Weniger Ausbildungsverträge

Woche der Ausbildung: Rehlinger im Austausch mit Kammern

stellv. Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (BTS Photo by Fionn Grosse)

Corona hat auch auf dem Ausbildungsmarkt Spuren hinterlassen: Im laufenden Ausbildungsjahr 2020/21 wurden rund 1.000 Verträge weniger abgeschlossen als im Jahr zuvor. Das entspricht einem Rückgang von 14 Prozent. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger hat daher am Mittwoch, 17. März, die saarländischen Kammern sowie das Ministerium für Bildung und Kultur zu Beratungsgesprächen eingeladen.

„Die Woche der Ausbildung läuft gerade bundesweit. Diesen Schwung wollen wir mitnehmen und mit vereinten Kräften alles daransetzen, den Ausbildungsmarkt wieder zu stabilisieren“, so die Ministerin. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge müsse wieder deutlich steigen. „Es geht um nichts weniger, als um die Zukunft unserer Jugend und um die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes. Die Kombination aus Theorie und Praxis der dualen Berufsausbildung ist weltweit unschlagbar und ein Garant unseres Wohlstandes. Auszubildende werden damit optimal auf ihr späteres Berufsleben vorbereitet. Das ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Wir stellen jedoch fest, dass wir noch an einigen Stellschrauben drehen müssen, um mehr junge Menschen von ihrem Glück überzeugen zu können.“

An den Beratungsgesprächen nahmen neben Vertreterinnen und Vertretern der beiden Ministerien die für duale Ausbildungsberufe fachlich zuständigen Kammern teil, darunter die Industrie- und Handelskammer aber auch kleinere Kammern, wie beispielsweise Landwirtschaftskammer und die Ärztekammern.

„Viele Ausbildungsbetriebe sind durch die Pandemie stark betroffen. Sie haben massive Einbrüche, mussten Kurzarbeit beantragen und durch den langen Lockdown sind häufig Rücklagen und Eigenkapital zu großen Teilen aufgebraucht“, so IHK- Geschäftsführer Peter Nagel. „In so einer Situation sind Personalanpassungen notwendig und dementsprechend musste die Ausbildungsaktivität reduziert oder sogar ganz eingestellt werden. Hinzu kommt: Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen fehlte die Berufsorientierung, d.h. sie kennen Alternativen zu weiterführenden Schulen kaum – insbesondere auch nicht die attraktiven Karriereperspektiven einer dualen Ausbildung. Zu viele wählen den vermeintlich sichereren Weg einer weiterführenden Schule, anstatt sich für eine betriebliche Ausbildung zu bewerben. In dieser schwierigen Zeit unterstützen wir die Betriebe bei ihrer Nachwuchsgewinnung: So gehen wir unter anderem aktiv auf die Schulen zu, bieten digitale Berufsorientierungstage, coachen Jugendliche mit Migrationshintergrund und versuchen, Jugendliche und Betriebe zusammen zu bringen.“

Zu Beginn der Beratungen wurden zunächst die aktuelle Ausbildungssituation in den jeweiligen Berufsbildern sowie die spezifischen Problemlagen erörtert. Anschließend wurden konzeptionelle Vorschläge für ein gemeinsames, koordiniertes Vorgehen besprochen.



Ministerin Anke Rehlinger präsentierte den Teilnehmenden dabei u.a. ein neues Projekt des Wirtschaftsministeriums zur Verbesserung der beruflichen Orientierung: Die Praktikumswoche soll Schülerinnen und Schülern der Klassen 8 bis 13 in den Sommerferien einen Einblick in verschiedene Berufsbilder, Betriebe und Karriereplanungen bieten. Hierfür wird eine eigene Internetplattform zur Verfügung gestellt, auf der sich sowohl die Jugendlichen als auch die Betriebe registrieren können. Das Besondere dabei: Innerhalb einer Woche haben die jungen Teilnehmer die Möglichkeit, jeden Tag ein anderes Unternehmen in der Region kennenzulernen. Dadurch können nachhaltige Verbindungen zu den Betrieben entstehen und zu weiteren Praktika und Ausbildungsverträgen führen.

Des Weiteren vereinbarten die Vertreterinnen und Vertreter der eingeladenen Kammern, bei ihren Mitgliedern fortan stärker für das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ zu werben. Im Rahmen dieses Programms werden Ausbildungsprämien an Betriebe gezahlt, die von Kurzarbeit betroffen waren und deren Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen sind. Das Prämienangebot des Bundes wird derzeit allerdings von den saarländischen Betrieben noch teilweise zögerlich nachgefragt. Dies wollen die Kammern zukünftig durch gezielte Informationsmaßnahmen ändern.

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger zeigte sich am Ende der Beratungsgespräche zufrieden: „Alle wissen, worum es geht und ziehen an einem Strang. Es geht mir auch nach wie vor darum, Jugendliche zu unterstützen, die trotz nachweislicher Bemühungen keinen Ausbildungsplatz finden.“ Das könne über eine Ausbildungsgarantie des Landes geschehen, so die Ministerin. Das erste Ausbildungsjahr könne demzufolge außerbetrieblich durchgeführt werden, anschließend stehe der Wechsel in eine reguläre betriebliche Ausbildung an. Alle, denen dieser Wechsel nicht gelingt, erhalten die Möglichkeit, eines öffentlich geförderten Ausbildungsabschlusses in einer außerbetrieblichen Einrichtung. Während dieser außerbetrieblichen Ausbildung kann jederzeit ein Wechsel zu einem Betrieb erfolgen. Dazu muss man gemeinsam mit der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit die Rahmenbedingungen festlegen.

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