angebot der Kreisvolkshochschule St. Wendel.

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