Frugalisten – sparsames Leben für die finanzielle Freiheit

Frugalisten

Mit 40 in die Rente? Wer möchte das nicht! Wenn auch Du gerne in Deinen besten Jahren in den Ruhestand gehen möchtest, dann haben Frugalisten für Dich die passende Lösung parat. Lies hier weiter, um zu erfahren, was Frugalisten überhaupt sind und mit welchen Strategien sie sich die finanzielle Freiheit für den frühzeitigen Ruhestand sichern.

Was sind Frugalisten?

Frugal bedeutet laut Duden in Bezug auf die Lebensweise „einfach, bescheiden bzw. nicht üppig“. Dementsprechend führen Frugalisten ein sehr bescheidenes Leben mit viel Verzicht. Anstatt Geld auszugeben, setzen sie auf eisernes Sparen. Entgegen den Minimalisten, bei denen Konsumverzicht und die Vereinfachung des Lebens im Mittelpunkt stehen, wollen Frugalisten durch Investition ihrer Ersparnisse möglichst früh die finanzielle Unabhängigkeit erreichen.

Bereits ab 2007 hat sich in den USA aufgrund der Finanzkrise eine Frugalistenszene entwickelt. Dort wird die Bewegung häufig mit der Abkürzung „fire“ („financial independance, retire early“ bzw. „finanzielle Unabhängigkeit, früher Ruhestand“) bezeichnet. Doch der Trend ist längst nicht nur auf Übersee beschränkt, sondern findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger.

Ein bekannter deutscher Frugalist ist Oliver Noelting. Vielleicht ist er Dir bereits von einem der zahlreichen Artikel namhafter Medien bekannt, denen er ein Interview gegeben hat. Er betreibt seit 2015 einen eigenen Blog, mit dem er andere inspirieren möchte, selbst Frugalisten zu werden und die finanzielle Unabhängigkeit frühzeitig zu schaffen. Oliver Noelting möchte dieses Ziel erreichen, indem er 60 Prozent seines Einkommens spart und auf vieles verzichtet.

Doch wieviel Kapital müsstest Du überhaupt haben, um als Frugalist die frühe Rente erreichen zu können? Im nächsten Paragraph erfährst Du mehr dazu.

Wieviel Kapital ist für den vorzeitigen Ruhestand nötig?

Die Grundannahme lautet, dass Du das 25-fache Deines eigenen Jahresbedarfs zurückgelegt und clever investiert haben musst, um Dein restliches Leben auf Basis der Rendite leben zu können. Legst Du 50 Prozent Deines monatlichen Einkommens zur Seite und investierst es, dann hast Du das Ziel in 17 Jahren erreicht. Schaffst Du es sogar auf 75 Prozent Sparquote, dann bist Du bereits nach nur 7 Jahren am Ziel.

Um so viel Kapital auf die Seite legen zu können, musst Du entweder ausgesprochen gut verdienen oder einen sehr bescheidenen Lebensstil führen. Nachfolgend erhältst Du ein paar Tipps, wie Dir zumindest Letzteres gelingen kann.

Spartipps für Frugalisten

Bevor Du Dir Gedanken zu den Einsparmöglichkeiten in Deinem Leben Gedanken machst, solltest Du Dir einen Überblick über Deine Finanzen verschaffen. Liste in einer Excel-Tabelle oder über eine Haushaltsbuch-App alle Ausgaben und Einnahmen auf. Dann siehst Du gleich auf den ersten Blick, welche Posten bei Dir besonders hohe Ausgaben verursachen und wo Sparpotenzial vorhanden ist.

Zunächst musst Du Deine Fixkosten reduzieren, falls Du dem Lebensstil der Frugalisten folgen möchtest. Besonders sparen lässt sich durch eine geringe Miete. Du solltest Dich also mit dem Gedanken anfreunden, eine günstigere Bleibe zu finden, falls Du momentan eher hohe Mietkosten hast. Für viele Frugalisten ist das Leben in einer Wohngemeinschaft eine gute Option, um auf Dauer Mietkosten zu sparen, aber dennoch genügend Raum zu haben.

Fixkosten durch Verträge wie Versicherungen, Bankkonten, Smartphone oder Abos musst Du ebenfalls auf ein Minimum reduzieren, um Deinen Traum von der frühen Rente zu verwirklichen.

