„Nein, am Schaumberg werden keine Jäger mit Pfeil und Bogen ausgebildet!“ Ein Gastkommentar von Martin Backes, Beigeordneter der Gemeinde Tholey

Vorab folgendes: Über zusätzliche touristische Angebote und das Engagement ehrenamtlicher Person freuen sich kommunale Gremien und die Verwaltung immer ganz besonders. In den folgenden Erwägungen zum Bogenschießparcours spielt bei mir daher immer auch die Sicht eines Beigeordneten und Ratsmitgliedes der Gemeinde Tholey mit. Ich persönlich finde es gut, dass es in den regionalen Presseorganen des Landkreises St. Wendel durchaus verschiedene Meinungen und Kommentare gibt.

Seit wenigen Wochen ist der Bogenschießparcours am Schaumberg in Betrieb. Eine touristische Bereicherung für das St. Wendeler Land.

Mit der Einweihung des Parcours ist auch eine Diskussion ausgebrochen, ob es vertretbar sei, als Zielscheiben für die Bogenschützen zumindest teilweise sogenannte 3D-Tierfiguren aus Schaumstoff aufzustellen und auf diese die Pfeile abzuschießen.

In einem Kommentar der Kollegen der Saarbrücker Zeitung wird sogar die These aufgestellt, dass das Schießen auf solch teils real wirkende Tierfiguren zu einer gewissen Abgebrühtheit führe und der Schritt von einer realistischen Figur zum lebenden Tier nur klein sei. Zudem ginge der Respekt vor den Tieren durch die Darstellung verloren.

Ich halte diese Diskussion für weit überzogen. Wer die Handelnden der Bogenschule kennt, weiß, dass sie in extrem professioneller Weise den Bogensport betreiben und vermitteln. Sicherheit und der vernünftige Umgang mit dem Bogen stehen an erster Stelle. Ich durfte mir bereits selbst ein Bild davon machen. Nein, hier werden definitiv keine Jäger mit Pfeil und Bogen ausgebildet. Die Jagd mit diesen Hilfsmitteln ist in Deutschland übrigens verboten.

Warum aber werden dann zum Teil Tierfiguren statt Zielscheiben auf dem Parcours aufgestellt? Ganz einfach: weil es den Schützen während des Parcours mit unzähligen Stationen Abwechslung bietet. Zudem fördert es die Geschicklichkeit, in Größe und Standort unterschiedliche Ziele anzuvisieren (und darum geht es nun einmal bei diesem Sport). 3D-Parcours mit Figurendarstellungen gibt es mittlerweile in ganz Deutschland. Neben den teils realistisch wirkenden Tieren sind am Schaumberg auch unrealistische Figuren wie etwa eine Riesenspinne vertreten. Die Frage der SZ, wo bei dieser Darstellung die Grenze zu Menschenfiguren oder Haustierfiguren liege, halte ich daher geradezu für absurd.

Vertritt man die These, dass durch einen solchen Parcours der Respekt vor Tieren nicht erlernt werden könne oder gar verloren ginge, muss man sich auch die Frage stellen, wie es etwa um den Respekt mit Tieren in Zoos oder Gehegen steht. Neigen Kinder und Jugendliche, die sich Tiere hinter Zäunen ansehen, auch dazu, selbst Tiere einzusperren? Oder versuchen Besucher einer LaserTag- oder Paintball-Arena später tatsächlich, andere Menschen zu erschießen? Moderne Videospiele, Egoshooter oder auch Fernsehdarstellungen sind weit realistischer als die Schaumstofftiere am Schaumberg. Ich glaube jedenfalls, dass Leute, die diesen Bogensport betreiben, mündig genug sind, zwischen Schaumstoff und echtem Tier zu unterscheiden und anschließend nicht mit Pfeil und Bogen in heimischen Wäldern auf die Jagd gehen oder den Respekt vor diesen Tieren verlieren. Trauen wir den Menschen im St. Wendeler Land einfach einmal diese Mündigkeit zu!

Abschließend fällt mir der fiktive Bogenschütze Legolas (Herr der Ringe) ein. Vielleicht hätten die Gemeinde Tholey und der Gemeinderat besser zur Auflage machen sollen, eine Horde Orks, vielleicht aber auch Drachen oder mehr Riesenspinnen als Ziele aufzustellen. Dann wäre aber sicherlich der ein oder andere Polizeieinsatz aufgrund panischer Spaziergänger garantiert gewesen.

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