WFG.Wirtschaftskolumne #04.2021: Bitcoins – Zukunft oder Zockerei?

Julian Schneider Wirtschaftskolumne
Kolumnist: Julian Schneider, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH

Wenn uns das doch bloß jemand früher gesagt hätte! Dann hätten wir Ende 2009 16 Euro in Bitcoins investiert und besäßen heute ein Vermögen von über 10 Millionen Euro (Stand: 15.04.2021). Wir würden morgens die Augen öffnen, ein warmer Wind würde über unsere Haut wehen, in unserem Blickfeld wären lediglich Palmen, der Sandstrand und ein nicht enden wollendes Meer – das Paradies auf Erden. Machen wir uns nichts vor: Ende 2009 hat von uns keiner etwas dergleichen unternommen. Keiner von uns hat zu diesem Zeitpunkt in Bitcoins, Ethereum, Ripple oder andere Kryptowährungen investiert. Sollten Sie doch schon zu den Bitcoin-Pionieren gehört haben, gratuliere ich Ihnen herzlich dazu.

Die Brisanz des Bitcoins hat in den letzten Wochen und Monaten weiter zugenommen. Der Kurs der Kryptowährung hechelt von Rekordhoch zu Rekordhoch. Immer mehr Menschen stellen sich Fragen wie: „Soll ich einsteigen und wenn ja, in welcher Höhe?“, „Lohnt es sich noch?“. Die Unsicherheiten des Bitcoins beschleichen die Finanzwelt bis heute und bringen immer wieder neue Kursziele hervor. Während die Investment Legende Cathie Wood von einem Kursziel im sechsstelligen US-Dollar Bereich träumt, spricht der Wirtschaftsprofessor Thorsten Hens von nicht mehr als dem unausweichlichen Ende des Bitcoins. Die Expertenmeinungen sind gespalten, die Kursschwankungen tun ihr Übriges. Es stellt sich also die Frage, ob der Bitcoin als reine Zockerei à la Gordon Gekko abgestempelt werden kann oder ob dahinter eine zukunftsweisende Technologie steckt?



Schauen wir zurück in das Jahr 2008. Damals umschrieb ein Herr Satoshi Nakamoto die Vision des Bitcoins. Lassen Sie sich den Namen noch einmal auf der Zunge zergehen: Satoshi Nakamoto. Dem Namen liegt etwas Mystisches inne, ähnlich einem Blockchain-Shaolin oder einem Krypto-Samurai. Spannend dabei ist, dass die echte Identität des Bitcoin-Erfinder bis heute nicht vollends verifiziert ist. Es herrscht die Annahme, dass Satoshi Nakamoto ein Nickname war, den der Gründer in Foren nutzte. Unabhängig davon lässt sein Blockchain-Protokoll erahnen, dass er aufgrund des ansteigenden Bitcoin-Kurses inzwischen zu den reichsten Menschen der Welt gehört. Und das nicht ohne Grund: Hinter dem Bitcoin stehen beeindruckende Zahlen: Heute liegt der Preis für einen Bitcoin bei 55.081,20 70 US-Dollar (Stand: 27.04.2021). Inzwischen ist aus Nakamotos Idee ca. 1.500 Milliarden US-Dollar neues Vermögen entstanden.

Was verbirgt sich nun genau hinter dieser sagenumwobenen Kryptowährung? Auf den ersten Blick unterliegt man der Annahme, dass der Bitcoin eine Geldeinheit ist, wie der Euro, US-Dollar, japanische Yen oder chinesische Renminbi. Zu diesen klassischen Währungen ergeben sich jedoch grundlegende Unterschiede. Kryptowährungen sind digitale Währungen, die dezentral gespeichert werden und kryptografisch verschlüsselt sind. Was ist damit gemeint? Gehen wir die genannten Punkte einfach mal durch: Eine Digitalwährung ist dadurch kennzeichnet, dass sie nur virtuell über das Internet verfügbar ist. Der Euro ist im Gegensatz dazu auch physisch vorhanden, sprich in Münzen und Geldscheinen. Der nächste Aspekt bezieht sich auf den Sicherheitsanspruch des Bitcoins: Die Abkürzung Krypto steht für Kryptografie und beschreibt, im vereinfachten Sinne, die umfangreiche Verschlüsselung hinter der Währung. Um genau zu sein, handelt sich um eine asymmetrische Verschlüsselungsmethode. Die Ausführung dieser Verschlüsselungstechnologie würde an dieser Stelle jedoch zu weit führen. Mit der Dezentralität der Währung ist gemeint, dass beim Bitcoin der Zahlungsverkehr nicht über eine zentrale Stelle (z. B. eine Bank) abgewickelt wird. Die Zahlung verläuft von Privatperson zu Privatperson. Im Gegensatz zu den klassischen Währungen, den sogenannten FIAT-Währungen (Euro, US-Dollar etc.), wird der Bitcoin nicht durch Finanzinstitutionen (z. B. FED, EZB) oder staatlichen Einheiten reguliert oder geschöpft. Beim Euro schafft die Europäische Zentralbank (EZB) das Geld und gibt es in den Wirtschaftskreislauf. Beim Bitcoin geschieht dies durch Privatpersonen. Vielleicht hat der ein oder andere schon einmal vom zugehörigen Krypto-Mining gehört. Inzwischen wird der Bitcoin in verschiedenen Ländern für den Zahlungsverkehr zwischen Privatpersonen genutzt. Aufbewahrt werden die Bitcoins in digitalen Geldbeuteln, sogenannte Wallets. Mit dem Laptop oder dem Smartphone kann man in diese digitalen Geldbeutel reinschauen. Beim klassischen Geldsystem befindet sich das Geld auf einem Konto bei der Bank. Der Bitcoin liegt hingegen dezentral im Wallet des einzelnen Bitcoin-Besitzers. Soweit die Logik hinter dem Bitcoin. Was ist jedoch das Besondere an dieser Kryptowährung? Weshalb sehen manche die Währung als Zukunft der Finanzindustrie und andere wiederum als die Kryptoblase, bei der es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie platzt?