Verkehrsmittel, allen voran das eigene Auto, verschlingen jeden Monat sehr viel Geld. Hier kannst Du sparen, indem Du auf das Fahrrad umsteigst oder zu Fuß gehst, wann immer das möglich ist.

Auswärts zu essen, geht ebenfalls ziemlich ins Geld. Daher solltest Du lieber selbst kochen, als ein Restaurant zu besuchen. Generell empfiehlt es sich, Freunde eher daheim zu treffen, anstatt wegzugehen. Getränke in Lokalen und Bars sind meist sehr teuer. Häufig kannst Du Geld sparen, indem Du auf Angebote achtest oder Initiativen in Anspruch nimmst, bei denen sich unverkaufte Lebensmittel günstiger erstehen lassen.

Im Internet findest Du sogar günstige Kochrezepte für Frugalisten, deren Hauptaugenmerk auf hohen Nährwerten bei möglichst günstigem Preis liegt. Auch der Verzicht auf Fleisch kann Dir bei Deiner Karriere als Frugalist helfen, denn Fleischprodukte sind häufig eher teuer. Auf Genussmittel wie Alkohol oder Zigaretten solltest Du nach Möglichkeit ebenfalls verzichten, schließlich sind sie nicht unbedingt notwendig und zudem kostenintensiv. Du hast dann nicht nur mehr Geld in Deiner Geldbörse, sondern auch einen gesünderen Lebensstil.

Um Dir einen Startvorteil zu schaffen, solltest Du Dich von alten Sachen trennen, die Du nicht mehr unbedingt benötigst. Das verschafft Dir ein Gefühl von Freiheit und spült zudem Geld in Deine Rentenkasse. Daran anknüpfend ist es für Frugalisten ganz normal, Sachen möglichst gebraucht zu kaufen. Letztendlich musst Du Dich auch in Verzicht üben. Bevor Du etwas kaufst, stell Dir die Frage, ob Du es wirklich benötigst oder ob Du zumindest eine kostengünstigere Alternative findest. Bei kaputten Gegenständen solltest Du möglichst auf Reparieren setzen, anstatt gleich eine Neuanschaffung zu tätigen.

Du siehst, dass Du Deine Ausgaben also radikal kürzen musst. Frugalist zu sein geht nicht nebenbei, sondern erfordert von Dir Verzicht und Weitsicht in allen Lebenslagen. Die oben angeführten Tipps sind bereits ein guter Ausgangspunkt. Doch lediglich Geld auf die Seite zu legen, wird Dir keine Rente mit 40 ermöglichen. Du musst Dein Geld auch clever investieren. Im nächsten Kapitel erfährst Du, wie Frugalisten ihr Geld anlegen.

Wie legen Frugalisten Kapital an?

Da Frugalisten in jeder Lebenslage Geld sparen und frühzeitig finanziell unabhängig sein möchten, müssen sie sich auch mit Investitionsmöglichkeiten beschäftigen. Da eine kostenpflichtige Beratung durch Vermögensverwalter für Frugalisten keine Option ist, müssen sie sich selbst das notwendige Wissen aneignen.

Ziehst Du den Frugalismus für Dich in Betracht, dann musst Du Dich auf jeden Fall mit den verschiedenen Optionen zur Geldanlage auseinandersetzen. Neben Bankbroschüren und Büchern findest Du im Internet viele kostenlose Ratgeber und Foren. Wirf zum Beispiel einen Blick auf Frugalisten-Blogs, um Dir Wissen zu erarbeiten und Inspiration zu bekommen. Unten weiter im Artikel findest Du eine Liste mit den besten Frugalisten-Blogs zur weiteren Vertiefung.

Generell ist die Anlage in Wertpapiere für Frugalisten eine häufige Option. Angelegt wird auf lange Sicht und mit breiter Aufstellung. Zunächst sind ETFs (Exchange Traded Funds) eine Möglichkeit, um relativ kostengünstig in einen ganzen Markt zu investieren. Dabei handelt es sich um passiv gemanagte Investmentfonds an der Börse, die die Vorteile von Aktien und Fonds in sich vereinen sollen. Der wesentliche Unterschied zu klassischen Investmentfonds besteht darin, dass ETFs an der Börse notiert sind. Sie sind weder durch eine Laufzeitbegrenzung noch durch Kündigungsfristen eingeschränkt und die Aufbewahrung der Fondsanteile erfolgt in einem privaten Wertpapierdepot.

