Johannes Kühn: Bevölkerung soll private Verse melden – Vertraulichkeit zugesichert

Johannes Kühn bei einer Veranstaltung in der Hasborner Kulturhalle im Jahr 2020, hinter ihm der damalige Tholeyer Bürgermeister Hermann Josef Schmidt. Foto: Anton Didas

Die Johannes-Kühn-Gesellschaft startet eine umfassende Suche nach bisher unbekannten Gedichten des am 3. Oktober 2023 verstorbenen Dichters aus Hasborn-Dautweiler. Dabei geht es um sogenannte Gelegenheitsgedichte, die Johannes Kühn zu besonderen Anlässen verfasste und als persönliche Geschenke an Freunde, Vereine und Dorfbewohner weitergab. Die Gesellschaft ruft nun die Bevölkerung des Saarlandes und darüber hinaus auf, solche Verse zu melden.

„Wir haben den Eindruck, dass in der Bevölkerung von Hasborn-Dautweiler, aber auch im ganzen Saarland und darüber hinaus noch eine Menge Gedichte von Johannes Kühn existieren, von denen niemand außer den vom Dichter selbst Beschenkten eine Ahnung hat“, erklärte Jutta Backes-Burr, Vorstandsmitglied der Johannes-Kühn-Gesellschaft und frühere Tholeyer Kulturbeauftragte. Sie fungiert als Ansprechpartnerin für die Sammlung und betonte: „Wir möchten niemandem etwas abnehmen, sondern nur wissen, was es alles gibt.“

Der Dichter hatte Zeit seines Lebens eine besondere Beziehung zu seiner Heimatgemeinde gepflegt. Ob zum Geburtstag gleichaltriger Frauen, zum Jubiläum des Sportvereins oder für die örtliche Feuerwehr – Johannes Kühn erfüllte bereitwillig Bitten um maßgeschneiderte Verse. In einem Interview von 2009 erklärte er seine Motivation: „Ich schreibe für alle, und sehr leicht.“ Als Frauen aus dem Dorf oder auch die Hasborner Feuerwehr sowie das Rote Kreuz und der Sportverein ihn zu besonderen Anlässen um ein Gedicht gebeten hätten, habe er „eine Genugtuung“ empfunden und es als Anerkennung betrachtet.

Die Sammlung dieser Gelegenheitsgedichte stellt für die Literaturforschung ein wichtiges Unterfangen dar. Johannes Kühn verfasste täglich mindestens drei Gedichte – insgesamt mehr als 30.000 Werke, von denen die allermeisten bisher unveröffentlicht sind. Neben seinen 25 publizierten Büchern existiert somit ein gewaltiger Fundus an lyrischen Arbeiten, der wissenschaftlich erschlossen werden muss.

„Wir werden die Privatsphäre aller Gebenden strikt achten und bitten nur darum, eine Fotokopie der betreffenden Verse machen und die Umstände ihrer Entstehung protokollarisch festhalten zu dürfen“, versicherte Backes-Burr. „In jedem Fall bleiben die Gedichte im Besitz des Gebers oder der Geberin.“ Jeder Besitzer könne selbst entscheiden, ob und wie er den Besitz solcher Gedichte bekannt machen und sie für eine mögliche spätere Veröffentlichung zur Verfügung stellen möchte.

Johannes Kühn selbst hatte sich zu dieser spezifischen Art seiner Produktion stets bekannt. Im Interview mit Journalist Klaus Brill aus dem Jahr 2009 verteidigte er seine Praxis mit einem Verweis auf literarische Tradition: „Also, Goethe hat Carmina gedichtet. Goethe hat zu Festen gedichtet, als Junge schon, und hat das später auch gemacht in Weimar. Es gibt ja einen ganzen dicken Band dieser Gedichte, zur Hochzeit von Prinzessin Sowieso oder zum Geburtstag… und wenn Goethe das nicht anstößig empfand, empfinde ich das auch nicht anstößig.“

Der Dichter betonte damals auch seine bewusste Entscheidung für Verständlichkeit: „Da muss man auch Gedichte schreiben, die die verstehen.“ Diese Haltung unterschied ihn von zeitgenössischen Lyrikern, die auf Komplexität und Verrätslung setzten. Für Kühn war Klarheit ein zentrales Anliegen: „Gedichte müssen klar sein.“

Die Experten der Johannes-Kühn-Gesellschaft sehen in den Gelegenheitsgedichten eine wichtige Facette des literarischen Erbes. Backes-Burr bezeichnete die Freigiebigkeit im Umgang mit seinen schöpferischen Erzeugnissen als „einen ganz besonderen Charakterzug“ des Verstorbenen. Auch diese Werke könnten in der Zukunft für die Forschung von großem Interesse sein, weshalb sie so bald wie möglich erfasst werden müssten.

Interessierte Personen können sich über die E-Mail-Adresse kontakt@johannes-kuehn.de an die Johannes-Kühn-Gesellschaft wenden. Alternativ ist Jutta Backes-Burr direkt unter der Adresse Waldstr. 32, 66636 Tholey-Hasborn oder telefonisch unter 06853-7877 erreichbar. Vertraulichkeit wird dabei zugesichert.

Weitere interessante Artikel:

ANZEIGEN

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Blätterbarer Katalog 2026 mit 44 Seiten:

Weitere Informationen zu den neuen „Gudd-Zweck-STERNZEICHEN-ETIKETTEN“ finden Sie hier:
https://www.gudd-zweck.de/fyi/ho-roos-kop/