Corona-Demo: „Es geht uns nicht ums Überleben“

Es ist 15.10 Uhr am Samstagnachmittag, als die Kinderkrankenschwester Daniela die Bühne bei der Demonstration der Interessengemeinschaft „Querdenken 685“ betritt. Sie will erklären, was im Moment in Deutschland schiefläuft. Daniela, die ihren Nachnamen nicht nennt, sagt, sie stehe hier „für die Themen Abstandsfrei und Maskenfrei“. Als Mutter von zwei Kindern will sie alles richtig machen und daher habe sie auch Angst und „der Staat spielt mit der Angst von uns Eltern!“ Sauer wird sie, wenn sie von Journalisten ließt, dass die Demonstranten Corona-Leugner wären, dabei sind es doch „nur Menschen, die für ihre Rechte einstehen und dafür einstehen mit ihrer Gesundheit machen zu können, was sie wollen“.

Ihre Rede ist der Anfang einer Reihe von empörten Reden am vergangenen Samstag bei der „Querdenken“-Demonstration unter dem Motto „Zeitzeugen“. Es geht gegen „die da oben“, „unsinnige Maßnamen“ und das Coronavirus, das bei weitem nicht so gefährlich sei, wie man überall hört. 

Auf dem Mia Münster Platz in St. Wendel versammelten sich jedoch nicht nur Anhänger der Interessensgemeinschaft Querdenken 685, sondern auch einige Gegendemonstranten. 

Deshalb wurde der Platz in der Mott am Samstag mit Absperrband in 2 Hälften geteilt. Auf der einen Seite standen die Gegendemonstranten mit Masken und Transparenten – auf der anderen Seite hatten es die Anhänger der Interessengemeinschaft deutlich bequemer: Die Besitzerin des Café Carré hatte Stühle für die Demonstranten bereitgestellt, auf denen sie Platz nehmen konnten.



Um 15 Uhr, zum Beginn der Demonstration war kaum erkennbar, welche der beiden Demonstrationen nun die Besucherstärkere war. Nach und nach gesellten sich jedoch zusätzliche Mitdemonstranten zu den Querdenkern und auch abseits der Absperrungen gab es einige Zuschauer, die teilweise bei den Beiträgen begeistert mitklatschten. Doch hauptsächlich ernteten die Redner intensives Kopfschütteln von Zuhörern außerhalb der Absperrung. 

Da in den vergangenen Wochen vermehrt der Vorwurf aufkam, dass solche die Demonstranten  Rechtsradikales Gedankengut vertreten, distanzierte man sich dieses Mal bereits zu Anfang vehement. „…da es auch in den Medien präsent ist: Es geht darum, dass wir darauf achten müssen, dass wir keine Spaltung erfahren. (…)  Ich dulde hier keine radikalen -linken oder rechten- Thesen oder Ideologien“, merkte der Veranstalter Wolfgang an, der wie alle Redner seinen vollen Namen nicht nennen wollte. 

Nach Daniela betrat ein Mann die Bühne, der als Forstbeamter gar keinen Namen nennen wollte. Er war bei der Corona-Demo in Berlin dabei und berichtete von dieser. So ging er auch auf die Zahlen der Demonstranten ein. Nach der berliner Demonstration entbrannte darüber eine große Debatte, da laut Veranstaltern 1,3 Millionen Menschen versammelt waren, Medien jedoch nur von etwa 20.000 Menschen berichteten. Für den Forstbeamten galt es also, diese Zahl durch Flächenberechnung zu überprüfen. Er kam dabei auf 100.000 Demonstranten in Berlin. Weitere „Zeitzeugen“ nannten im Laufe der St. Wendeler Demonstration jedoch mal 200.000 und an anderer Stelle 500.000 Menschen in Berlin. Er brachte einige Videos mit, die die Demonstranten, laut aussagen der Moderatorin vor Liebe weinen ließen. Denn schließlich geht es bei den Demonstrationen „nicht ums Überleben, sondern um das Miteinander!“

Als nächster Redner wurde dann ein Mann namens Tassilo von der Moderatorin angekündigt, der erzählen sollte, „was passiert wenn Meinungen reglementiert werden“. Tassilo brachte einige Anekdoten aus seiner Erfahrung mit Corona-Maßnahmen mit. Es war es teilweise etwas schwierig ihm zu folgen, da er seine Sätze selten beendete, bevor er mit der nächsten Erzählung anfing. Er begann damit, dass er sich über einen Zeitungsbericht aufregte, in dem er las, dass der Landtag des Saarlandes über Missbrauch des Davidsterns debattierte. „Irgendein Mensch, der behauptet er wäre Jude, hat eine Petition an den Landtag gestellt, weil man einen Stern mit dem Wort „ungeimpft“ auf einer Veranstaltung getragen hätte“ Er habe aber auf der Veranstaltung , auf der er, wie er betont selbst war, keine solchen Symbole gesehen.

Als letzten Redner sprach der Neunkircher Kardiologe Dr. Jochum, der jetzt als ganzheitlicher Mediziner praktiziert. Er wolle, erklärte Jochum, nach den lauten Tönen und Emotionen seiner Vorredner zu Fakten kommen, um „Wahrheit in die verworrene Situation zu bringen“.. Der Mediziner stellte die Frage, warum einzelne Menschen eigentlich so schwer an Corona erkranken. Dazu trug er seine Theorie vor: Dort wo die Zahlen in Italien stark anstiegen, habe „China durch Huawei die 5G-Technik ausgebaut“, „auf Lesbos gibts höchstens 2 oder 3G“. Auch auf die Nachfrage eines älteren Demonstranten, warum denn die Menschen in Wuhan tot umfielen, wenn das Corona-Virus doch gar nicht so tödlich sei, antwortete Dr. Jochum, dass „Wuhan ja schon im März 2018 5G-Technik verwendeten und es ist sehr wahrscheinlich, dass die die Frequenzen hochgesetzt haben. Es steht überall, dass man versucht auf 21 und 46 Gigahertz hochzufahren.. Das ist der Grund warum dort Menschen einfach tot umfallen und nicht Corona.“ 

Nach knapp zwei Stunden endete die Demonstration. Die Moderatorin sagte zum Abschied, man habe „so viel Neues lernen“ können. 

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