Neben ETFs sind kostengünstige Fonds sowie dividendenstarke Aktien eine interessante Anlagemöglichkeit für Frugalisten. Risikoreiche Produkte wie die Investition in Kryptowährungen und Einzelaktien stehen bei Frugalisten ebenfalls häufig auf der Agenda. Falls Du diesen Weg einschlagen möchtest, musst Du Dir aber über die damit einhergehenden Risiken im Klaren sein!

Was sparen Frugalisten?

Um Geld investieren zu können, musst Du zunächst Geld sparen. Wie erwähnt legt der bekannte Frugalist Oliver Noelting 60 Prozent seines Einkommens zur Seite. Die durchschnittliche Sparquote in Deutschland betrug laut Statista im Jahr 2021 etwa 15 Prozent (insgesamt wurden rund 311,8 Milliarden Euro gespart). Normalerweise ist diese Quote niedriger, die relativ hohe Sparquote von 15 Prozent ist nach wie vor auf die Auswirkungen der Coronakrise zurückzuführen.

Frugalisten versuchen allgemein eine Sparquote von mindestens 40 Prozent zu erreichen. Sie müssen also fast dreimal so viel sparen wie ein herkömmlicher Sparer. Bei einem Nettoeinkommen von 2.000 EUR im Monat würde das 800 EUR entsprechen. Lediglich 1.200 EUR bleiben übrig, um das Leben zu bestreiten.

Im Internet gibt es zahlreiche Rechner für angehende Frugalisten, falls Du Dir ausrechnen möchtest, wie viel Geld Du auf die Seite legen musst, um früh in den Ruhestand zu gehen. Hier findest Du einen Frugalistenrechner.

Was sind die Nachteile von Frugalismus?

Eines steht fest, für den Frugalismus muss man geschaffen sein. Wenn Du Dir gerne ein wenig Luxus gönnst oder generell nicht bei jedem Einkauf einen Kassasturz machen möchtest, dann ist diese Lebensform möglicherweise nicht die richtige für Dich. Die frugalistische Lebensweise sollte jedoch niemals in eine Selbstgeißelung ausarten. Überlege Dir, auf welche Produkte Du relativ einfach verzichten kannst und fange zunächst dort an. Leitungswasser anstatt teurem Mineralwasser, eine Mitgliedschaft in der Bibliothek anstatt neuer Bücher, ein Fahrradausflug anstatt einem Städtetrip – Du musst auf nichts verzichten, aber Du musst Deinen Fokus ändern.

Der Frugalismus steht häufig in Kritik, da sparsames Leben oftmals auf Dumpingpreisen basiert. Billigstes Essen oder günstige Kleidung gehen häufig auf Kosten der Produzenten beziehungsweise Arbeiter, die diese Produkte herstellen. Diesem Kritikpunkt können Frugalisten jedoch einfach entgegenwirken, indem eigene Lebensmittel angebaut werden bzw. reduzierte Lebensmittel mit fast abgelaufenen Haltbarkeitsdatum gekauft werden. Bei der Kleidung kann auf ethisch hergestellte Second-Hand-Produkte gesetzt werden.

Ein weiterer Nachteil des Frugalismus ist, dass Du einen langen Atem brauchst. Mit 40 finanziell unabhängig zu sein erfordert viel Vorbereitung, stelle Dich also auf einen Marathon ein und keinen Sprint. Es ist ein langwieriger Prozess, der sich stark auf Deinen Lebensstil auswirkt und auf längere Sicht gelebt werden muss. Zudem musst Du Dir genügend Wissen über Investitionsmöglichkeiten aneignen, damit Du letzten Endes nicht ohne Geld dastehst.