Die Befürworter des Bitcoins argumentieren, dass die verbundenen Transaktionen ohne zwischengeschaltetes Regulativ schneller und kostengünstiger verlaufen. Dieser Aspekt beträfe vor allem Auslandsüberweisungen, wo sich die Kostenunterschiede besonders bemerkbar machen würden. Außerdem spricht ihrer Meinung nach für den Bitcoin, dass dieser 24 Stunden am Tag handelbar ist. Die Bitcoin-Vertreter sehen es ebenfalls als Vorteil an, dass der Bitcoin unabhängig von zentralen Instituten funktioniert. Das Zauberwort lautet hier Dezentralität. Ein weiterer Pluspunkt sei der Schutz vor Inflation, der mit dem Bitcoin einhergeht: Die maximal verfügbare Menge von Bitcoins ist auf 21 Millionen Stück begrenzt. Eine Begrenzung der Geldmenge reduziere die Inflationsgefahr. Sind 21 Millionen Bitcoins im Umlauf, können keine weiteren Bitcoins hergestellt werden. Außerdem werden Bitcoins aufgrund ihrer technologischen Basis anonym gehandelt, was von vielen ebenfalls als Mehrwert angesehen wird.

Die Nachteile des Bitcoins ergeben sich aus einem anderen Blickwinkel auf die dargelegten Vorteile: Aufgrund der Dezentralität des Bitcoins fehle die Regulierung und Stabilisierung durch eine zentrale Stelle. In Krisenzeiten gibt es keine Währungshüter, die einstehen können und die Währung als zentrales Organ stützen. Der Bitcoin könne von heute auf morgen wertlos werden. Die Gegner des Bitcoins argumentieren weiter, dass dieser bisher von nur wenigen Stellen als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Seit Mitte/Ende März hat Tesla Bitcoins als Zahlungsmittel für seine Fahrzeugmodelle zugelassen. Diese Sache hat aber noch einen kleinen Haken: Möchte man von seinem Rückgaberecht Gebrauch machen, wird das Geld entweder in US-Dollar oder in Bitcoins zurückgezahlt. Mit Blick auf die Achterbahnfahrt des Bitcoin-Kurses handelt es sich dabei um eine sehr gewagte Entscheidung. Die Gegner des Bitcoins verweisen außerdem häufig darauf, dass insbesondere Kriminelle Bitcoins als Zahlungsmittel verwenden. Die Anonymität des Bitcoins stütze den Schwarzmarkt im Darknet und die zunehmend entstehende Cyberkriminalität. Der Bitcoin sei außerdem aus umweltbezogenen Gesichtspunkten kritisch zu betrachten: Eine Studie von nature communications hat prognostiziert, dass bis zum Jahr 2024 der jährlich für das Schürfen von Bitcoins aufgewendete Stromverbrauch von China den jährlichen Gesamtstromverbrauch von Italien und Tschechien übersteigen werde.

Die Liste der Pro- und Kontra-Argumente könnte noch viel weitergeführt werden. Sind Bitcoins nun Zukunft oder Zockerei? Eine Antwort auf diese Frage scheint aktuell nicht abschließend möglich und gleicht einem Blick in die Glaskugel. Unabhängig von den zukünftigen Kursentwicklungen erscheint die Technologie hinter dem Bitcoin sehr viel interessanter: die Blockchain-Technologie. Hier wage ich die Prognose, dass die Blockchain-Technologie in Zukunft bestehen bleiben wird und mit ihr viele Bereiche revolutioniert werden. Hierzu gerne in einer anderen Kolumne mehr!

Zum Autor: 

Julian Schneider ist seit Januar 2021 Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land mbH. In seiner, immer am letzten Donnerstag des Monats erscheinenden Kolumne bringt er Wirtschaftsthemen verständlich und hochaktuell ins St. Wendeler Land.

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