Wir sind katholisch – Nur eben nicht mehr so viel – Ein Kommentar

In der vergangenen Woche wurde die Jahresstatistik des Bistums Trier für 2019 vorgestellt. Dass dabei erneut weniger Katholiken gezählt wurden, überraschte hoffentlich niemanden mehr. Zum Stichtag lebten 1.310.600 Katholikinnen und Katholiken auf dem Gebiet des Bistums Trier (2018: 1.337.800); das sind 53,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Damit hat die Zahl um 27.200 (rund 2 %) abgenommen. „Die aktuellen Zahlen zum kirchlichen Leben in Deutschland und unserem Bistum sind nicht schön zu reden“, kommentiert es auch Dr. Ulrich Graf von Plettenberg, Generalvikar des Bistums Trier. Alleine im Dekanat St. Wendel gab es im vergangenen Jahr 626 Kirchenaustritte. Und das sind nur die offiziellen Austrittszahlen. Wenn man nach dem Zugehörigkeitsgefühl der Mitglieder fragt, kämen sicher erschreckendere Ergebnisse. 

Doch woran liegt es, dass sich immer weniger Menschen mit der Katholischen Kirche verbunden fühlen? Seitens des Bistums zeigt man sich selbstkritisch: „Der Trend zurückgehender Katholikenzahlen zeigt, dass wir viele Menschen nicht mehr in ihren konkreten Lebenssituationen mit unseren Angeboten erreichen. Und wir geben offenbar bislang keine wirklich überzeugenden Antworten.“ Vor allem für jüngere Menschen scheint die Kirche diese Antworten nicht zu bieten. Aber auch im mittleren Alter fühlen sich einige von der Kirche im Stich gelassen. 

Frauen beklagen mangelnde Gleichberechtigung. Geschiedene wünschen sich mehr Seelsorge und weniger erhobene Zeigefinger. Junge Menschen belächeln die altmodische Sprache, die in der Bibel und im Gottesdienst noch immer fest verankert sind. 



So betrachtet, dürften nur noch alte Männer in der Kirche aktiv sein. Nun liegt der Altersdurchschnitt der Katholiken im Dekanat St. Wendel aber bei 49 Jahren. Also auch noch nicht so wahnsinnig alt. 

Trotzdem merkt man, dass die katholische Kirche ihren Einfluss in der Gesellschaft langsam immer mehr verliert. So spricht der Generalvikar zwar noch von 80.000 ehrenamtlich Engagierten im Bistum, doch vermutlich werden auch diese Zahlen in den kommenden Jahren noch stark sinken. Auch die Zahl der Kirchenbesucher sank bereits beachtlich und wird, nach den Corona-bedingten Kirchenschließungen und der Aussetzung von Taufen, Kommunionen, Trauungen und Beerdigungen, sicherlich im kommenden Jahr noch dramatischer ausfallen. 

Neben Missbrauchsfällen, dem Einsparen der Kirchensteuern und Verachtung der kirchlichen Strukturen geben viele an, dass Glaube in ihrem Leben einfach keine Bedeutung mehr hat.  

Also alles unnötig? Besser den ganzen Laden zusperren, bevor er sich runtergewirtschaftet hat? Akzeptieren, dass Kirche und der Glaube im modernen Leben keinen Platz hat? 

So einfach kann man es sich auch nicht machen. Denn neben der Relevanz für jeden Einzelnen, hat die Kirche auch einen wichtigen Stellenwert im gesellschaftlichen Leben. Altenheime, Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser. Vieles befindet sich in der Trägerschaft der Kirche. Viele soziale Projekte liegen in der Hand kirchlicher Träger. Caritas, Miserior, die Bolivienhilfe… um nur einige (katholische) Beispiele zu nennen. 

Und auch für jeden Einzelnen bietet die Kirche seelsorgerische Leistungen, die man in jeglichen Situationen nutzen kann. 

Probleme in der Ehe? – die Kirche bietet Paartherapien. 

Ein lieber Mensch ist verstorben? – Trauerbewältigung ist eine der Hauptaufgaben in der Seelsorge.

Schlechtes Gewissen? – klingt altmodisch, aber eine Beichte bei einem vertrauten Pastor kann befreiend sein. 

Aber auch bei positiven Erlebnissen bietet die Kirche Möglichkeiten, diese bewusster wahrzunehmen und zu genießen. Eine silberne Hochzeit zum Beispiel. Oder das Bekanntwerden einer Schwangerschaft. Vieles erhält durch einen (ganz privaten) Gottesdienst eine ganz neue Bedeutung. 

Denn auch wenn es der Bevölkerung so gut geht, wie schon lange nicht mehr, (Ja, auch in Zeiten von Corona kann eine solche Aussage noch getroffen werden) es scheint ein wenig das Bewusstsein zu fehlen, woher das alles kommt.  Es muss auch gar nicht jeder seine Antwort dazu in Gott und im Glauben finden. Aber, wenn der ein oder andere nochmal mehr darüber nachdenken würde -und ihm die Antwort dazu auch wichtig wäre- wären vermutlich weniger Menschen vom Glaube abgewandt. 

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