So bescheiden zu leben hat auch Effekte auf das Sozialleben. Bist Du ein geselliger Mensch, dann wird der Frugalismus auch Auswirkungen auf Dein soziales Umfeld haben. Vielleicht wirst Du nicht mehr alles mit Deinen Freunden unternehmen können, was ihr zuvor gemeinsam gemacht habt, da Du Dein Geld ja lieber auf die Seite legst. Du musst Dich möglicherweise auf Kritik und Unverständnis einstellen.

Letztendlich kann das eigentliche Ziel des Frugalismus sich für Dich auch als Nachteil herausstellen. Es klingt verlockend, nicht mehr tagein, tagaus im Büro sitzen zu müssen. Doch was machst Du mit Deiner Zeit, wenn Du tatsächlich finanziell unabhängig und nicht mehr erwerbstätig bist? Wenn Dir dieser Gedanke eher zusetzt, dann solltest Du Deine Frugalisten-Pläne nochmals überdenken. Bist Du hingegen „Fire“ und Flamme, dann schau Dir die Blogs im folgenden Kapitel näher an, um Erfahrungsberichte und weitere Tipps zu lesen.

Die besten Frugalisten-Blogs

Wenn Du aus erster Hand mehr über das Leben als Frugalist erfahren möchtest, dann wirf doch einen Blick auf die folgenden Frugalisten-Blogs, die wir für Dich zusammengestellt haben:
TOP 1 https://frugalisten.de/ – Blog des bekannten Frugalisten Oliver Noelting
TOP 2 https://frugalzumglueck.com/blog/ – Blog mit zahleichen Tipps rund um den bescheidenen Lebensstil
TOP 3 https://www.mrmoneymustache.com/blog/ – englischsprachiger Blog des Frugalisten-Vorreiters Pete Adeney aka Mr. Money Mustache
TOP 4 https://retireby40.org/ – englischsprachiger Fire-Blog von Joe Udo, der sich mit 38 zur Ruhe setzte und auf seiner Seite Infos zu passivem Einkommen und Vermögensaufbau bietet
TOP 5 https://www.thebudgetmom.com/blog/ – englischsprachiger Blog, der vor allem Familien beim Erreichen der finanziellen Unabhängigkeit helfen möchte

Ist Dir Luxus egal, dann lebe frugal

Der bescheidene Lebensstil des Frugalismus zielt darauf ab, möglichst früh finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen. Das unterscheidet ihn vom Minimalismus, bei dem Konsumverzicht und die Vereinfachung des Lebens im Mittelpunkt stehen. Durch stetiges Sparen, Reduktion der laufenden Kosten und clevere Geldanlagen wollen Frugalisten den Ruhestand bereits mit 40 erreichen. Wenn Dir finanzielle Freiheit wichtig ist, Du aber nicht bis ins hohe Alter erwerbstätig sein möchtest, dann ist der Frugalismus möglicherweise eine geeignete Option für Dich.

Die 2007 entstandene Szene findet stetig mehr Anhänger. Wenn Du einer von ihnen werden möchtest, dann solltest Du Dir zunächst Deine Finanzen anschauen. Hast Du das 25-fache Deines eigenen Jahresbedarfs zurückgelegt und gut investiert, dann rückt die frühzeitige Rente bereits in greifbare Nähe.

Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass Du genug sparst und Dich mit den verschiedenen Geldanlagen auseinandersetzt und Dein Kapital gut investierst. Viele Frugalisten setzen auf ETFs, kostengünstige Fonds oder dividendenstarke Aktien, um ihr Erspartes zu vermehren. Auch risikoreiche Produkte wie Kryptowährungen oder Einzelaktien kommen in Frage. In diesem Fall musst Du Dir aber über die damit verbundenen Risiken bewusst sein. Wichtig ist, dass Du Dich intensiv mit Geldanlage beschäftigst und Dir einen guten Grundstock an Wissen aneignest. Ein Finanzberater, der das kostenpflichtig für Dich übernimmt, ist nämlich Deinem Hauptziel – dem Sparen – nicht zuträglich.

Ein erster Schritt, um überhaupt Kapital anzusparen, ist die Umsetzung der Spartipps in diesem Artikel. Wenn Du kein Problem mit Verzicht hast und ohnehin ein fleißiger Sparer bist, dann probiere diesen Lebensstil doch einfach aus. Aber vergiss nicht, dass Du einen Marathon vor Dir hast und keinen Sprint.

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