Interview

Zwischen Groll und Empathie- Wie geht man mit negativen Menschen um?

Jeder von uns hat schon einmal mit negativen Menschen in seinem Umfeld zu tun gehabt, oder? Sie nörgeln und klagen grundsätzlich immer, finden stets das Haar in der Suppe und haben einfach eine negative Grundeinstellung. Wer ist es bei euch? Die Tante? Der Arbeitskollege? Oder vielleicht die Partnerin des besten Freundes? Wie wir negative Menschen erkennen, mit so viel Pessimismus umgehen ohne nur noch schwarz zu sehen und unserer positiven Einstellung treu bleiben, erfahrt ihr im folgenden Interview mit Psychologiestudentin Kathrin Beier aus St. Wendel.

Wndn.de: „Woran erkennen wir „negative“ Menschen?“

Beier: „Das Essen hat schon Mal besser geschmeckt, der Sommer ist zu warm, der Winter zu kalt, der Parkplatz da hinten wäre besser gewesen und das Glas ist natürlich halb leer- wir können es negativen Menschen einfach nicht recht machen, egal was wir tun. Sie sind defizitorientiert und finden stets einen Grund, etwas schlecht zu reden und aufzubauschen. Negative Menschen meckern am laufenden Band und neigen zu lauten, überzogenen und cholerischen Verhaltensweisen. Außerdem lästern sie gerne und lassen oft kein gutes Haar an anderen Menschen. Auch die Hervorhebung ihrer Rolle als Opfer, als benachteiligte Person in sämtlichen Lebenslagen ist typisch. Sie bemitleiden sich selbst, und freudige Ereignisse werden meist gänzlich ausgeblendet. Darüber hinaus beziehen sie grundsätzlich alles auf sich, fühlen sich schnell angegriffen und jammern ununterbrochen. Letztlich verhalten sie sich egoistisch, weil sie immerzu von sich selbst reden und nur von ihren Problemen in allen Lebensbereichen berichten, ohne andere zu Wort kommen zu lassen. Zudem nutzen sie andere aus, um ihren emotionalen Ballast abzuladen, und das ist langfristig gesehen eine belastende Situation für die Zuhörer.“

Wndn.de: „Wie gehen wir am besten mit negativen Menschen um?“

Beier: „Damit die negative Aura nicht auf uns abfärbt, sollten wir achtsam sein und aufpassen, dass wir unseren Optimismus und unsere Zuversicht nicht verlieren. Nur das halb leere Glas zu sehen, verstimmt und macht auf Dauer unglücklich. Wo wir den Kontakt zu negativen Menschen reduzieren können, sollten wir dies tun, sofern wir Probleme haben uns emotional abzugrenzen. Überdenken wir manche Bekannt- und Freundschaften, die uns letztlich immer wieder ein schlechtes Gefühl vermitteln. Mit negativen Arbeitskollegen, die wir nicht so einfach aus unserem Leben verbannen können, sollten wir professionell umgehen, uns auf die beruflichen Belange fokussieren und versuchen, uns so gut es geht von negativen Gesprächen fernzuhalten. In die dunkle Gedankenspirale lassen wir uns nicht hineinziehen, und auf deplatziertes oder aggressives Verhalten gehen wir gar nicht erst ein. Liegt uns ein Freund am Herzen, der ständig negativ agiert und uns damit belastet, sollten wir das Gespräch suchen und gemeinsam ergründen, welche Ursachen dahinterstecken. Ganz allgemein sollten wir aber auch Verständnis für unser Gegenüber zeigen und versuchen, uns in seine Lage zu versetzen, denn in der Regel kommt der Dauerpessimismus nicht von ungefähr. Seien wir empathisch, denn einige Menschen haben schwere Schicksalsschläge erlitten, die sie geprägt und ihr Leben nachhaltig verändert haben. Wenn uns die Negativität angesteckt hat, dürfen wir uns auch mal kurz ärgern, aber das Ganze nicht weiter an uns heranlassen. Es ist wichtig, den Fokus schnell wieder auf das Positive zu lenken und umzuwandeln, etwa in Form von Gesprächen mit Vertrauten, Ablenkung durch Hobbys wie sportliche oder kreative Aktivitäten.“

Wndn.de: „Und wie gelingt es uns dauerhaft unsere positive Haltung  zu bewahren?“ Beier: „Jeder Mensch reagiert, bedingt durch seine individuelle Persönlichkeit, seine Erziehung und sein Umfeld, anders auf eine bestimmte Situation. Manche Menschen sind empfänglicher für Negativität und reagieren schneller verärgert oder lassen sich mit in den Sumpf aus tristen Gedanken hineinziehen, andere weniger. Ob wir es jedoch zulassen, einer negativen Person sozusagen eine Plattform zu bieten, liegt bei uns. Wenn in uns selbst negative Emotionen als Resultat auf den Kontakt mit einer negativ eingestellten Person entstehen, liegt es auch in unserer Macht, diese abzumildern und umzukehren. Wenn wir uns ärgern, ist es von besonderer Bedeutung, dieses Gefühl anzunehmen, zu akzeptieren und wieder gehen zu lassen, sonst geraten wir selbst wieder in den Teufelskreis des Pessimismus, und dann reagieren auch wir genervt, gereizt und vielleicht sogar überzogen. Nehmen wir diese negative Energie, ergründen, warum uns dieses bestimmte Verhalten oder die gewählten Worte belasten und wandeln sie in positive Kraft um. So distanzieren wir uns von der reinen Gefühlsebene und handeln klarer. Wenn wir zudem noch hinterfragen, warum der negative Mensch in dieser bestimmten Art und Weise gehandelt hat, gelingt es uns besser, Verständnis und Mitgefühl aufzubringen. Welche tief verwurzelten Bedürfnisse stecken hinter dem Handeln der negativen Person? Hinter einem negativen Dauermonolog verbirgt sich oft der Wunsch, gesehen und gehört zu werden, sprich das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, denn einem Menschen, der glücklich und zufrieden ist, wird gewöhnlich weniger Beachtung geschenkt, denn diesem geht es ja gut. Mit wachsendem Verständnis für andere schwindet der eigene Groll viel leichter, also seien wir einfühlsam. Empathie ist das Schlüsselwort in Bezug auf negative Menschen, denn sie verhindert impulsive Worte und Taten und schafft Verständnis und Nachsicht. Unerklärliche Verhaltensweisen verunsichern und verärgern uns, Klarheit hingegen schafft Sicherheit.“

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