Am vergangenen Sonntag, den 14. September 2025, verwandelte sich die Pfarrkirche St. Stephanus in Oberthal in einen Ort der musikalischen Begegnung. Anlässlich des Kirchenmusiktages des Pastoralen Raumes St. Wendel kamen vier Kirchenchöre zusammen und erfüllten das komplett besetzte Gotteshaus mit ihren Stimmen. Insgesamt 120 Sängerinnen und Sänger aus den Chören Oberthal-Güdesweiler-Baltersweiler, Freisen-Oberkirchen, St. Anna St. Wendel-Winterbach-Bliesen sowie dem Chor der Wendelinus-Basilika St. Wendel gestalteten gemeinsam die musikalische Feierstunde.
Der Oberthaler Pfarrer Erwin Recktenwald betonte in seiner Ansprache die zeitlose Kraft der Musik: „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir in dieser Formation hier zusammenkommen“, erklärte er und fügte hinzu: „Seit Jahren sind Kirche und Musik untrennbar. Bereits vor vierzigtausend Jahren haben Menschen schon Musik miteinander gemacht.“ Mit diesen Worten verband er die Anfänge menschlicher Musikkultur mit dem aktuellen Ereignis.
Den musikalischen Anfang machte der gastgebende Chor aus Oberthal-Güdesweiler-Baltersweiler mit Francesco Meneghellos „Pilger der Hoffnung“. Es folgten „Wenn Lieder und Worte versagen“ von Karl Heizmann und „Heilig, heilig“ von Gregor Fischer. Als alle vier Chöre erstmals gemeinsam Mozarts „Ave verum“ anstimmten, entstand ein besonderer Moment – die Anwesenden nahmen eine beinahe fühlbare Stille wahr, durchbrochen nur vom gemeinsamen Gesang.
Unter der Stabführung von Anatol Raisow präsentierte der Chor aus Freisen-Oberkirchen mit „Still ist die Nacht“ von Georg Becker einen ruhigen Programmpunkt. Ernst Beckers „Milde Königin“ brachte marianische Töne in die Veranstaltung. Alle Chöre fanden sich erneut für Wolfgang Lindners „Ubi Caritas“ zusammen, dessen Text „Wo die Liebe wohnt, da ist Gott“ durch die vereinten Stimmen besondere Wirkung entfaltete.
Michael Klein dirigierte den Chor St. Anna St. Wendel-Winterbach-Bliesen bei Auszügen aus Werner Menschiks Missa Laetatus sum. Das „Gloria“ verbreitete spürbare Freude, während „Stimmet Hosianna an“ von Christoph Briegel barocke Klänge in den Raum trug. Die Violinistinnen Marta Hemkemeier und Angela Bay sorgten mit Paul Delignes „Jasmin“ und Jean Baptiste Lullys „Gavotte“ für instrumentale Vielfalt.
Stefan Klemm leitete den Chor der Wendelinus-Basilika bei Ola Gjeilos „Kyrie“ aus der Sunrise Mass, das mit seiner besonderen Klangfarbe an einen musikalischen Tagesanbruch erinnerte. „Strahlen brechen viele aus einem Licht“ von Klaus Wallrath bildete mit seiner steigernden Dynamik einen weiteren Programmhöhepunkt. Die Orgelbegleitung übernahm Martina Haßdenteufel.
Alle Chöre schlossen sich zum Finale für Michael Bevans „Gott rief diese Welt ins Leben“ zusammen – ein musikalisches Dankgebet für die Schöpfung. Matthias Demuth rundete die Veranstaltung mit einer spontanen Orgelimprovisation ab, die Bevans Komposition noch einmal aufnahm.
Die Veranstaltung markierte einen wichtigen Zeitpunkt für die katholische Kirche in der Region: Ab dem 1. Januar des nächsten Jahres wird der Pastorale Raum St. Wendel offiziell eingerichtet. Er umfasst die drei Pfarreiengemeinschaften Freisen-Oberkirchen, Oberthal-Namborn und St. Wendel. Der Kirchenmusiktag demonstrierte bereits jetzt, wie verschiedene Gemeinden durch gemeinsames Musizieren zusammenfinden können.



