WFG.Wirtschaftskolumne #03.2021: Wirtschaftsförderung im Jahr 2021

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Ich bekenne mich schuldig. Heute lesen Sie in meiner Kolumne über ein Thema, bei dem Sie mir den Eigennutz sicherlich nicht ganz absprechen werden. Es geht um Wirtschaftsförderungen und deren Auftrag für die eigene Region oder Stadt. Manch einer mag beim Lesen des Namens Wirtschaftsförderung gelangweilt auf der Tastatur einschlafen. Ich verstehe Sie. Wirtschaftsförderungsgesellschaft klingt lange nicht so en vogue wie Apple, JPMorgan oder Virgin. Dabei sind die Dienstleistungen regionaler Wirtschaftsförderungen ungemein vielfältig und ich glaube, dass für jeden etwas dabei sein kann.

Fangen wir vorne an: Wirtschaftsförderung ist eine gesetzliche Aufgabe zur Stärkung der Wirtschaft einer Region. Sie unterstützt Rahmenbedingungen damit wirtschaftliche Akteure unternehmerisch und wertschöpfend tätig sein können. Dabei beschränkt sich Wirtschaftsförderung längst nicht nur auf eine regionale Ebene. Wirtschaftsfördernde bzw. -politische Maßnahmen beginnen auf internationaler Basis: Schauen wir zur Welthandelsorganisation (WTO), die sich für stabilen Handel einsetzt und versucht, Handelshemmnisse zu reduzieren (in den vergangenen Jahren gab es eher Diskussionen über Strafzölle für Tomatenketchup oder Erdnüsse). Auf europäischer Ebene versucht die Europäische Zentralbank (EZB) mit Anleihekäufen die Liquidität von Geldinstituten zu erhöhen. Auf nationaler Ebene bieten Förderprogramme finanzielle Unterstützungsangebote für wirtschaftlich handelnde Akteure.



Regionale Wirtschaftsförderung leitet sich aus all diesen übergeordneten, wirtschaftspolitischen Ansprüchen ab. Sie bezieht sich auf den eigenen Standort und versucht, die Attraktivität der Wirtschaftsregion zu steigern. Bestätigt wird diese Aufgabe durch ein verstaubtes Schriftstück einer bedeutsamen Innenministerkonferenz vom 27.4.1981: Zu den klassischen Aufgaben von Wirtschaftsförderungen zählen Existenzgründungsberatungen, die Begleitung von Unternehmensansiedlungen, Bestandspflege, Fördermittelberatung, Netzwerkaktivitäten und vieles mehr. Neuste Untersuchungen (z. B. Stembers über 400 Seiten dicker Schinken zum Thema Innovative Wirtschaftsförderungen aus dem Jahr 2020) zeigen, dass Wirtschaftsförderung unbedingt weiterzudenken ist. Sogenannte Megatrends wirken auf Regionen ein und können dabei zu tiefgreifenden Veränderungen führen. Im ländlichen Raum zählen hierzu zum Beispiel die Megatrends Urbanisierung, Gesundheit, New Work, Überalterung der Bevölkerung, Mobilität, Digitalisierung und Klimaschutz. All diese Entwicklungsprozesse verändern das Wirtschaftsgebaren einer Region mit rasanten Unternehmensauf- bzw. abstiegen und verkürzten Entwicklungsdynamiken. Die Spielregeln für Geschäftsmodelle erfahren einen Wandel, woran Megatrends keinen unerheblichen Beitrag haben. Innovative Ansätze von Wirtschaftsförderungen münzen Megatrends in eigene Tätigkeitsfelder um. 

Im Landkreis St. Wendel ist regionale Wirtschaftsförderung in zwei große Teilbereiche untergliedert: Klassische Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung. Klassische Aufgaben (z. B. Bestandspflege) sind die Basis allen Handelns der Wirtschaftsförderung St. Wendeler Land. Regionalentwicklung, als zweiter Tätigkeitsschwerpunkt, beschreibt den besagten Blick über den Tellerrand hin zur Bearbeitung der Megatrends. Diesen Schritt ist die Wirtschaftsförderung St. Wendeler Land schon vor Jahren gegangen und hat damit frühzeitig eine weitreichende Philosophie von Wirtschaftsförderung vertreten: Dies ist Verdienst meines Vorgängers Hans-Josef Scholl, der schon um das Jahr 2010 erkannt hat, dass Megatrends auf das St. Wendeler Land einwirken und einen Wirkungsgrad haben, der die Region einschneidend verändern kann. Er hat insbesondere mit den Themen Klimaschutz und Gesundheit zwei Megatrends aufgegriffen und in ein Tätigkeitsfeld bei der Wirtschaftsförderung St. Wendeler Land überführt. Inzwischen werden viele der genannten Megatrends bei der Wirtschaftsförderung bearbeitet. Diese Jahrhundertaufgabe ist von unbeschreiblichem Wert und ist keineswegs allein von einer Wirtschaftsförderung zu bewältigen. Daher hat sich im Landkreis St. Wendel ein Verbund an Akteuren zusammengefunden, das sogenannte Regionalentwicklungsdreieck des Sankt Wendeler Lands. Hierzu zählen der Landkreis mit den kreisangehörigen Kommunen, die KulturLandschaftsInitiative St. Wendeler Land e. V. und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land mbH. In diesem Regionalentwicklungsverbund können positive Netzwerkeffekte entstehen, die zu bestmöglichen Ergebnissen der Regionalentwicklung führen. Daher ist ein kombinatorischer Ansatz aus klassischen Aufgaben und der Bearbeitung wegweisender Megatrends die Zukunft von regionalen Wirtschaftsförderungen. 

Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben, sei mir ein kleiner Tipp am Ende des Textes erlaubt: Nehmen Sie gerne Kontakt mit der Wirtschaftsförderung in Ihrer Region auf. Manchmal erfahren Sie von einem spannenden Förderprogramm oder von einer interessanten Veranstaltung. Vielleicht bekommen Sie einen spannenden Kontakt genannt, der für Sie zu einem hilfreichen Partner wird. Wirtschaftsförderungen stehen Ihnen gerne zur Seite und verstehen sich als Partner der Region. 

Zum Autor: 

Julian Schneider ist seit Januar 2021 Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land mbH. In seiner, immer am letzten Donnerstag des Monats erscheinenden Kolumne bringt er Wirtschaftsthemen verständlich und hochaktuell ins St. Wendeler Land.

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